Eschweiler - Es muss nicht immer „Nightlife” sein

Es muss nicht immer „Nightlife” sein

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
Attraktiv ist anders: Ein Wust
Attraktiv ist anders: Ein Wust von Werbeschildern bestimmt den Luftraum in der Schnellengasse. Viele der beworbenen Kneipen gibt es längst nicht mehr. Kulturmanager Max Krieger erhofft sich nun von einem eigenen Gastronomieprojekt eine Initialzündung in Sachen Sanierung.

Eschweiler. Keine zwei Jahre ist es her, dass Sylwia Mike den Friseursalon „Skandalös” übernommen hat. Der liegt mitten in der Gasse, die vor einem Vierteljahrhundert Eschweiler weithin berühmt gemacht hat: die Schnellengasse.

Fast zwei Dutzend Szenekneipen unterschiedlichster Ausrichtung fanden sich hier Tür an Tür - von der intimen Bar bis hin zur fetzigen Disco - und allen war eines gemein: Sie waren proppenvoll. Heute sind die Namen der meisten Lokale nur noch Erinnerung: Glorys, Chaplin, Déjà vu, Paris-Texas, Anno Tobak, Jever Deel, Kleines Marktcafé, Piano... Der Laden, in dem Sylwia Mike ihren Kunden trendige Frisuren verpasst, hieß einst Steigbügel und war eine Disco.

Wenn Sylwia Mike samstags oder dienstags (montags ist ja Ruhetag) zu ihrem Laden geht, muss sie sich nicht durch Massen feiernder Menschen drängen. Wohl aber durch die Hinterlassenschaften derjenigen, die auch heute noch hier ihre Triebe ausleben: Blut, Essensreste, Erbrochenes, Müll... „Es ist dann an uns, zumindest rund um unser Geschäft aufzuräumen”, sagt Mitarbeiterin Judith Zaczyk wenig begeistert.

Dass die Schnellengasse - bis dahin nach der Schließung der meisten Kneipen völlig im Dunkeln liegend - vor einigen Jahren mit ein paar Lampen ausgestattet wurde, hat die Situation nur wenig gebessert. Auch heute noch, so berichten Zeugen, kann man dort immer wieder Drogendeals beobachten.

Initiativen, die Schnellengasse wiederzubeleben, verliefen bisher im Sande. Zuletzt hatte sich eine große Eifeler Brauerei vor einigen Jahren für die Gasse stark gemacht und ein Sanierungskonzept erarbeiten wollen. Bei den Hauseigentümern stieß das auf wenig Resonanz. Für Kulturmanager Max Krieger ist dies nicht nachvollziehbar: „Viele Hausbesitzer sitzen auf langfristigen Brauereiverträgen und finanziellen Verpflichtungen, das Kneipenmobiliar ist schrottreif, sie finden keinen Wirt für ihre Gaststätte. Die Brauereien sind da durchaus gesprächsbereit und auch bereit, sich aus Verträgen zurückzuziehen, um eine Sanierung des Objekts zu ermöglichen. Und es muss ja nicht unbedingt wieder eine Gaststätte sein, die da neu entsteht. Ein Blumen- oder Gemüseladen, ein Schuster oder ein Atelier wären der Gasse mindestens genauso zuträglich. Die Leute sollten auf die Brauereien zugehen und das Gespräch suchen.”

Vor sechs Jahren war Guido Külzer der erste, der sich als Nicht-Kneipier in der Gasse ansiedelte. Inzwischen hat er seinen Friseursalon dort seiner Nachfolgerin übergeben. Anstelle des Teeladens an der Ecke Schnellengasse Dürener Straße hat Güneri Yesilyurt jüngst einen Computerladen eröffnet, und ein Landsmann, der eine frühere Gaststätte inmitten der Gasse gekauft hat, ist sich noch nicht sicher, ob dort wieder ein Gastronomiebetrieb entstehen wird.

Jetzt setzt Kulturmanager Max Krieger selbst einen „Leuchtturm” in die vergessene Gasse: Er baut das einstige „Glorys” (später Pflaumenbaum und Patio) gründlich um. Tonnenweise hat er Bauschutt aus dem seit acht Jahren ungenutzten Gemäuer entfernt, während er auf die Baugenehmigung wartet. So schnell wie möglich sollen im einstigen Jazzkeller wie auch im Erdgeschoss acht Proberäume für Bands entstehen. Und aus der einstigen Disco wird ein bis zu 200 Personen fassender 170 Quadratmeter großer Multifunktionsraum, der ebenso als Disco wie als Lounge, Ausstellungsraum oder Konzertsaal dienen kann. Nur eines soll er nicht sein: Konkurrenz zum Talbahnhof. Betreiber des Objekts wird Thorsten Zappey, langjähriger Wirt des benachbarten Kleinen Gürzenich.

Nicht nur Max Krieger erhofft sich von dem neuen, zentralen Angebot in der Gasse eine Signalwirkung auf andere Hausbesitzer. „Zwei-drei funktionerende Gaststätten, der Rest ,alltagstaugliche Geschäfte - dann herrscht wieder Leben in der Gasse”, hofft er. Und setzt dabei auch auf die beginnende Sanierung der nördlichen Innenstadt. Wenn sich Markt und Dürener Straße in neuem Glanz präsentieren, sollte auch die Schnellengasse einen Imagewandel erleben.
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