Eschweiler - Eschweiler Betriebe beklagen Mangel an Auszubildenden

Eschweiler Betriebe beklagen Mangel an Auszubildenden

Von: Sonja Essers und Tobias Röber
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In der RWE-Ausbildungswerkstatt: Der Energiekonzern kann nach wie vor auf ausreichend Bewerbern wählen. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Wissen Sie, wie groß Umfang und Inhalt eines Kreises sind? Und können Sie auf Anhieb sagen, wie viel drei Prozent von 312 Euro sind? Hans Winnen weiß: „Wenn ich angehende Auszubildende danach frage, können mir die meisten von ihnen nicht die richtige Antwort nennen.“ Bevor der Eschweiler Elektromeister einen neuen Azubi einstellt, prüft er erst einmal dessen Fähigkeiten.

Und kommt immer wieder zu der Erkenntnis: „Ich frage mich oft, was nach zehn Schuljahren noch vorhanden ist und wie diese Leute die neuen Technologien in Beruf und Schule erlernen wollen.“ Dies ist die eine Seite der Medaille.

Die andere: Viele Schulabgänger wollen studieren, weil sie nach einem Studium mehr Geld verdienen können. Das Handwerk ist nicht mehr so gut angesehen. Das zumindest sagt Ralf Herhut, Teamleiter der mechanischen Ausbildung in der RWE-Ausbildungsstätte Weisweiler. Bei allen Problemen: Es gibt nach wie vor viele geeignete Azubis. Der RWE-Power-Konzern hat 900 Azubis, 200 werden jedes Jahr neu eingestellt.

Mit solchen Dimensionen kann Malermeister Udo Bauer nicht mithalten. Er macht jedoch auch häufig Erfahrungen wie Hans Winnen. „Wenn die Auszubildenden einen Türrahmen ausmessen sollen, müssen sie drei Zahlen addieren. Das schaffen viele von ihnen nicht.“ Mathe sei bei vielen die große Schwachstelle. Das hat auch Elektromeister Albert Schönenborn beobachtet: „Wenn die Jugendlichen nicht mindestens eine Drei in Mathe auf dem Zeugnis haben, kann man es vergessen. Dann schnallen sie den Stoff nicht.“

Winnen ist nicht nur seit 50 Jahren Meister in seinem Beruf, sondern auch Ehrenkreishandwerksmeister. Er ist sich sicher, dass der Rückgang der Auszubildenden, der in den vergangenen zehn Jahren in der Stadt sowie der Städteregion Aachen 15 Prozent betrug, nicht nur am demographischen Wandel liege. Oft sei die nicht vorhandene Ausbildungsfähigkeit der Interessenten das Problem.

Doch wie beliebt sind Handwerksberufe bei den Jugendlichen? Bewerber gebe es genug, sagt Udo Bauer. Diese kommen nicht nur aus der Indestadt, sondern aus ganz Deutschland. Um handwerkliche Berufe noch beliebter zu machen, startete vor sechs Jahren eine deutschlandweite Imagekampagne: Karrierestart im Handwerk. Seitdem habe sich in den verschiedenen Berufen einiges verändert, weiß Hans Winnen. Vor Jahren musste man nach der Gesellenprüfung noch mindestens fünf Jahre Berufserfahrung sammeln, bevor man sich für die Meisterschule anmelden durfte. „Heute kann man nach der Gesellenprüfung sofort den Meister machen“, erklärt Winnen und fügt hinzu: „Und wer dann noch weitermachen will, der kann Betriebswirtschaft studieren.“ Er hält diese Entwicklung zwar für positiv, weiß aber: „Die praktische Erfahrung fehlt ihnen.“

Duale Ausbildung belastet

Es gibt weitere kritische Stimmen. „Manche Azubis sind donnerstags und freitags in der Schule und haben dann mittwochs ihren letzten Arbeitstag. Die kriegen die Baustellen gar nicht richtig mit, weil sie vier Tage nicht im Betrieb sind“, sagt Bauer und fügt hinzu: „Das sind sechs Tage im Monat, die fehlen, und da überlegt man sich als kleiner Betrieb schon, ob man überhaupt noch einen Auszubildenden einstellt.“ Schließlich würde ihn ein Azubi im ersten Lehrjahr locker 1100 Euro im Monat kosten.

Doch nicht nur die Ausbildung habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, sondern auch die Berufe selbst. „Als ich vor 50 Jahren mit der Elektroinstallation anfing, gab es einen Zählerplatz und man hatte vielleicht zwei Sicherungen, Licht und Steckdosen. Doch mit der Zeit kam immer mehr dazu“, sagt Winnen, „die technologische Entwicklung ist die Herausforderung des Handwerks.“ Diese Entwicklung werde auch an den Berufsbezeichnungen erkennbar. Aus dem Autoschlosser sei ein Kfz-Mechatroniker geworden, der Elektroinstallateur wurde zum Elektroniker für Gebäude- und Kommunikationstechnik.

Die Azubis des RWE geben einen Einblick, wie umfangreich ihre Arbeit ist. Nicht-Handwerker merken schnell, dass eine Menge Wissen erforderlich ist. Der IHK-Bundesschnitt der Azubis, die die Abschlussprüfung bestanden haben, lag im vorigen Jahr bei 90,2 Prozent, beim RWE im Schnitt bei 96 Prozent, beim vorigen Mal gar bei 98 Prozent.

„Die meisten, die eine Ausbildung machen wollen, haben einen Hauptschulabschluss“, sagt Bauer. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Realschüler meistens weiter zur Schule gehen. Und Abiturienten? Da lacht der Malermeister. An einer Ausbildung wären diese nicht interessiert, jedoch würden sie sich regelmäßig bei ihm für ein Praktikum bewerben. Um vor dem Studium praktische Erfahrung zu sammeln.

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