Eschweiler Dorado für reiselustige Einbrecher?

Von: Rudolf Müller
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Drastisch gestiegen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Eschweiler im vergangenen Jahr. Foto: ddp

Eschweiler. Was Polizeipräsident Klaus Oelze am Dienstag im Aachener Präsidium verkündete, ist Wasser auf Rudi Bertrams Mühlen: Seit Jahren fordert der Bürgermeister eine rund um die Uhr besetzte Polizeiwache für die Indestadt. Jene Stadt, die sich in der jüngsten Kriminalstatistik deutlich von anderen Kommunen der Region abhebt: durch drastisch gestiegene Fallzahlen.

Beispiel: Wohnungseinbrüche. Hier hat Oelze mit Blick auf den Gesamtbezirk seiner Behörde eigentlich überaus Erfreuliches zu berichten: Die Zahl sank um 13 Prozent. Macht im Vergleich zum Vorjahr 246 verschonte Wohnungen. Und das bei einer auf 18,1 Prozent gestiegenen Aufklärungsquote. „Landesweit ist die Einbruchszahl um 4 Prozent gestiegen und die Aufklärungsquote liegt bei 13 Prozent”, bilanziert der Polizeipräsident. „Das zeigt, dass wir ganz schön gut sind.”

Ausnahme: Eschweiler. Hier stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche (und Einbruchsversuche) von 126 auf 197. Und die meisten Täter kamen am helllichten Tag: Die Zahl der Tages-Wohnungseinbrüche schnellte von 64 auf 102 hoch.

Den Grund für die Beliebtheit der Indestadt in Einbrecherkreisen sieht Helmut Wälter, Leiter der Direktion Kriminalität, vor allem in Eschweilers hervorragenden Verkehrsanbindungen, darunter gleich mehrere Autobahnanschlüsse. „Das lockt reisende Tätergruppen. Die können hier zuschlagen und dann sofort verschwinden”, sagt er und berichtet von einem Vorfall am vergangenen Wochenende: Da stoppten Polizeibeamte auf der Indestraße einen lilafarbenen Ford Mondeo mit Dürener Kennzeichen, in dem sechs Personen saßen. Der Wagen war nicht versichert, die Kennzeichen waren geklaut, die Insassen waren Rumänen, von denen nur einige hier gemeldet waren („wenn die Papiere nicht gefälscht sind”), im Wagen fanden sich Brechstangen. Aber (noch) kein Diebesgut. „Das muss nichts heißen”, sagt Klaus Oelze. „Kann gut sein, dass die bereits Beute irgendwo abgeladen haben, wo sie von anderen abgeholt wird, und auf dem Weg zum nächsten Einbruchsobjekt waren.”

Gute Nachbarschaft hilft

Was lässt sich tun gegen Täter, die anreisen, zuschlagen und wieder verschwinden? „Wachsam sein”, rät Oelze. „Sein Haus baulich gegen Einbrecher sichern und auch ein Auge auf das haben, was in der Nachbarschaft geschieht.” Und natürlich hat auch eine erhöhte Polizeipräsenz, wie Oelze sie nun für Eschweiler plant, eine abschreckende Wirkung.

„Anonymität im Wohnumfeld hilft immer eher dem Täter”, weiß Klaus Oelze, und eine Kollegin hat das dazu passende abschreckende Beispiel zur Hand: In Dürwiß räumten Unbekannte vor kurzem in weniger als einer halben Stunde eine ganze Wohnung leer - und niemand wurde stutzig.

279 Autos aufgebrochen

Eine deutliche Steigerung musste die Polizei in Eschweiler auch bei den Fällen von Diebstählen aus Pkw feststellen: 180 Fälle waren es anno 2009, 2010 dagegen 279. Auch hier eine Entwicklung gegen den Trend.

Zwar sind Autoradios und Navigationsgeräte in Dunkelmännerkreisen längst nicht mehr so beliebt wie vor Jahren, doch Gelegenheit macht Diebe, betont Wälter. Und rät dazu, immer einen Putzlappen zur Hand zu haben: „Potenzielle Täter brauchen nur den Kringel auf der Windschutzscheibe zu sehen, den der Saugfuß eines mobilen Navis dort hinterlassen hat, schon gehen sie davon aus, dass das Gerät irgendwo im Wage liegt, und brechen das Fahrzeug auf.”

Auch auf dem Sitz zurückgelassene Handtaschen reizen Kriminelle: „Die sehen die, greifen sich den Nothammer, den sie in irgendeinem Bus geklaut haben, schlagen die Scheibe ein und greifen zu”, berichtetet Klaus Oelze. Besondere Vorsicht sollte man auf größeren Parkplätzen - ob am Bahnhof oder an Friedhöfen - walten lassen: „Viele Täter beobachten ihre möglichen Opfer, sehen genau, wie jemand etwas im Kofferraum einschließt und knacken denn dann, sobald der Fahrer gegangen ist.”

Tipps zu mehr Sicherheit gibt die Polizei im Internet unter http://www.polizei-beratung.de oder durch die Experten des Kommissariats Vorbeugung unter 0241/9577-34400.
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