Eschweiler trauert um Josef Carduck

Von: rpm
Letzte Aktualisierung:
jupp2_
Jahrzehntelang hat er die Fünfte Jahreszeit in Eschweiler maßgeblich geprägt: Jupp Carduck. 85 Jahre alt wurde der Komitee-Ehrenpräsident.

Eschweiler. Irgendwann heißt es für jeden: Abschied nehmen. Für Josef Carduck kam der Ruf mitten in jener Zeit, die ihm die liebste war: Am Karnevalssonntag trat der Ehrenpräsident des Eschweiler Karnevalskomitees seine letzte Reise an.

Jupp Carduck lebt nicht mehr. 85 Jahre alt ist der Mann geworden, dessen Name wie kein anderer mit dem Karneval in seiner Heimatstadt verwachsen ist. Jupp Carduck liebte und lebte den Fastelovend, bewahrte seine Traditionen und hatte ein Auge darauf, dass seine soliden Fundamente nicht von kurzlebigen Zeitgeist-Strömungen unterspült wurden. Und er trug maßgeblich dazu bei, dass die Indestadt bundesweit geachtet, respektiert und sicher auch etwas beneidet wurde.

Jupp Carduck, der Grandseigneur der Eischwiele Fastelovend, war ein Fels in der Brandung. Unaufgeregt und souverän hielt er als Komitee-Präsident das Eschweiler Narrenschiff auf Kurs. Auf Erfolgskurs: 22 Gesellschaften pflegen heute unter der Fahne des Komitees das närrische Brauchtum.

Die Zahl der Veranstaltungen ist Legion, die Qualität des Eschweiler Trompeterkorps und der Mundart-Musikgruppen ist bundesweit bekannt, und vom Rosenmontagszug, dem nach Teilnehmerzahlen inzwischen drittgrößten der Bundesrepublik, können Karnevalisten andernorts nur träumen. Jupp Carduck machte sich in zahlreichen Funktionen und Ämtern einen Namen.

Er war Vorsitzender der KG Ulk Oberröthgen, Präsident der KG Rote-Funken-Artillerie, Präsident des Eschweiler Karnevals-Komitees, Präsidiumsmitglied des Bundes Deutscher Karneval (BDK), war Prinz seiner Heimatstadt (1954) und Autor des Buches „Heijo is mie Vatte”, des Standardwerks über 150 Jahre Eischwiele Fastelovend (2000).

Es war der 1. Dezember 1923, als Josef in Röthgen das Licht der Welt erblickte. Was folgte, war eine unbeschwerte Kindheit in einer Familie, in der der Karneval einen großen Stellenwert hatte. „Das war die Zeit, in der die Großmütter die Kostüme in großen Waschkörben verwahrten. Und an den tollen Tagen wurden sie dann hervorgeholt”, erinnerte sich Jupp Carduck kurz vor seinem 85. Geburtstag im vergangenen Jahr.

1935 erlebte er seinen ersten Rosenmontagszug, elf Jahre später war er Mitglied der KG Ulk Oberröthgen. Und im Jahr darauf stand er bereits selbst auf der Bühne. Er mit Gitarre, Jupp Thelen am Akkordeon und Josef Goerres am Kontrabass - das waren die bald schon legendären „Drei Bibis”, die in ihren Texten das lokale Geschehen aufs Korn nahmen.

1951 übernahm Carduck den Vorsitz der Ulk, drei Jahre später bestieg er den Narrenthron. Dabei hatte er die höchsten närrischen Ehren, die ihm da widerfuhren, eigentlich gar nicht angestrebt. „Es war eine spontane Entscheidung, weil andere Kandidaten abgesagt hatten”, berichtete er später.

Aber eine, die sein Leben maßgeblich und positiv beeinflusste und ihm Erfahrungen einbrachte, die auch seine Tätigkeit als Präsident der Roten Funken (1964 bis 1988) und unermüdlicher Komitee-Präsident von 1970 bis 2001 prägten. Jupp Carduck, das war „Mister Fastelovend” in höchster Instanz.

Er war es auch, der den Karneval nach Wattrelos brachte und damit die Basis für eine funktionierende Städtefreundschaft legte.

Möglich machte dies nicht zuletzt die stete Unterstützung durch seine Familie. Mit seiner Ehefrau Käthe hatte der gelernte Flugzeugbauer, spätere Polizist und letztliche Chemotechniker drei Töchter und einen Sohn, die die Familie um sieben Enkel bereicherten.

Nach dem Tod seiner Frau musste auch Jupp Carduck schwere gesundheitliche Schläge einstecken, die es ihm zuletzt kaum erlaubten, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen.

Zahlreiche Auszeichnungen belegen die Verdienste Jupp Carducks für den Karneval und die Bürger der Indestadt.

Eine Messe für den Verstorbenen wird am Montag um 10 Uhr in der Röthgener Pfarrkirche St. Marien gehalten. Anschließend werden Jupp Carducks sterbliche Überreste auf dem katholischen Friedhof an der Dürener Straße zu Grabe getragen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert