Eschweiler investiert weiter in Kita-Plätze

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
15290546.jpg
4,8 Millionen Euro wurden in den Bau der neuen Kindertagesstätten am Grüner Weg und in Dürwiß gesteckt. Noch sind diese beiden Kitas nicht eröffnet, schon ist klar: Es müssen in Eschweiler weitere Betreuungsplätze geschaffen werden. Foto: René Costantini
15289235.jpg
Er will weiter in Kita-Plätze in Eschweiler investieren: Stadtkämmerer und Sozialdezernent Stefan Kaever. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Stadt Eschweiler investiert weiter massiv in den Ausbau der Plätze in den Kindertagesstätten: Die beiden Einrichtungen am Grüner Weg und in Dürwiß sind noch nicht eröffnet, schon ist bekannt, dass auch im kommenden Jahr Neubauten erforderlich sind. „Die Planungen laufen“, bestätigt Stadtkämmerer Stefan Kaever. Details nennt er nicht.

Dabei liegt Eschweiler im Vergleich zu anderen Kommunen gut im Rennen. Die Betreuungsquote von Kindern im Alter von unter drei Jahren beträgt zum nun gestarteten Kindergartenjahr etwa 55 Prozent und liegt damit deutlich über dem Landesschnitt in Höhe von 37,5 Prozent. Die Quote für Kinder über drei Jahren liegt sogar bei rund 96 Prozent in Eschweiler. Dennoch ist nach wie vor Bedarf vorhanden – Eschweiler ist eine wachsende Stadt. Den 529 Geburten im Jahr 2015 folgten 582 im vergangenen Jahr. In der Verwaltungsvorlage für den Jugendhilfeausschuss, der in der kommenden Woche tagt, heißt es dazu: „Eine kontinuierlich steigende Geburtenrate und Zuzüge sind grundsätzlich erfreuliche Entwicklungen, die allerdings auch eine große Herausforderung darstellen auch zukünftig bedarfsgerecht Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen.“

Die Herausforderung bezieht sich zunächst auf die finanzielle Belastung. Alleine der Bau der viergruppigen Einrichtung in Dürwiß mit 70 Plätzen und der fünfgruppigen Einrichtung am Grüner Weg mit 90 Plätzen verschlingt 4,8 Millionen Euro. Hinzu kommen die laufenden Kosten, die zum Teil die Stadtkasse belasten, weil die Träger ihren Anteil nicht mehr alleine stemmen können. Kaever spricht von 480.000 Euro jährlich, die die Stadt übernimmt. In Düsseldorf steht zwar eine Reform des Kinderbildungsgesetzes auf dem Plan, allerdings ist bis 2019 lediglich ein Trägernotprogramm in der politischen Debatte. Kaever geht davon aus, dass die Pauschalbeträge, die derzeit vom Land an die Träger pro Kind überwiesen werden, erhöht werden. Zahlen liegen noch nicht auf dem Tisch. Ob dies dazu führt, dass Träger ihren Anteil wieder selbst übernehmen können, kann noch niemand sagen.

Klar ist allerdings schon, wie viel Eschweiler aus dem Bundesinvestitionsprogramm für die Finanzierung der Kinderbetreuung erhält: 767.797 Euro. Drei Viertel dieser Summe sind allerdings für den Ausbau von Plätzen, lediglich ein Viertel für die Erhaltung und Sanierung von Einrichtungen vorgesehen. Man kann jedoch auch die gesamte Summe in einen Neubau stecken. Bis zum 10. Januar des kommenden Jahres müssen dem Landesjugendamt konkrete Projekte genannt werden, die gefördert werden können. Die Zeit drängt also: Im Jugendhilfeausschuss im November will die Verwaltung die Pläne auf den Tisch legen. „Dieses Thema wird uns noch länger beschäftigen“, ist sich Stefan Kaever sicher.

Derzeit denkt in der Stadtverwaltung niemand darüber nach, auf den Elternbeitrag zu verzichten und damit den Kitabesuch kostenlos zu gestalten. Etwa 1,9 Millionen Euro würden dann als Einnahme in der Stadtkasse fehlen. Da dies als freiwillige Ausgabe zu deklarieren wäre, stehen die Chancen ohnehin schlecht, dass die Aufsichtsbehörde dies mitmacht. Die Kita-Beiträge wurden erst im vergangenen Jahr angepasst, der Beschluss des Stadtrates fiel ein Jahr vorher.

Die Stadt Eschweiler steht bei der Kitabetreuung wie alle anderen Kommunen auch unter Druck: Zum einen muss sie den gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz erfüllen, zum anderen droht, weitere Trägeranteile zu übernehmen. Würde die Stadt Eschweiler die komplette Trägerschaft übernehmen, wäre dies deutlich teurer. Dies gilt auch für den Ausbau neuer Plätze. Beim Trägeranteil für die neuen Gruppen des Vereins „Immenhofkinder“ und der Erweiterung der Kindertagesstätte St. Antonius Röhe in Trägerschaft der Pro Futura sitzt die Stadt Eschweiler mit im Boot. Die Höhe richtet sich immer danach, wer die Kita betreibt.

Vereine müssen vier Prozent der Kosten übernehmen, kirchliche Träger zwölf Prozent, Kommunen müssen sich mit 21 Prozent an den Betriebskosten beteiligen. Alleine aus diesem Grund besteht in der Stadtverwaltung ein großes Interesse, neue Kindertagesstätten in die Händen anderer Träger zu geben, wie dies zum Beispiel beim Neubau der Kita auf dem Ringofen geschehen ist. Dort ist die Städtische Strukturfördergesellschaft zwar Bauherrin und Eigentümerin, aber den Betrieb hat Pro Futura übernommen.

Träger schlagen Alarm

Die gemeinnützige Gesellschaft, die die katholischen Tageseinrichtungen in Eschweiler übernommen hat, wandte sich schon im Januar dieses Jahres an die Bürgermeister in der Region. In dem Schreiben ist davon die Rede, dass mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die Sachkosten nicht zu finanzieren seien. Diesen Vorwurf wiederholte die Gesellschaft unmittelbar nach der Landtagswahl im vergangenen Mai.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert