Eschweiler Tafel möchte mehr Menschen erreichen

Von: Laura Laermann
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Eschweiler Tafel
Seit drei Jahren kauft Ursula Offermann bei der Tafel Lebensmittel ein. Für die 70-Jährige bedeutet die Ersparnis mehr Freiheiten im Alltag. Foto: Laura Laermann
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Horst Berretz, Karin Schmaling und Maria Jackowski (von links) organisieren die Eschweiler Tafel. Foto: Laura Laermann

Eschweiler. Um 14.30 Uhr ist die Kühltheke noch gut gefüllt mit Quark, Käse, Wurst und Fleisch. Auch die Regale sind zu dieser Zeit reichlich mit Obst und Gemüse bestückt. Doch in zwei Stunden wird das kleine Geschäft auf der Röthgener Straße ausverkauft sein.

Die Eschweiler Tafel ist kein Geschäft im klassischen Sinn. Stattdessen ermöglicht der Verein, dass Bürger hier für kleines Geld ihren Lebensmittelstand auffüllen können. Zwischen fünf und zehn Cent zahlt man für ein Teil. Doch nicht jeder ist berechtigt, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Die Tafel hilft vor allem Familien und Rentnern, aber auch alleinstehenden Personen, die mit ihrem Einkommen an Grenzen stoßen. Voraussetzung ist dabei ein Sozialhilfebescheid, ein Nachweis der Arge, der Rente oder eine Lohnbescheinigung.

Die 70-jährige Ursula Offermann muss jeden Monat mit einer kleinen Rente auskommen. Als das Geld nach einer Mieterhöhung immer knapper wurde, war die Tafel eine große Entlastung für sie. Seit drei Jahren kauft Offermann dort ein: „Mir hilft das Angebot der Tafel sehr. Mit dem, was ich hier spare, kann ich mir auch mal eine Tasse Kaffee mit Freunden gönnen oder mir einen Pullover leisten.“ Da die Rentnerin alleinstehend ist, sind soziale Kontakte ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Die Unterstützung der Tafel schafft zum einen Freiräume, zum anderen verbindet sie. „Für viele Leute ist die Tafel ein Treffpunkt, bei dem sie sich jede Woche sehen und ins Gespräch kommen“, erklärt Karin Schmaling, die Vorsitzende der Eschweiler Tafel.

Anders als die alleinstehende Rentnerin sind viele Bürger mehrmals in der Woche auf die günstigen Lebensmittel angewiesen. Damit jeder das bekommt, was er benötigt, ist viel Organisation im Hintergrund nötig. Ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter helfen bei der Tafel und ermöglichen jeden Tag einen reibungslosen Ablauf. Dazu zählen zum einen die Fahrer, die Ware an den Supermärkten abholen und zum anderen die freiwilligen Helfer im Geschäft der Tafel, die die Waren reinigen, sortieren, einräumen und herausgeben.

Die Tafel nimmt Kühlwaren an, die bis zu einem Tag abgelaufen sind und Obst und Gemüse, das von den Supermärkten aussortiert wird. Je nachdem, wie viel Ware der Tafel zu Verfügung steht, müssen die Mitarbeiter abschätzen, wie viel sie rausgeben können. Die Erfahrung zeigt: „Durchschnittlich kommen 70 Personen, die für drei Personen einkaufen. Auf diese Weise können wir unseren Bestand gerecht rationieren“, erklärt Horst Berretz, stellvertretender Vorsitzender der Eschweiler Tafel.

Ein System aus blauen und weißen Karten teilt die Kunden in zwei Gruppen ein, die jeweils im Wechsel an einem Tag bei der Tafel einkaufen können. Obwohl alle Kunden gleichberechtigt sind, kommt es dennoch zu Streitpunkten. „Zuletzt wollte sich ein Drängler vorpfuschen und verhielt sich dabei sehr respektlos. Das ist unfair gegenüber den anderen Wartenden und den Mitarbeitern, die hier freiwillig helfen“, betont Ursula Offermann.

Auch wenn Fälle wie dieser eine Ausnahme sind, reagieren die Mitarbeiter der Tafel bei Regelverstoß mit Konsequenzen wie der Abnahme der Karte. Damit es gar nicht erst dazu kommt, ist der große Wartebereich mit vielen Sitzplätzen gut strukturiert. Auf zwei Anzeigen und durch einen Lautsprecher werden die Nummern der einzelnen Karten durchgegeben. Die Installation stellt Barrierefreiheit sicher für Menschen mit einer Seh- oder Hörschwäche oder für ausländische Mitbürger, die kein Deutsch sprechen.

Ein Service wie dieser zeigt, dass man nicht nur „Bedürftiger“ bei der Tafel ist, sondern als Kunde wie jedes anderen Lebensmittelgeschäfts auch wahrgenommen wird. Dennoch kostet es viele Überwindung: „Wir würden gerne noch mehr Menschen erreichen, vor allem Rentner“, erklärt Schmaling. „Doch viele schämen sich, zur Tafel zu gehen.“ Auch Ursula Offermann fiel dieser Schritt schwer.

„Meine Freunde haben anfangs mit abfälligen Sprüchen reagiert: ,Wie, du gehst zur Tafel?‘ Doch als ich erklärt habe, dass die Lebensmittel sehr gut sind und dass es mich entlastet, hatten sie Verständnis.“ Mittlerweile ist es für die Rentnerin selbstverständlich, ihre Lebensmittel bei der Tafel zu kaufen. Hier bekommt sie auch mal Exotisches, wie eine Ananas, die sie sich beim Einkauf im Supermarkt nicht leisten könnte. „Wenn einmal die Hemmschwelle überwunden ist und die Leute merken, dass es ihre Lebensqualität bereichert, sind sie sehr glücklich über ihre Entscheidung“, weiß Maria Jackowski, Schriftführerin der Eschweiler Tafel.

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