Es wird ernst für die 130 Abiturienten am „Städtischen“

Von: Sonja Essers
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Für Kevin Behrens (links) und Jonas Nobis geht es am Dienstag so richtig los. Dann beginnen für die beiden Abiturienten die Prüfungen. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Die vergangenen Wochen können Jonas Nobis und Kevin Behrens ganz einfach zusammenfassen. Für die beiden 18-Jährigen stand das Pauken im Mittelpunkt. Kein Wunder, schließlich gehen am Dienstag die Abiturprüfungen los. Wie sich Jonas und Kevin auf diese vorbereitet haben, welche Rolle nervende Lehrer und Eltern spielen und was eine Wette damit zu tun hat, haben die jungen Erwachsenen verraten.

Viel Zeit haben Jonas Nobis und Kevin Behrens wenige Tage vor den wohl wichtigsten Prüfungen ihres bisherigen Lebens nicht. „Ich bin gleich noch mit einem Freund zum Lernen verabredet“, sagt der 18-jährige Jonas, und auch sein Kumpel Kevin will sich seine Zusammenfassungen noch einmal anschauen.

Am Dienstag steht die erste von insgesamt drei Klausuren auf dem Programm: Deutsch. Nervös sind die beiden Schüler kurz vorher jedoch nicht. „Bei Deutsch pokere ich ein bisschen. Ich hoffe, dass das Thema Lyrik drankommt, das ist nämlich mein Steckenpferd“, sagt Jonas Nobis und beginnt zu lachen.

Seit Februar wird gebüffelt

Am 27. März stand für die beiden Schüler des Städtischen Gymnasiums der letzte Schultag auf dem Programm. Die letzte Schulwoche gestalteten die Schüler als Mottowoche. Jeden Tag kamen sie in einem anderen Kostüm in die Schule. Am letzten Schultag machten sie eine Zeitreise und verkleideten sich als Erstklässler samt gelber Kappen und bunter Schulranzen.

Viel zu schnell sei die letzte Woche vergangen, sind sich die 18-Jährigen sicher. „Man hat den letzten Schultag mit einem lachenden und einem weinenden Auge wahrgenommen. Seitdem haben wir frei und können eigentlich tun, was wir wollen, wenn da nicht die Prüfungen wären“, meint Jonas.

Auf die Fragen, wann sie mit dem Lernen begonnen haben, antworten die beiden Jungs erst einmal nicht. Verlegen schauen sie sich an und schließlich meint Kevin Behrens: „Es gibt ja sportliche Leute, die schon vor den Weihnachtsferien angefangen haben.“

Das war auch das Ziel von Jonas und Kevin. Doch wie die meisten der knapp 130 Abiturienten der Schule ging es für sie kurz vor den Vorabiklausuren im Februar los. In den Osterferien stand dann die letzte „Po-werphase“ an. Und wie sah diese aus? „Themen zusammenfassen, angucken und im besten Fall auch verstehen“, erklärt Jonas.

Nicht nur im Fach Deutsch werden die beiden jungen Erwachsenen geprüft. Für Kevin stehen Klausuren in Mathematik und Biologie auf dem Stundenplan. Jonas muss in den Fächern Mathematik und Chemie ran. „Den meisten Respekt habe ich vor Chemie. Das sind keine leichten Themen und verdammt viel Stoff“, sagt Jonas. Kevin hingegen graut es vor Mathe.

Natürlich haben die beiden Abiturienten auch verfolgt, wie der 17-jährige Simon Schräder aus Münster bei der Schulministerin nachfragte, welche Aufgaben in den Prüfungen enthalten sind. Davon halten Kevin und Jonas allerdings wenig. „Die Aktion fand´ ich total sinnlos“, meint Kevin und Jonas fügt hinzu: „Man sollte lieber lernen, anstatt das so kurz vorher noch zu versuchen.“

Für die beiden Abiturienten gilt in den kommenden Wochen: Vor der Prüfung ist nach der Prüfung. Nach den drei Klausuren steht Mitte Mai noch die mündliche Prüfung an. Jonas hat diese im Fach Geschichte, bei Kevin ist es das Fach Erdkunde. Bisher ist jedoch auch dort von Nervosität bei den beiden keine Spur. Schließlich seien sie im Unterricht darauf bestens vorbereitet worden. „Wir haben die Situation öfter durchgespielt. Außerdem ist Erdkunde ein Fach, in dem man viele Themen gut ausführen kann“, sagt Kevin.

Jonas hat sich auf eine besondere Art und Weise auf die mündliche Prüfung vorbereitet. Er konnte im vergangenen Jahr als Zuhörer bei zwei Prüfungen dabei sein. Vorrausetzung war allerdings, dass auch bei seiner Prüfung ein Schüler, der im kommenden Jahr sein Abitur macht, dabei sein darf. Für Jonas ist das kein Problem. „Ich rede sowieso gerne“, sagt er.

Sollten seine Noten nicht seinen Erwartungen entsprechen, würde der 18-Jährige freiwillig in eine mündliche Nachprüfung gehen. Daran ist jedoch vor allem eine Wette mit seinen älteren Schwestern schuld, die er bereits in der achten Klasse abschloss. „Ich habe gewettet, dass ich einen besseren Abiturdurchschnitt haben werde“, sagt er. Es gilt den Schnitt von 2,0 zu schlagen. Ob er das schafft, wird sich zeigen.

Abi nach zwölf Jahren: Hetzerei

Doch nicht nur das Pauken für die Prüfungen steht für die beiden in diesen Tagen im Vordergrund. Jonas und Kevin sind Stufensprecher und organisieren den Abiball und die Abizeitung. „Da hat man viel zu tun, aber wenn man ein gutes Komitee hat, dann geht das“, sagt Kevin.

Und was möchten die beiden Indestädter nach ihrem Abitur machen? Jonas hat vor, Musik und Chemie auf Lehramt in Siegen zu studieren. Kevin strebt ein Informatikstudium in Aachen an. „Der NC liegt bei 3,9, das sollte machbar sein“, sagt Kevin und beginnt zu lachen.

Viele ihrer Klassenkameraden haben jedoch noch keine konkreten Pläne. Jonas und Kevin vermuten, dass dies mit der verkürzten Schulzeit von zwölf Jahren zusammenhängt. „Viele aus unserer Stufe sind gerade erst 17 geworden. Wenn sie studieren wollen, müssen ihre Eltern mitkommen und unterschreiben“, sagt Jonas.

Die beiden Abiturienten können dem Abitur nach zwölf Jahren nicht allzu viel Gutes abgewinnen. „Wir kennen es zwar nicht anders, aber in der Oberstufe haben die Lehrer schon sehr aufs Tempo gedrückt“, sagt Kevin.

Doch damit ist nun erst einmal Schluss. Nach den Prüfungen wollen die beiden mit ihren Freunden feiern. Im Wintersemester bricht dann ein neuer Lebensabschnitt für sie an.

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