Es regnet reichlich Konfetti und Orden

Von: Sonja Essers
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Komitee-Präsident Norbert Weiland (rechts) und Vize Manfred Wienands mussten auch in diesen Jahr den gefürchteten Konfettiregen über sich ergehen lassen. Foto: Sonja Essers

Wattrelos/Eschweiler. „Su ne Daach, su schön wie hück“, ertönte aus den Lautsprechern des Busses, während der Regen leicht gegen die Scheiben schlug. Knapp zwei Monate nach Aschermittwoch hatten sich einige Indestädter am Samstagmorgen auf den Weg gemacht, um ein Wochenende lang in der französischen Partnerstadt Wattrelos „Carnaval“ zu feiern.

Schon bei der Ankunft in der nordfranzösischen Stadt wurde deutlich, dass dies nicht nur ein „Fest der Freundschaft“, wie Komitee-Präsident Norbert Weiland es am kommenden Tag bezeichnete, sondern vor allem eine Feier bei strahlendem Sonnenschein werden würde. Trotz frühlingshaften Temperaturen waren Winterjacken an diesem Wochenende unentbehrlich, schützten sie schließlich vor dem, was die Einwohner der französischen Partnerstadt noch mehr lieben als ihren „Carnaval“: Konfetti. Weder auf der Abendveranstaltung am Samstag, noch beim Umzug am Sonntag, fehlte das bunte Papier, dessen Reste die Indestädter wohl auch noch in einigen Wochen an den 35. Karneval in Wattrelos erinnern wird.

Im Flower-Power-Kostüm

Beim Empfang im Rathaus hingegen konnten die geladenen Gäste eine kleine Auszeit vom Konfetti nehmen. Jean-Luc Doyen, Präsident der Confrèrie du Carnaval Wattrelos, und Bürgermeister Dominique Baert hatten eingeladen. Nicht nur das Karnevalskomitee und die Präsidenten der verschiedenen Eschweiler Karnevalsgesellschaften waren der Einladung gefolgt, sondern auch Gäste aus Großbritanien und Köthen (Anhalt) waren an diesem Wochenende nach Wattrelos gereist, um gemeinsam mit ihren französischen Freunden zu feiern. Bevor Jean-Luc Doyen die Gäste offiziell willkommen hieß, führte er im Flower-Power-Kostüm ein kleines Tänzchen auf. In seiner anschließenden Rede wünschte er den Anwesenden viel Spaß beim bevorstehenden Umzug.

Viele Freundschaften

Dann hatte Komitee-Präsident Norbert Weiland das Wort, der sich zunächst für die krankheitsbedingte Abwesenheit von Bürgermeister Rudi Bertram entschuldigte. Auch dessen Vertreter Helen Weidenhaupt und Manfred Groß konnten, aufgrund des Weißen Sonntags, nicht mit nach Wattrelos reisen. „Also müssen Sie mit mir auskommen“, erklärte Weiland und fügte hinzu: „Ich denke mal, auch das dürfte kein allzu großes Problem sein.“ In seiner Rede lobte der Komitee-Präsident die außergewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden Partnerstädten, die auch in Zeiten von finanziellen Problemen und Kriegen das beste Beispiel für das wichtigste Instrument der Völkerverständigung sei. Der „Carnaval“ in Wattrelos, der anfänglich noch mit großer Skepsis beobachtet wurde, sei mittlerweile nicht mehrwegzu denken, so Weiland weiter. „Dies hat zu vielen persönlichen Freundschaften zwischen den Bürgern unserer Städte geführt“, sagte er und nahm daraufhin einige Ehrungen vor. So wurde Bürgermeister Dominique Baert für die allzeit herzliche Aufnahme in seiner Stadt und positive Einstellung zum Brauchtum mit dem „Silbernen Stern“ des Karnevalskomitees ausgezeichnet. Die Wattreloser Dennis Rolland und Patrick Deleporte erhielten den Erste-Klasse-Komitee-Orden und Ronald Mormann, Dr. Berthold Habekuß sowie Patrick Lange von der ersten Köthener Karnevalsgesellschaft (Kukakö) überreichte Weiland die Freundschaftsmedaille.

Dann stellte Bürgermeister Dominique Baert den Gästen den neuen Prinzen der Stadt Wattrelos vor. Jehan Spriet war am Abend zuvor von einer Jury, zu der auch Christiane Karl, stellvertretende Städteregionsrätin, zählte, gewählt und vom Publikum gefeiert worden. Der geheime Favorit des Abends freute sich auf den bevorstehenden Zug, in welchem er gemeinsam mit Prinz Wolfgang II. und Zeremonienmeister Frank auf einem Wagen fuhr. Bevor dieser jedoch richtig losging, stimmten die Nothberger Fanfarentrompeter die Zuschauer am Straßenrand mit bekannten Karnevalshits ein.

Dann war es endlich soweit. 1700 Teilnehmer, darunter 120 Uniformierte aus Eschweiler, tanzten, sangen und warfen fleißig Kamelle. Auch die gefürchteten Konfetti-Kanonen kamen zum Einsatz und verwandelten die Stadt in einer Winterlandschaft. Nachdem sich 36 verschiedenen Gruppen vor der Ehrentribüne von ihrer besten Seite präsentiert hatten, ging es zurück in die Halle. Dort hieß es dann Abschied nehmen. Die Gastgeber verabschiedeten ihre Freunde aus Eschweiler, und beide Seiten hofften auf ein baldiges Wiedersehen. Dann ging es wieder zurück in die Indestadt. Zu denselben Klängen wie auf der Hinfahrt wurde nun nicht mehr im Bus gefeiert, sondern geschlafen. Vielleicht träumten die erschöpften Karnevalisten ja schon vom nächsten Besuch in Wattrelos oder vom kommenden Rosenmontagszug, bei dem die Sonne genauso strahlt wie an diesem Wochenende.

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