Eschweiler - Eschweiler Gleichstellungsbeauftragte über die Rolle der Frau

Eschweiler Gleichstellungsbeauftragte über die Rolle der Frau

Von: af
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Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt: Sigrid Harzheim.

Eschweiler. Anlässlich des Weltmädchentages am 11. Oktober haben wir mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Eschweiler, Sigrid Harzheim, gesprochen. Ziele des Gedenktages sind unter anderem die gezielte Förderung von Mädchen und jungen Frauen durch Bildung, sowie die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen.

Erleben Sie in ihrer täglichen Arbeit noch, dass Mädchen als nicht so vollwertig angesehen werden wie Jungen?

Sigrid Harzheim: Ich denke, in anderen Kulturen, die sehr stark traditionsbehaftet sind, dürfen Mädchen einfach noch nicht so viel. Wenn Mädchen zum Beispiel einen bestimmten Beruf ausüben wollen, der von Männern dominiert wird, ist das eben nicht so gerne gesehen. Wenn beispielsweise Seminare mit Übernachtung stattfinden, dürfen diese Mädchen das einfach nicht. Das ist aber dann eher ein gesellschaftliches als ein bildungspolitisches Problem. Generell bin ich der Meinung, dass Mädchen in der heutigen Zeit doch relativ gleichgestellt sind. Zumindest in unseren Kulturkreisen.

Wie hat sich die Rolle des Mädchens innerhalb der Gesellschaft ihrer Meinung nach in den vergangenen Jahren verändert?

Sigrid Harzheim: Die Mädchen können sich heutzutage viel besser ausleben und ausprobieren. Es ist zum Beispiel keine Seltenheit mehr, dass Mädchen Fußball spielen oder später zur Polizei gehen wollen. Ich kann mich an eine Zeit erinnern, da war das alles nur schwer möglich.

Haben Sie da persönliche Erfahrungen gemacht?

Sigrid Harzheim: Ich wollte als kleines Mädchen unbedingt Fußball spielen. So richtig im Verein, mit den Jungs zusammen. Das war aber einfach nicht möglich. Mir wurde dann immer gesagt, ich solle doch lieber Völkerball spielen. Letztendlich blieb mir nur der Straßenfußball mit meinen Brüdern und deren Freunden. Allerdings durfte ich da immer nur ins Tor, obwohl ich so gerne Stürmer gewesen wäre (lacht). In der Schule war das nicht anders – während wir Mädchen Handarbeit hatten und nähen und stricken lernen mussten, durften die Jungs im Werkunterricht mit Holz oder Metall arbeiten. Das hätte ich viel lieber gemacht, aber die Trennung war sehr strikt.

Begleitete Sie dieses damalige Rollenbild auch noch bei der späteren Berufswahl?

Sigrid Harzheim: Ja auf jeden Fall. Damals sah man Frauen ja eher im Sozialbereich. Das hat mich wahrscheinlich auch dazu gebracht, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen und anschließend Sozialpädagogik zu studieren. Im Nachhinein hätte ich vielleicht auch etwas anderes gemacht.

Was denken Sie, sind Mädchen heute selbstbestimmter?

Sigrid Harzheim: Die heutige Generation von Mädchen hat jedenfalls ganz klare Vorstellungen vom späteren Leben: Beruf, Freizeit und Familie. Damit dieser Spagat später gelingen kann, müssen die Rollenbilder einfach aufgebrochen werden. Es findet schon ein Umbruch statt, Männer helfen im Haushalt mit und wollen mitunter auch, dass ihre Frauen arbeiten und nicht „nur Hausfrau“ sind. Der Grundstein für die Selbstbestimmung der Mädchen wird aber im Kindesalter gelegt.

Mädchen brauchen Vorbilder. Die besten Vorbilder sind eigenständige, selbstbewusste Mütter. Aber auch Frauen, die mutig sind und einen Männerberuf ergreifen. Meine Mutter hat mir jeden Abend gepredigt: „Lerne und bilde dich, dann bist du unabhängig und frei.“ Ich denke, das hat mich und meine Schwester, die heute selbstständige Unternehmerin ist, für unser ganzes Leben lang geprägt.

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