Eschweiler - Eschweiler Jumping Festival: Die „Quali“ für Rio führt über Weisweiler

Eschweiler Jumping Festival: Die „Quali“ für Rio führt über Weisweiler

Von: Patrick Nowicki
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Freuen sich auf das Eschweiler Jumping Festival in Weisweiler, das heute mit dem „Late Entry“ beginnt: (von links) Andrea Weinberg, Felix McCartney sowie Helena und Tim Stormanns. Foto: Nowicki
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Springt in Eschweiler: Olympiasieger Steve Guerdat (Schweiz) auf Nino des Buissonnets. Foto: Imago

Eschweiler. Wer die jährlichen Großereignisse in der Indestadt aufzählt, der wird sicherlich an den Karneval und das Eschweiler Music Festival denken. Dabei hat sich unmittelbar neben dem Hubert-Bündgens-Stadion eine Veranstaltung zu einem Höhepunkt im städtischen Kalender gemausert: das Eschweiler Jumping Festival.

Bis zum 24. April blicken die Reiter nämlich nach Weisweiler, wo sich die Weltelite am Reitstall der Familie Stormanns trifft. Welche Bedeutung das Sportereignis inzwischen genießt, unterstreicht nicht nur das Gesamtpreisgeld in Höhe von 192.000 Euro, sondern auch der sportliche Reiz für Pferd und Reiter: Es geht um Punkte in der Weltrangliste und die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

Familie Stormanns verantwortlich

Verantwortlich für das Eschweiler Jumping Festival ist die Familie Stormanns, die in Weisweiler vor einigen Jahren mit ihrem Reitbetrieb heimisch wurde. In der Springerszene genießt Helena Stormanns einen hervorragenden Ruf – als äußerst erfolgreiche Springreiterin mit Siegen bei 24 Nationenpreisen und als engagierte Ausbilderin.

„Es macht mir großen Spaß, junge und talentierte Pferde zu entdecken“, sagt die gebürtige Britin, die allerdings seit 1987 für Deutschland startet und erfolgreich war. Die bei zahlreichen Turnieren geknüpften Kontakte halfen der Familie Stormanns, das Turnier, das im Jahr 2010 als Eschweiler Pferdetage mit einem Preisgeld von 4600 Euro startete, zu einem international anerkannten Turnier wachsen zu lassen.

Davon profitiert auch die Region, denn alleine zu den ersten sechs Turniertagen werden an die 500 Pferde erwartet. Etwa 350 Reiter aus den USA, Kanada, Hongkong, China, Japan und den europäischen Ländern haben ihre Teilnahme zugesagt. Wer ein Hotelzimmer in diesen Tagen in Eschweiler sucht, wird wohl häufiger erfahren müssen, dass die Zimmer ausgebucht sind. Helena Stormanns ist sich sicher, dass „auch die Restaurants in Eschweiler in den nächsten Tagen mehr zu tun haben werden“.

Der Aufwand im Vorfeld und während des Turniers ist enorm, denn der Weltreitverband FEI verknüpft Springprüfungen dieser Kategorie mit klaren Vorgaben. Doping-Kontrolleure sind ebenso ständig vor Ort wie Tierärzte. Alles erfolgt nach klaren Regeln und Bestimmungen. Es ist sogar festgelegt, welche sanitären Einrichtungen für die Pfleger zur Verfügung stehen müssen. Sie übernachten in großen Wohnmobilen auf einer angemieteten Wiese an der Brücke der Bundesstraße 264.

Diesen enormen logistischen Aufwand könnte der Ausrichter, der Eschweiler Pferdesportverein, nicht alleine stemmen. Wenn Profis im Sattel sitzen und hochausgebildete Pferde reiten, dann müssen auch Profis den Rahmen schaffen: Die Verpflegung der zahlreichen Helfer, Sportler und Zuschauer übernimmt ein Catering-Unternehmen aus Aachen.

Dessen Aufgabe umreist Helena Stormanns so: „Morgens um 6 Uhr benötigen die Pfleger ein Frühstück, abends um 22 Uhr möchte ein Reiter ein Steak.“ Dies könne nicht jedes Unternehmen leisten. Eine Firma erledigt den Parcours-Aufbau. Von den Zelten mit den Pferdeboxen befinden sich einige im Fußballstadion nebenan. Die Nachbarschaft zur Fortuna nennt Stormanns „freundschaftlich“.

Hoffnungsvolle Talente am Start

Vieles erinnert in Weisweiler in diesen Tagen an den CHIO in Aachen. Firmen präsentieren in einer kleinen Budenstadt Reitsportartikel. Alles wirkt natürlich kleiner als beim Weltfest des Reitsports in der Soers, aber von den Jahren her steckt das Turnier in Eschweiler noch in den Kinderschuhen. Umso mehr verwundert es, dass vor allem bei den jungen Reitern hoffnungsvolle Talente des Reitsports in Weisweiler im Sattel sitzen. Wer sich für das Bundesfinale qualifizieren will, der tritt beim Eschweiler Jumping Festival an. Dem Nachwuchs gehört die zweite Turnierwoche.

Dass selbst der amtierende Olympiasieger Steve Guerdat aus der Schweiz nach Eschweiler kommt, ist eher Zufall: Sein Siegpferd „Nino des Buissonnets“, mit dem er in London den Titel holte, soll nach einer längeren Ausfallzeit wieder langsam an den Turnierbetrieb herangeführt werden. Dies soll unter anderem auch in Weisweiler geschehen.

Doch auch das übrige Teilnehmerfeld kann sich sehen lassen. Die kürzeste Anreise hat sicherlich der Ire Denis Lynch, dessen Pferde im Stall der Stormanns untergebracht sind. 55 Boxen befinden sich in dem im Jahr 2005 renovierten und ständig erweiterten Reitstall. Zwischen 15 und 25 Pferde befinden sich im Besitz der Familie Stormanns. Viele von ihnen werden in Weisweiler ausgebildet und trainiert und schließlich an ambitionierte Reiter verkauft.

Helena Stormanns selbst reitet nur noch selten selbst bei Turnieren und hat sich voll und ganz der Nachwuchsförderung verschrieben. So tritt Tochter Andrea in die Fußstapfen ihrer Mama. Ihre Ausbildung absolvierte sie beim Veranstalter des CHIO. An den Turniertagen ist sie fest in Ablauf und Organisation mit eingebunden. Ihr Credo: Das Jumping Festival ist „von Reitern für Reiter organisiert“.

Jeden Morgen um 8 Uhr geht es an den Turniertagen los. Was die Reitsportbegeisterten freuen wird: Trotz des erlesenen Teilnehmerfeldes ist der Eintritt aufs Festival-Gelände in Weisweiler an allen Tagen frei.

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