Eschweiler Music Festival: Laser strahlen zum Finale in den Himmel

Von: Patrick Nowicki
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Exzellente Musiker auf der Marktbühne am Samstag: Rocker Chris Thompson sorgt auch für Gänsehaut-Momente bei den 3500 Zuhörern. Foto: Patrick Nowicki
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Verlassen kann er sich auf seine exzellente Band, in der Gunnar Bjelland die Tasten drückt. Foto: Patrick Nowicki
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Gitarrist Mads Eriksen sorgte mit zahlreichen Soli für Furore. Foto: Patrick Nowicki
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Zum musikalischen Höhepunkt trug am Samstag aber vor allem die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg unter der Leitung von Juri Gilbo bei. Foto: Patrick Nowicki
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Sammelten am Samstag während des Konzerts von Chris Thompson für Kulturprojekte in der Stadt: die Helfer mit der Organisatorin der Sammlung, Monika Medic. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Als am Samstag kurz nach 22 Uhr Laserfiguren in den Eschweiler Abendhimmel projiziert werden, entspannen sich die Gesichtszüge von Max Krieger. Soeben schmettert Chris Thompson sein wohl bekanntestes Lied ins Mikrofon: „You‘re the voice“, mit dem Sänger John Farnham zu Weltruhm kam.

Im Hintergrund der exzellenten Rockband an der Seite des ehemaligen Frontmanns der Manfred Mann‘s Earth Band breitete die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg unter der Leitung von Juri Gilbo einen festlichen Klangteppich aus. Ein Gänsehautmoment – und so etwas wie die festliche Hymne des Music Festivals, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Dazu läuten die Glocken der Pfarrkirche St. Peter und Paul.

„Diesen Augenblick habe ich schon seit einigen Jahren vor meinem geistigen Auge, ich bin glücklich, dass er gelungen ist“, beschreibt Max Krieger den Abschluss des Konzerts am Samstag, das, moderiert von Robert Esser, erneut ein Glanzlicht setzt. Vor einigen Wochen hatten sich Chris Thompson und Juri Gilbo zusammengesetzt, um acht Stücke, manche davon Klassiker, für Orchester und klassische Rockbesetzung zu arrangieren. Dieses Experiment gelingt beeindruckend. Die Menschen vor der Bühne jubeln frenetisch.

Manche von ihnen mögen beim Auftakt noch etwas verwundert geschaut haben, denn die Kammerphilharmonie eröffnet das Konzert mit Bizets „Toreadors“ aus der Oper Carmen. Es folgen die Filmmusik von „Cinema Paradiso“, Brahms ungarische Tänze und schließlich „Farandole“, erneut von Bizet.

So etwas überrascht eingefleischte Rockfans natürlich. Dann betritt Thompson selbst die Bühne, zunächst recht einsam mit Gitarre und stimmt den „Redemption Song“ von Bob Marley an. Gunnar Bjelland steuert dezent Keyboard-Klänge dazu. Chris Thomson lässt vor den inzwischen 3000 Menschen auf dem Markt seine Stimme wirken, die sicherlich nicht mehr die Höhen vergangener Jahre erreicht, aber in diesem Moment unglaublich rau und gefühlvoll zugleich wirkt.

Rocker Thompson lässt es natürlich trotz seiner inzwischen 69 Jahre keineswegs nur ruhig angehen. Im brachialen Vierviertel lässt er den Marktplatz mehrfach erbeben und kann sich dabei blind auf seine Band verlassen, die sich größtenteils aus exzellenten Musikern aus Skandinavien zusammensetzt. Gitarrist Mads Eriksen, Bassist Frank Hovland, Schlagzeuger Zsolt Meszavos und Gunnar Bjelland sind perfekt aufeinander abgestimmt. Für Klang-Ästheten hat vor allem Bjelland eine Besonderheit im Gepäck: eine originale Leslie-Orgel, die ihren unvergleichlichen Sound auch hinter der Bühne verbreitet.

Frenetisch singen Fans mit

Das Programm lässt keine Wünsche offen. Wird Manfred Manns „Demolition Man“ noch in der klassischen Bandbesetzung sehr sphärisch präsentiert, so rocken die gestandenen Herren „Eddie wants to rock“ mit ganzer Inbrunst auf der Bühne. Spätestens als die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg hinzukommt, kennt die Begeisterung auf dem Markt keine Grenzen mehr. Frenetisch singen die Menschen jede Zeile von „Blinded by the night“, „The mighty quinn“ und „Davy‘s on the road again“ mit, ehe schließlich zum großen Finale „You‘re the voice“ erklingt.

Nicht nur die Zuschauer des Konzerts, das wie alle am Wochenende dank Sponsoren ohne Eintritt stattfinden konnte, sind nach den letzten Akkorden zufrieden. Schon während des Konzerts gehen die Musiker der Kammerphilharmonie euphorisch mit, anschließend erklärt Juri Gilbo, was diesen Auftritt in Eschweiler für die Klassikmusiker so besonders macht: „Dies ist eine schöne Abwechslung und auch eine besondere Aufgabe für uns gewesen.“ Der Dirigent, der übrigens privat Hip-Hop bevorzugt, war auch bei der italienischen Opern-Gala vor einer Woche verantwortlich. Dass lediglich eine Probe mit Thomp­sons Rockband am Samstagnachmittag reichen musste, spürte man während des Konzerts nicht. Profis eben.

Die Musiker lassen es sich nach getaner Arbeit auf der Hauptbühne übrigens gut gehen: Manche erkunden die Kneipen-Rallye. Für die zahlreichen Helfer auf dem Marktplatz geht die Arbeit in der Nacht weiter. Das Konzert mit Brings muss vorbereitet werden. Die Kölschrocker entern am Sonntagnachmittag die Bühne, nachdem sich drei Nachwuchsbands bei „Jugend rockt“ präsentiert haben.

Verantwortliche zufrieden

Bei den Verantwortlichen des größten Gratis-Festivals in der Region herrscht Zufriedenheit. Der Blick geht aber schon nach vorne, wie auch Schirmherr und Bürgermeister Rudi Bertram betont: „Nun gilt es, Nachhaltigkeit zu schaffen.“ Das Eschweiler Music Festival 2016 hat die Messlatte nämlich noch einmal deutlich angehoben. In den nächsten Monaten will man sich mit den Marktwirten an einen Tisch setzen, um ein einheitliches Bewirtungskonzept zu entwickeln. Die Bierwagen sollen bei der nächsten Auflage passé sein. Auch gilt es, weitere Sponsoren zu gewinnen.

Es wartet also noch viel Arbeit auf Festival-Organisator Max Krieger und seine Helfer. Doch zunächst kann er sich auf den Erfolg ein wenig ausruhen – nach vielen kurzen Nächten beim Eschweiler Music Festival. Seine beiden Praktikanten Manuel Hauck und Jairo Monclair verbrachten ebenso wenig Stunden im Bett wie Krieger selbst. So ein Festival schlaucht ganz schön, auch wenn es – um es mit Brings zu formulieren – eine „Superjeile Zick“ war.

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