Eschweiler Baby-Boom bringt Stadt in Zugzwang

Von: Patrick Nowicki
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In den kommenden Jahren wird in Eschweiler weiter investiert, denn „die Stadt wächst“, wie Bürgermeister Rudi Bertram untermauert.Quelle: Stadt Eschweiler, Foto: imago/stock

Eschweiler. Die Stadt muss kräftig in neue Kita-Plätze investieren: Weil die Zahl der Geburten in Eschweiler ständig steigt und immer mehr Familien mit Kindern nach Eschweiler ziehen, wächst der Bedarf an Betreuungsplätzen in der Stadt.

Darum soll auch am Sportplatz Patternhof eine neue fünfgruppige Einrichtung gebaut werden – zusätzlich zu den bereits bekannten Bauvorhaben auf dem Ringofengelände und an der ehemaligen Hauptschule Dürwiß.

Alleine diese drei Kindertagesstätten mit 14 Gruppen kosten insgesamt 7,5 Millionen Euro. Spätestens Ostern 2017 sollen diese Kindertagesstätten im Betrieb sein. Bis dahin hat das Jugendamt Übergangslösungen mit den Trägern vereinbart.

Die Entwicklung lässt sich an Zahlen ablesen: Wurden im Jahr 2011 noch 427 Kinder in Eschweiler geboren, so waren es im vergangenen Jahr 519 Babys. Auch die Betreuungsquote steigt kontinuierlich. Betrug sie im Kindergartenjahr 2013/2014 noch 46,66 Prozent bei den Unter-Dreijährigen, so sind für das kommende Kita-Jahr, das am 1. August beginnt, 58,93 Prozent angemeldet. Bei konstant hoher Betreuungsquote (über 80 Prozent) der Über-Dreijährigen bringt dies die Stadtverwaltung in Zugzwang.

Dabei wurde in den vergangenen Jahren mächtig in Betreuungsplätze investiert. Jugendamtsleiter Jürgen Termath verweist auf die Zahlen zum Start des Kindergartenjahres 2008/2009: „Insgesamt 839 Kindpauschalen wurden damals gezahlt, es bestanden also 839 Plätze.“ Zum kommenden Kita-Jahr sind 1887 Plätze gemeldet. „Das ist eine Steigerung um etwa 1050 Plätze binnen acht Jahren“, sagt er.

Der Bedarf wachse und dies sei deutlich spürbar. Dies hat für Termath allerdings nichts mit der Zahl der Flüchtlinge zu tun, die derzeit nach Eschweiler kommen. „Aktuell befinden sich 30 Flüchtlingskinder in den Einrichtungen, das ist marginal“, sagt er. Mit den Neubauten alleine hat die Stadt den Bedarf an Kita-Plätzen in Eschweiler allerdings noch nicht gedeckt. Die Kindertagesstätte St. Josef in Hehlrath bietet ab Sommer eine zusätzliche halbe Ü3-Gruppe an.

Übergangslösungen

„Wir suchen darüber hinaus noch nach weiteren Lösungen“, sagt der zuständige Dezernent der Stadt Eschweiler, Stefan Kaever. Diese führen auch zu Übergangslösungen: So sollen die Kitas an der Karlstraße und an der Schillerstraße entgegen der ursprünglichen Absicht nicht sofort nach der Fertigstellung der Neubauten geschlossen werden, sondern erst „sofern sich abzeichnet, dass kein Bedarf mehr besteht“.

Grundsätzlich bleiben auch dort die Ursprungspläne erhalten, was im Fall der Kita in Dürwiß einen Abriss und eine Ausweisung als Wohngebiet bedeutet. Allerdings verzögern sich diese Vorhaben.

Auch in den kommenden Jahren wird weiter investiert, denn „die Stadt wächst“, wie Bürgermeister Rudi Bertram untermauert. Schon länger schaut man sich in St. Jöris nach einem Areal um, um dort eine neue zweigruppige Kita zu bauen, die die eingruppige Einrichtung in der Alten Schule ersetzt.

Die Stadtverwaltung prüft, ob an der Jahnstraße eine weitere Gruppe angebaut werden könnte. Auch ein Neubau an anderer Stelle sei eine Option, denn die Verträge für die Container an der August-Thyssen-Straße laufen aus, heißt es. In Kinzweiler könnte gleich doppelt Bewegung ins Platzangebot kommen: Die Pro-Futura-GmbH des Bistums Aachen überlegt, die Kita St. Blasius um eine Gruppe zu erweitern.

Was aus dem ehemaligen Gemeindehaus in Kinz­weiler, wo noch die heilpädagogische Einrichtung Katharina Fey untergebracht ist, steht ebenfalls nicht fest. Auch dort könnte eine Kita einziehen.

„Wir sind mit den Trägern ständig in Gesprächen“, sagt Jürgen Termath. Im Fall des Neubaus am Patternhof werden die Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche (BKJ) die Trägerschaft übernehmen. Dies ist die städtische Anstalt öffentlichen Rechts.

Als Bauherrin tritt die städtische Strukturfördergesellschaft auf. Zudem beschleunigt die Tatsache das Verfahren, dass man die gleichen Pläne wie auf dem Ringofen verwendet. „Dies spart uns Planungskosten“, berichtet Stefan Kaever. Zudem liege bereits eine Baugenehmigung vor.

Das städtische Grundstück am Sportplatz Patternhof kann von zwei Seiten erreicht werden: von der Bergrather und von der Ludwigstraße. Auch dort legt Bürgermeister Rudi Bertram wert auf die Tatsache, dass man sich auch nach dem Bau der Kita alle Optionen für die weitere Entwicklung des Areals erhalte.

Anteil an Betriebskosten

Um die Finanzierung der laufenden Kosten zu sichern, müssen die Zahlen bis zum 15. März dem Landschaftsverband Rheinland mitgeteilt werden. Die Stadt Eschweiler muss nicht nur beim Bau neuer Kitas in die Kasse greifen, es bleibt auch ein städtischer Anteil am Betrieb. Darüber hinaus binden zusätzliche Plätze Personal im Jugendamt, wo die Abrechnung der Elternbeiträge erfolgt.

Am kommenden Mittwoch wird der Jugendhilfeausschuss über die Pläne der Stadtverwaltung beraten und entscheiden. Die Sitzung beginnt um 17.30 Uhr im Ratssaal. Ebenfalls auf der Tagesordnung stehen der Jahresplan der Mobilen Jugendarbeit, die Jugendhilferichtlinien und das Rahmenkonzept für die Schulsozialarbeit in Eschweiler.

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