Eschweiler - Eschweiler, Hertie und der Domino-Effekt

Eschweiler, Hertie und der Domino-Effekt

Von: Elke Silberer
Letzte Aktualisierung:
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Im Schaufenster der geschlossenen Hertie-Filiale im City Center prangt noch das Wort Räumungsverkauf. Gut drei Monate ist es her, seit das Kaufhaus in Eschweiler seine Türen geschlossen hat. Foto: dpa

Eschweiler. Gut drei Monate ist es her, seit das Hertie-Kaufhaus in Eschweiler dicht gemacht hat. Die Fenster sind noch mit Papier verklebt, davor liegen eingerissene Papierbandrollen mit dem Aufdruck „Räumungsverkauf”.

Der Anblick hat etwas Trostloses. „Die Schließung ist eine Katastrophe für uns”, sagt Martin Katzenbach. Der Mann führt seit 23 Jahren die Rathaus-Apotheke im „City-Center” gleich in der Nachbarschaft. Jeder dritte Kunde blieb zuletzt weg. Die Apotheke lebt von der Stammkundschaft.

In Eschweiler zeichnet sich bereits ab, was anderen Hertie- und Karstadt-Standorten noch drohen könnte: Leerstand, der sich wie ein Virus auf umliegende Geschäfte ausbreitet. Katzenbach ist Vorsitzender der Werbegemeinschaft in der kleinen Einkaufszone „City-Center”.

Er rechnet fest mit Abwanderungen unter den rund 30 Geschäften in seiner Umgebung. „Mehr als 50 Prozent werden ihre Konsequenzen ziehen und von hier weggehen”, weiß er aus Gesprächen. Irgendwann werde einer beginnen, dann würden weitere folgen - ein Domino-Effekt könnte einsetzen. Dann habe auch er keine andere Wahl, obwohl er an dem Standort viel investiert habe.

Verglichen mit anderen Hertie-Kaufhäusern, war der Standort in der Mittelstadt Eschweiler eher klein. Aber in der Einkaufszone war er ein Gigant. Hertie hatte das Kaufhaus von Karstadt übernommen. Mit 5000 Quadratmetern Nutzfläche bewirtschaftete Hertie rund 60 Prozent der Fläche in der kleinen Einkaufszone.

Von Kaufhaus-Kunden profitierte jeder in der Nachbarschaft. Mit Hertie verschwanden die Kunden, die rechts und links neben dem Kaufhaus in einem ihre Besorgungen machten. Aber das allein ist nicht das Problem. „Das ist ist auch eine Gefühlssache: Wer geht schon gerne an einem solchen Bunker vorbei”, sagt Katzenbach und meint den leeren Bau.

Für ihn ist es eine Frage der Zeit, bis der Vandalismus beginnt. Im Bekleidungsgeschäft nebenan beklagt sich eine Verkäuferin über Schmierereien und Dreck. Und irgendwann werde auch die Gebäudesubstanz aus den 70er Jahren verfallen, wenn sie nicht genutzt werde, meint der Apotheker. Das Rathaus liegt direkt gegenüber. Die Stadt ist zwar nicht Eigentümerin, aber hilft mit bei der Suche nach einem neuen Mieter.

Gespräche mit Interessenten habe es schon gegeben, aber der Prozess sei sehr langwierig, sagt Pressesprecher Stefan Kaever: „Es ist nicht einfach, in der Innenstadtlage etwas Adäquates reinzubekommen”, sagt er. Obwohl die Geschäfte schlechter gehen, sieht er keine komplette Verwaisung der Einkaufszone. Ihm ist aber klar, dass die Zeit drängt: „Die Situation wird mit der Dauer der Schließung nicht einfacher.”

Wirtschaftsförderer Dietmar Röhrig befürchtet, dass Eschweiler bald mit vielen anderen Kommunen in einem Boot sitzt, die alle das gleiche Problem haben und sich bei der Suche nach neuen Mietern gegenseitig Konkurrenz machen. „Das ist eine sehr schwierige Situation”, sagt er. Für den Apotheker Katzenbach ist der Zug schon abgefahren - gedanklich jedenfalls. So schnell könne es gar keine Lösung geben, dass sie den „Domino-Prozess” noch aufhalten könnte.
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