Eschweiler Krankenhaus legt besonderen Wert auf Hygiene

Von: Patrick Nowicki
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Die meisten Übertragungen von Keimen passieren über die Hände: Hygienefachkraft Beate Metterhausen hält die Händedesinfektion im Hospital für unerlässlich. Wie auf dieser Seite symbolisch dargestellt, lauern Viren (rund) und Bakterien (länglich) überall. Foto: Patrick Nowicki/Stock/Blickwinkel

Eschweiler. Sie müssen nur die Türklinke herunterdrücken, eine Nummer auf dem Handy tippen oder den Griff der Kaffeetasse anpacken – schon ist es passiert. Sie sind mit Keimen in Kontakt gekommen. Bakterien, Viren und Pilze sind überall. Doch keine Sorge, denn der Körper weiß sich zu wehren. Es sei denn, er ist selbst geschwächt. Dann kann eine einfache und sonst harmlose Infektion gefährlich sein. Ein Grund mehr für das Eschweiler Krankenhaus, besonderen Wert auf die Hygiene zu legen. Denn dort hat man tagtäglich mit Schwerkranken zu tun.

Beate Metterhausen ist eine von drei Hygienefachkräften am St.-Antonius-Hospital, die ein Auge auf die täglichen Abläufe wirft. Ein im wahrsten Sinne des Wortes einfacher Handgriff hilft nämlich, die Gefahr einer Keimübertragung auf den Stationen zu dämmen: die Händedesinfektion. „Seine Hände 30 Sekunden mit Desinfektionsmittel einzureiben, genügt in der Regel, die meisten Keime abzutöten“, sagt sie. Aber wann und wie oft, das ist die Frage. Dafür gibt es jedoch klare Leitlinien und Bestimmungen, die die Abläufe am Krankenbett regeln. Zudem nimmt das Eschweiler Hospital an der Aktion „Saubere Hände“ teil. Dort erreichte es Bronze, jetzt ist das Silberabzeichen das Ziel.

In jedem Patientenzimmer hängt ein Spender mit Desinfektionsmittel. In besonders sensiblen Bereichen befinden sich die Behälter am Zimmereingang, damit Keime gar nicht erst mit in den Raum gebracht werden. Einige Sachen regelt im Krankenhaus das Arbeitsschutzgesetz. Schutzbrille, Mundschutz und flüssigkeitsdichte Kittel gehören zum Inventar. Es gibt Bestimmungen für die Entsorgung von medizinischem Abfall. Und doch ist der Kampf gegen die Keime im Hospital eine große Herausforderung. Zum einen gilt: „Es lassen sich nur 30 Prozent der Infektionen vermeiden“, sagt Beate Metterhausen. Und zum anderen bilden sich immer mehr Erreger, die auf herkömmliche Antibiotika nicht mehr reagieren. Diese multiresistenten Keime werden besonders beobachtet.

Im Labor stellen die Fachleute fest, ob ein Patient mit einer solchen Bakterie befallen ist. Dann muss er isoliert werden, es greifen noch schärfere Hygienevorschriften, schließlich soll eine weitere Übertragung vermieden werden. „Oft merken dies die Menschen selbst nicht, dass sie Träger dieses Keimes sind“, erläutert Metterhausen. In kritischen Fällen kommt Professor Dr. Sebastian Lemmen hinzu. Der Fachmann für Krankenhaushygiene und Infektiologie am Uniklinikum Aachen bespricht mit den behandelnden Eschweiler Ärzten und dem Pflegepersonal, was zu tun ist.

Die Zahl der Neuansteckungen im Eschweiler Krankenhaus mit einem solchen resistenten Erreger ist gering: Im Jahr 2012 wurden dem „Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen“ 17 Fälle gemeldet. 126 Fälle trugen einen solchen Keim bereits bei ihrer Einlieferung ins Krankenhaus. Insgesamt behandelte das Hospital in 2012 17803 Fälle, die in der Summe 112618 Tage blieben.

Vieles ist Detailarbeit: Die eigens in einer zweijährigen Fachweiterbildung geschulten Hygienefachkräfte schauen sich Station für Station an, wo die Gefahren einer Infektion lauern und wie man sie reduzieren kann. Für die Aktion „Saubere Hände“ muss ein Bogen ausgefüllt werden. Anschließend werde die Daten ausgewertet. Dann beginnt das Hygiene-Team mit weiteren Schulungen. Die Erfolge lassen sich statistisch belegen: An einer Station desinfizierten sich 52 Prozent des Personals nach Patientenkontakt die Hände. Nach der Schulung waren es 94 Prozent. „Es geht nicht darum, eine Vorschrift zu verschicken und den Zeigefinger zu heben, sondern die Bedeutung der Hygiene für alle ins Bewusstsein zu rufen“, sagt Astrid Engels. Sie und Christina Kexel vervollständigen das Hygiene-Team am Krankenhaus.

Trotz allem Aufwand lassen sich Infektionen nicht vollständig vermeiden. Keime suchen sich nicht aktiv das nächste Opfer. Sie werden dahin getragen. Die Hände sind nach wie vor ein Hauptübertragungsweg von Erkrankungen. Aus diesem Grund rät Beate Metterhausen jedem, sich regelmäßig mindestens die Hände zu waschen, bestenfalls zu desinfizieren. Das sollte nicht nur für das Krankenhauspersonal vom Chefarzt bis zur Pflegekraft gelten. „Gewisserweise ist auch jeder Patient für seine eigene Hygiene verantwortlich, wenn er dazu in der Lage ist“, sagt sie.

Es kommt nach wie vor vor, dass sich Menschen im Krankenhaus neu infizieren oder sogar an einer Infektion sterben. Elmar Wagenbach, der geschäftsführende Vorstand des Krankenhauses warnt jedoch vor Panikmache und bezieht sich dabei auf jüngste Äußerungen von Krankenkassen: „Zu behaupten, die Menschen würden reihenweise an einer Infektion in den Krankenhäusern sterben, ist sachlich falsch.“ Er warnt vor pauschalen Verurteilungen. Gerade im Bereich der Hygiene habe es in den vergangenen Jahren eine große Entwicklung gegeben. „Was wir hier im Krankenhaus machen, geht teilweise über das Erforderliche hinaus“, betont er. Die Teilnahme an der Aktion „Saubere Hände“ sei ein solches Beispiel. Warum aber die harten Vorwürfe der Krankenkassen? Wagenbach vermutet dahinter die Absicht, die „Menschen zu verunsichern, damit sie seltener in die Krankenhäuser gehen“. Man wolle Kosten sparen.

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