Eschweiler staffelt Elternbeiträge für Offene Ganztagsbetreuung neu

Von: Rudolf Müller
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Ob Mathe-AG oder Foto: imago/Felix Jason
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Bildnummer: 53008085 Datum: 24.04.2009 Foto: School Education Europe

Eschweiler. Wer sein Kind in einer Offenen Ganztagsschule gut betreut wissen will, der muss dafür ab dem kommenden Schuljahr unter Umständen deutlich tiefer in die Tasche greifen als bisher. Die Stadt passt die Gebührenstaffelung den bisher schon für die Kindertagesstätten geltenden Einkommensstufen an.

Das bedeutet, dass die zu zahlenden Beträge bei höheren Einkommen drastisch steigen. Liegt der Höchstsatz bisher bei 88 Euro fürs erste und 71 Euro für jedes weitere Kind, so beträgt er künftig 160 und 80 Euro. „Bisher“, so sagt Schulamtsleiterin Petra Seeger, „lagen die Elternbeiträge bei uns als einzige Stadt in der Städteregion deutlich unter dem vom Schulministerium vorgegebenen Höchstsatz.“ Der liegt bei 180 Euro. Und da bleibt Eschweiler auch weiterhin drunter.

Allerdings sind die von der Stadt geforderten Elternbeiträge nicht die ganze Wahrheit: Zusätzlich müssen Eltern die Kosten für das Essen in der Schule berappen. Und die liegen bei durchschnittlich 3,15 Euro pro Tag. Ausnahme: Röhe. Dort gibt sich das liefernde Restaurant mit 2,20 Euro zufrieden.

Im kommenden Schuljahr wird die Stadt insgesamt mehr als eineinhalb Millionen Euro für die OGS bezahlen, genau: 1.652.663 Euro. Davon trägt allerdings das Land 995.031 Euro. Die Elternbeiträge kalkuliert die Stadt derzeit mit 364.095 Euro. Bleibt der Stadt ein Anteil von 293.537 Euro.

„In den Kosten von aktuell 1913 Euro pro Schüler und Schuljahr sind die investiven Ausgaben wie Mensabau und -umbau etc. noch nicht enthalten. Aktuell steht der Umbau der Mensa in Bergrath und Röhe an“, sagt Petra Seeger. „Große Investitionen wurden zum Beispiel auch in die Erweiterung des Ganztagsbereichs der Don-Bosco-Schule gesteckt.“

Seit die Stadt mit dem Schuljahr 2003/04 an der Eduard-Mörike-Schule erstmalig für Eschweiler eine Offene Ganztagsschule (OGS) einrichtete, hat sich die OGS zum Erfolgsmodell entwickelt. Mit dem Schuljahr 2016/17, wenn auch die KGS Röhe den Ganztagsbetrieb aufnimmt, verfügen dann alle elf Eschweiler Grundschulen über Ganztagsangebote.

Deren Durchführung legt die Stadt in die Hände von Kooperationspartnern: An der EGS Stadtmitte, der Don-Bosco-Schule, der Eduard-Mörike-Schule, an der Barbara-Schule sowie an deren Röthgener Filiale hat der Kinderschutzbund die Trägerschaft übernommen, in Bergrath, Bohl, Kinzweiler und Röhe ist es der Verein für betreute Schulen Aachen-Land e.V., an der KGS Dürwiß das Haus St. Josef und in Kinzweiler ein Förderverein.

Sie alle sehen sich einer stetig steigenden Nachfrage gegenüber: Seit dem Schuljahr 2010 haben sich die Anmeldezahlen verdoppelt. Und das bei insgesamt sinkenden Schülerzahlen. Wurden 2010 noch 431 Schüler ganztags betreut, so waren bis Anfang April für das kommende Schuljahr bereits 864 Mädchen und Jungen angemeldet.

Darauf, dass sie nicht nur „verwahrt“, sondern sinnvoll pädagogisch betreut werden, hat die Stadt ein waches Auge. „Es gibt Kooperationsverträge über die Ausgestaltung des Angebots“, betont Petra Seeger. „Unsere Kooperationspartner sind demnach auch in der Pflicht, ihr Personal zu qualifizieren. Und darauf, dass überall qualifiziertes Personal eingesetzt wird, legen wir größten Wert.“

Beispiel Kinderschutzbund: „In den 17 OGS-Gruppen arbeiten als Gruppenleiter 15 Erzieher und Erzieherinnen. Zwei Kollegen haben ein nicht-pädagogisches Studium und Zusatzausbildungen“, sagt Anne Weisser. „Bei den Assistenten haben wir Kinderpfleger, Quereinsteiger aus Krankenpflege-Berufen, Lerntherapeuten, Lehrer aus unterschiedlichen Ländern und Mitarbeiter, die einjährige Qualifikationen im Bereich OGS mitgemacht haben. Pro Gruppe von 25 bis 30 Kindern beschäftigen wir einen Erzieher bzw. eine Erzieherin (Lehrer) mit mindestens 28,5 bis 35 Stunden und eine Assistentin mit 20,5 Stunden.“ Und alle – selbst das Küchenpersonal – treffen sich regelmäßig 14-tägig oder monatlich zur Fortbildung. Themen waren im vergangenen Jahr zum Beispiel Schreib- und Leseförderung, Aggressionsabbau, Internet und Medien, Kinderkrankheiten und psychosomatische Hintergründe sowie Umgang mit herausforderndem Verhalten. Hinzu kamen ganztägige Lehrerfortbildungen sowie vom Land angebotene Fortbildungen für Schulleiter und OGS-Träger.

Letztere tauschen sich nicht nur in der OGS-Trägerkonferenz auf kommunaler Ebene aus. Auch die OGS-Konferenz auf Städteregionsebene gibt Handlungsempfehlungen zu allen möglichen Themen. Als Dogmen sind die natürlich nicht zu sehen: Schließlich hat jeder Träger und jede Schule je nach personeller und finanzieller Ausstattung völlig unterschiedliche Möglichkeiten. „Die Vielfalt der Angebote und der Umfang und Inhalt der Betreuung sind nur durch die Akquirierung von vielen Spenden möglich“, betont Anne Weisser. „Da steht und fällt alles mit ehrenamtlichem Engagement und mit Spendern“, unterstreicht auch Petra Seeger.

Um ein möglichst breites Angebot bereithalten zu können, kooperieren die OGS-Träger mit weiteren Partnern. Zum Beispiel mit dem Sportbund der Städteregion, der mit dem „Sportkarussell“ eine Reihe unterschiedlicher Sportangebote über eine Laufzeit von mehreren Monaten oder gar einem ganzen Schuljahr liefert. „Der Sportbund qualifiziert zudem Übungsleiter und eröffnet den OGS-Trägern neue Zuschussquellen“, freut sich Seeger.

Kooperationen gibt es aber auch mit der Stadtbücherei, der Musikschule Eschweiler und dem Kolping-Bildungszentrum. Was dabei herauskommt, kann sich sehen lassen: Da gibt es Gitarren- und Trompetenkurse, Holz-Arbeitsgemeinschaften, Judo-, Schwimm-, Tennis- und Tischtennis-AGs, Handarbeits-AGs, Nähstübchen, Wald- und Kunst-AGs, Zumba- und Zirkus-AGs, Computer-, Hiphop-, Lego- und Technik-AGs, Experimentier-AGs, Tanz- und Yoga-AGs. Täglich von 11.30 bis 16 Uhr besteht das Angebot an allen elf Grundschulen. Mindestens: Der Kinderschutzbund ist sogar schon vor Unterrichtsbeginn zur Stelle und bietet eine Betreuung von 7.30 bis 16 Uhr. Und das nicht nur an Unterrichtstagen, sondern auch in insgesamt zwölf Ferienwochen sowie an allen Brückentagen. Das entlastet nicht nur die Eltern an unterrichtsfreien Tagen und Wochen, sondern sichert Kindern auch in Freistunden wegen Unterrichtsausfall eine adäquate Betreuung. „Das allerdings wird über die Beiträge und Zuschüsse nicht bezahlt“, betont Petra Seeger. „Das ist nur möglich durch ein entsprechendes Spendenaufkommen.“

Das gilt auch für das vom Kinderschutzbund wöchentlich vorgehaltene „OGSplus“-Angebot Soziale Gruppenarbeit, an dem in neun Kleingruppen je vier bis sechs Kinder teilnehmen. „Ziel der Arbeit ist es, Kinder mit verschiedenen Handicaps zu integrieren, auch durch verstärkte Elternarbeit“, erläutert Anne Weisser. „Dies wird zum Teil von externen Coachs durchgeführt oder von speziell geeigneten Mitarbeitern.“

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