Eschweiler Fußballvereine sind auf Brautschau

Von: Patrick Nowicki
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Fußballplatz symbol
Am Freitag entscheiden die Sportfreunde Hehlrath, ob eine Fusion mit Germania Dürwiß angestrebt wird. Viele Clubs in Gesprächen. Foto: Martin Schutt/dpa

Eschweiler. Zehn Sportstätten, elf Fußballvereine – ordentliche Zahlen für eine Stadt mit etwa 58.000 Einwohnern. Sportlich klingt die Bilanz hingegen weniger positiv: Lediglich zwei Mannschaften kicken noch in der Kreisliga A, die restlichen Teams spielen in den Kreisligen B bis D.

Auch der Blick auf den Nachwuchs zeigt, wo der Fußballschuh drückt: Nur der SV Falke Bergrath und der SC Berger Preuß haben sämtliche Altersklassen besetzt. Zudem klagen viele Vereine darüber, kaum noch Ehrenamtler für Vorstandsarbeit zu gewinnen. Dies führt bei vielen Verantwortlichen zu Ideen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren: Fusionen.

Entwicklungskonzept

Während im Rathaus nun am Sportentwicklungskonzept gearbeitet wird, finden hinter den Kulissen Gespräche statt. Sehr weit sind die Verhandlungen zwischen dem FC Germania Dürwiß und den Sportfreunden Hehlrath fortgeschritten. Am Freitag entscheidet die Versammlung der Sportfreunde, ob sie den vom Vorstand vorgeschlagenen Weg mitgehen wollen. Dieser sieht vor, dass sich der 1919 gegründete Verein formell auflöst und die Mitglieder zur Germania wechseln. Dort können sie dann über den neuen Vorstand und den neuen Namen mitentscheiden. Damit würde man dem Beispiel des SV Nothberg folgen, der zunächst in den FC Preußen Hastenrath aufging und dann zum SC Berger Preuß umfirmierte.

Vergebliche Suche

Wie schwierig sich solche Gespräche gestalten, zeigt die Zahl der gescheiterten Verhandlungen, die es noch nicht einmal bis zu einer offiziellen Abstimmung in einer Versammlung schafften. Alleine der FC Germania Dürwiß, vor wenigen Jahren noch die Nummer eins im Fußball in der Stadt, war in zwei Fällen vergeblich auf Brautschau. Die Verantwortlichen des Dürwisser Vereins sprachen mit Vertretern des SC Bewegung Laurenzberg und des FC Rhenania Lohn. Über einen informellen Austausch kamen die Verhandlungen jedoch nicht hinaus. Bei der Jahreshauptversammlung des FC Rhenania Lohn verkündete ein Vorstandvertreter, dass es keine Fusion mit Dürwiß geben werde.

Ähnliche Probleme

Anders stellt sich nun die Situation zwischen den Sportfreunden Hehlrath und dem FC Germania Dürwiß dar. Die Gespräche sind weit fortgeschritten, die Vorstände haben sich auf einen Weg verständigt, der allerdings von den Mitgliedern mitgetragen werden muss. „Wir sind uns einig und wollen unsere Kräfte bündeln“, bestätigt Frank Dickmeis von Germania Dürwiß. Die Probleme der Vereine sind ähnlich. Beide hatten in der Vergangenheit immer wieder Probleme, alle Vorstandspositionen zu besetzen. Auch ehrenamtliche Helfer sind immer schwerer zu finden. Bei Germania Dürwiß litt zuletzt vor allem die Seniorenabteilung: die 1. Mannschaft fiel von der Mittelrheinliga in die Kreisliga B. Von einer Fusion versprechen sich beide Seiten auch einen sportlichen Aufschwung: „Wir sind im Moment nicht dazu gezwungen zusammenzugehen“, betont Dickmeis.

Auch in Eschweiler-Ost wachsen Fusionsgedanken. Zwar will man sie offiziell nicht bestätigen, aber nach Informationen unserer Zeitung reden die Verantwortlichen der ESG und des Eschweiler FV miteinander. Zuvor waren Gespräche zwischen Fortuna Weisweiler und FV Eschweiler ergebnislos geendet. Die beiden Vereinsvorstände konnten sich nicht darauf einigen, welcher Standort letztlich aufgegeben werden soll. Der Vorstand der Fortuna entwickelte ein Konzept, Teile des Hubert-Bündgens-Stadions zu verkaufen und den derzeitigen Ascheplatz mit Kunstrasen zu ersetzen.

„Insgesamt ist das Gelände für den SV 08 Fortuna Weisweiler zu groß und zu pflegeintensiv“, heißt es in dem Konzept. Ein Kunstrasenplatz sei pflegeleichter und auch ganzjährig zu nutzen. Einen Kaufinteressenten für das Areal des Rasenplatzes gibt es bereits: Schon seit längerem ist bekannt, dass Helena Stormanns, die am Weisweiler Stadion sehr erfolgreich einen international anerkannten Reitstall betreibt, expandieren möchte. Der FV hingegen möchte die Anlage am Wetterschacht nicht weggeben. Die Gespräche endeten an dieser Stelle.

Blick nach Stolberg

Fand in der Stadt Eschweiler erst eine Fusion statt, so ist man im benachbarten Stolberg einige Schritte weiter. Zweifall und Vicht bildeten den VfL Vichtal, Werth und Gressenich schlossen sich zur SG Stolberg zusammen und die Traditionsvereine SC Münsterbusch, DJK Frisch-Froh Stolberg und Stolberger SV taten sich zum FC Stolberg zusammen. Die jüngste Ehe gingen der TSV Donnerberg und Columbia Stolberg ein. Von dem Ziel, auf vier große Fußballvereine in Stolberg zu reduzieren, ist man allerdings noch weit entfernt. Für die Stadt Stolberg machten sich diese Entwicklungen jedoch schon finanziell bemerkbar, denn drei ehemalige Sportplätze konnten zum Baugebiet erklärt werden.

Nur drei Kunstrasenplätze

Ähnlich agierte die Stadt Eschweiler bei der Fusion von Nothberg und Hastenrath. Der Nothberger Sportplatz soll einmal Raum für Häuser bieten. Allerdings bereitet die Erschließung aktuell Probleme. Einige Vereine in Eschweiler sind zudem froh, dass dort noch gekickt werden kann, denn die Rasenplätze werden in den Wintermonaten in der Regel gesperrt. Bisher bestehen erst drei Kunstrasenplätze in Eschweiler, die im ganzen Jahr genutzt werden können.

Bei einem Zusammenschluss von Dürwiß und Hehlrath profitiert die Stadt zunächst nicht. Sowohl der Hehlrather, als auch die Dürwisser Plätze sollen erhalten bleiben. Allerdings erhofft man sich im Rathaus eine Signalwirkung von diesem Zusammengehen. Offiziell nimmt von der Stadtverwaltung niemand Stellung, weiß man doch um die Sensibilität solcher Verhandlungen. „Es sprechen immer wieder einmal Vereine mit uns“, sagte Bürgermeister Rudi Bertram vor Wochen. Der Verwaltungschef macht keinen Hehl daraus, Fusionen grundsätzlich zu unterstützen. Eine Aufforderung oder gar einen Zwang zu fusionieren lehnen die Ratsmehrheit und die Stadtverwaltung hingegen ab. Allerdings stehen die Chancen von Vereinen im Moment schlecht, wenn sie einen Antrag auf den Bau eines Kunstrasenplatzes stellen.

Die Versammlung der Sportfreunde Hehlrath am Freitag stellt also in vielerlei Hinsicht die Weichen für die Zukunft des Eschweiler Fußballs. Die Hürde, die der Vorstand der Sportfreunde zu nehmen hat, ist hoch: Es genügt laut Satzung keine einfache Mehrheit, um den gleichen Weg zu beschreiten, den der SV Nothberg vor drei Jahren ging.

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