Eschweiler Bücherschrank: Von Goethe bis hin zur Arthrose-Info

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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Erst wird poliert, dann wird sortiert. Felicitas Nicolin und Kevin Behrens vom Vorstand des Fördervereins Stadtbücherei Eschweiler am neuen Bücherschrank auf dem Eschweiler Markt. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Greifen Sie zu: Der Bücherschrank hält für viele Geschmäcker etwas bereit. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Vom „Sog des Grauens“ bis zur Lebensgeschichte der seligen Euthymia, von Goethes „Iphigenie“ bis zum „Nostradamus-Jahrbuch 1995“ – die Literatur-Auswahl im Bücherschrank, der seit zwei Wochen auf dem Eschweiler Markt steht, bedient auch extrem unterschiedliche Geschmäcker.

nd die lassen sich gern bedienen. Das kostenlose Bücher-Angebot findet den Beifall und das Interesse vieler Eschweiler, freut sich Felicitas Nicolin. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins Stadtbücherei Eschweiler, der den Bücherschrank betreut.

Von Passanten gibt es nur Lob. „Endlich einmal etwas Vernünftiges!“ kommentiert zum Beispiel Marianne Lenzen. Sie ist gekommen, weil ihr Mann ihr von dem neuen Angebot am Marktplatz erzählt hat. „Das ist eine gute Sache“, lobt sie, und überhaupt sei der Markt jetzt sehr schön geworden.

„Hoffentlich bleibt das so!“ Die Befürchtung, dass der Bücherschrank irgendwelchen Vandalen zum Opfer fallen könnte, hegen viele Bürger. Die Erinnerung an die „Wunderkiste“ vor dem Talbahnhof ist noch frisch. Diese Hütte, eine Tauschbox für gebrauchte Gegenstände, war nach Zerstörungen und Beschädigungen im April abgebaut worden.

Wie das neue Angebot am Markt funktioniert, steht auf der Seite des Stahlschranks: „Nehmen Sie sich einfach ein Buch mit, das Sie gern lesen möchten. Später bringen Sie es zurück – oder Sie stellen ein anderes hinein, das Sie für lesenswert halten.“

Das klappt ohne große Probleme. Innerhalb weniger Tage hat der Schrank sich schon gefüllt. Und nicht nur mit alten Schwarten. Es steht viel Unterhaltungsliteratur in den Reihen, Krimis von Agatha Christie Rücken an Rücken mit den „Dornenvögeln“ von Colleen McCullough, daneben auch gehobene Literatur wie Dostojewkis „Schuld und Sühne“.

Ein ganzes Regalfach ist angefüllt mit Fachliteratur für Taucher. Die aufwändig gestalteten Ordner dürften seinerzeit nicht billig gewesen sein. Aber ob sie in diesem öffentlichen Lese-Angebot am richtigen Platz sind? Die gleiche Frage stellt sich auch bei einer Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der Kirche St. Hubertus Büsbach. Und bei einem Sachbuch namens Arthrose-Info. Das müssen die Mitglieder des Fördervereins entscheiden, die ehrenamtlich den Schrank betreuen.

Kinderbücher fehlen

Mehrmals in der Woche kontrolliert der Verein den öffentlichen Bücherschrank. Die Mitglieder putzen die Glastüren und sortieren Sachen aus, von denen sie annehmen, dass sie eher die Regale blockieren als von Interesse für Eschweiler Leserinnen und Leser sind. Bücher über Computertechnik aus den 80er Jahren dürften heute eine eher kleine Fangemeinde entzücken.

Auch ein in Kinderhandschrift ausgefülltes Schulheft und jahrzehntealte religiöse Traktätchen ziehen Felicitas Nicolin und ihr Vorstandskollege Kevin Behrens am Mittwoch aus den Regalen. Jugendgefährdendes Schrifttum würden sie natürlich ebenfalls sofort entfernen, falls jemand so etwas hineinstellen würde. Was hingegen noch fehlt, sind Bücher für Kinder. Die würde man sehr gern in den Regalen sehen.

Wie bei Bücherschrank-Angeboten in anderen Städten zeichnet sich auch am Eschweiler Markt ab, dass mehr Bücher gebracht als entnommen werden. Felicitas Nicolin sieht das kritisch. „Der Bücherschrank ist eigentlich nicht dazu gedacht, dass die Leute nun ihre Bücherregale ausmisten.“ Dafür gibt es den alljährlichen Bücherflohmarkt des Fördervereins, da können Bücher vorher gleich kartonweise abgeliefert werden. Den Termin hat sie im Kopf: „In diesem Jahr ist Abgabe im Rathaus am 1. und 2. September.“

Die Taucher-Ordner

Auch für Fachliteratur sei der Schrank eigentlich nicht gedacht, sagt die Vorsitzende. Aber da muss man abwägen. Sie kennt das von Bücherflohmärkten, bei denen sie sich immer wieder wundert, für welche abgelegenen Wissensgebiete es Interessenten gibt.

Nach kurzer Diskussion nehmen Behrens und Nicolin die regalsperrenden Taucher-Ordner aus dem Schrank. Die finden bestimmt beim Flohmarkt einen Interessenten. Die „Arthrose-Info“ hingegen ist schon weg. Noch während die ehrenamtlichen Helfer überlegen, hat eine Passantin das Buch entdeckt und in ihrer Einkaufstasche geborgen.

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