Es gibt immer weniger Bienen und Züchter

Von: Tobias Röber
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Wolfgang Zylus bei der Arbeit: Vier Bienenvölker unterhält der Vorsitzende des Eschweiler Bienenzuchtvereins. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Wer in Internetsuchmaschinen das Stichwort „Bienen“ eingibt, dem werden unweigerlich auch etliche Ergebnisse zum Thema „Bienensterben“ angezeigt. Viele Imker, Naturschützer und Forscher machen sich Sorgen um die kleinen Tiere.

Wir haben den Vorsitzenden des Bienenzuchtvereins Eschweiler, Wolfgang Zylus, besucht, der uns Einblicke in seine Bienenvölker gewährt hat. Allein in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Imkerbundes die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf heute weniger als eine Million zurückgegangen.

Wolfgang Zylus hat den Rückgang auch beobachtet und nennt vielfältige Gründe für das Bienensterben. Panik macht er jedoch (noch) nicht.

Ein Grund für das Bienensterben ist die Varroamilbe. Ursprünglich in Asien heimisch, hat sie sich in den vergangenen 40 Jahren nahezu weltweit ausgebreitet, und alle Bemühungen, sie wieder loszuwerden, waren bisher erfolglos. Die Milbe schwächt die Bienen, verstümmelt die Brut und öffnet Viren und Bakterien Tür und Tor. In Europa und Nordamerika bedeutet ein Varroabefall für Honigbienen ohne menschliche Hilfe fast immer den Tod.

Zudem schwinde der natürliche Lebensraum der Tiere immer mehr. Zylus appelliert daher an jeden Bürger, im Garten Obstbäume zu pflanzen (oder stehen zu lassen) sowie auch auf Obststräucher und ähnliches zu setzen. Außerdem müsse man auch im eigenen Garten auf den Einsatz chemischer Mittel verzichten, wenn man bienenfreundlich handeln möchte.

Und dann ist da noch der Einsatz von Pestiziden, deren Einsatz seit langem Thema in Sachen Bienensterben ist. Es gibt zahlreiche Studien, die besagen, dass Pestizide für das Bienensterben verantwortlich sind. Dennoch tun sich Politiker schwer damit, die Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung gänzlich zu verbieten.

Nun melden sich Wissenschaftler in der Europäischen Union zu Wort. Es gebe starke Beweise für die negativen Auswirkungen auf andere Organismen durch Neonicotinoid-Insektizide, heißt es in einer Studie des EU-Wissenschafsnetzwerks Easac.

„Bestäubungs-Defizit“

Die EU-Kommission überprüft bis Dezember die vor zwei Jahren verhängten Beschränkungen für die Pflanzenschutzmittel, die überwiegend von Bayer aus Leverkusen und Syngenta aus der Schweiz produziert werden. Die Mittel werden in mehr als 120 Ländern eingesetzt. Der Studie zufolge drohe durch Pestizideinsatz ein „Bestäubungs-Defizit“ – da immer mehr Nutzpflanzen angebaut werden, die in ihrer Entwicklung auf die Bestäubung der Bienen angewiesen sind.

Die Brüsseler Behörde hatte 2013 als Reaktion auf das massenhafte Bienensterben den Gebrauch der umstrittenen Insektizide in der EU stark eingeschränkt. Bayer und Syngenta hatten dagegen geklagt. Die Konzerne verweisen unter anderem auf Untersuchungen, wonach Faktoren wie die Varroamilbe Ursache für den Rückgang der Bienenvölker sein könnten.

Der Verband der europäischen Pflanzenschutzmittelhersteller (Ecpa) kritisierte die Easac-Studie als voreingenommen, irreführend und selektiv. Der Bericht erfülle nicht die wissenschaftlichen Standards und sei von einigen nationalen Experten bereits angezweifelt worden. Die Beschränkungen seien auch nicht wirksam. Nur die Bauern würden sich über ernsthafte Verluste bei ihren Pflanzenbeständen beklagen.

20.000 Bienenarten

Schon andere Forscher mahnten: Im Juni 2014 hatte eine unabhängige Wissenschaftlergruppe, bestehend aus 29 Forschern unterschiedlicher Disziplinen, mehr als 800 Einzelstudien zu dem Thema untersucht. Ihr Fazit: Es sei höchste Zeit, die Verwendung von Neonicotinoiden zu stoppen. Die Schäden für die Umwelt seien noch viel umfassender, als die Einzelstudien bisher ahnen ließen.

Weltweit gibt es schätzungsweise 20.000 verschiedene Bienenarten. Doch nur neun Arten produzieren Honig. Bienen und andere Insekten spielen bei rund 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle.

Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu Luxusgütern – die Tiere bestäuben rund 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen. Wenn es nicht gelingt, die Bienenbestände zu halten, und die Insekten aussterben, hätte dies nach Ansicht von Forschern fatale Folgen für den Menschen.

Unterstützung für neue Züchter

Einer neuen Studie zufolge würde ein Aussterben der fleißigen Pflanzenbestäuber zu jährlich 1,4 Millionen zusätzlichen Todesfällen führen, weil weniger Obst, Gemüse und Getreide geerntet werden könnte.

Es gibt aber nicht nur weniger Bienen, sondern auch immer weniger Züchter. Der Eschweiler Bienenzuchtverein hat derzeit noch zwölf Mitglieder. Wolfgang Zylus ist seit Anfang des Jahres neuer Vorsitzender des Vereins und möchte neue Mitglieder gewinnen. In Kürze wird es unter anderem eine neue Internetseite des Vereins geben und neuen Züchtern sichert er Unterstützung zu.

„Wer anfängt, bekommt von uns einen Bienenstock. Natürlich stehen wir immer mit Rat und Tat zur Seite. Nicht nur im ersten Jahr, sondern auch darüber hinaus. Es ist auch möglich, bei uns einfach mal in die Bienenzucht hineinzuschnuppern“, sagt er. Er spricht ausdrücklich Männer und Frauen an. Der Aufwand halte sich bei diesem Hobby in Grenzen. Alle acht Tage müsse man in den Sommermonaten nach den Tieren schauen, im Winter nicht so oft.

Vier Bienenvölker nennt Wolfgang Zylus sein Eigen, zwei davon im Stadtwald. Pro Stock erntet er jedes Jahr zwischen 15 und 45 Kilogramm Honig. Die Ernte ist vorüber, jetzt beginnen die Vorbereitungen auf den Winter, den natürlicherweise viele der Insekten nicht überleben, wie Wolfgang Zylus in Bezug auf das Bienensterben anmerkt.

Wer Interesse an diesem Hobby hat, trifft die Vereinsmitglieder jeden ersten Dienstag im Monat ab 19.30 Uhr im Brauhaus Peltzer, Dürener Straße 94. Infos gibt‘s auch bei Wolfgang Zylus: Telefon 02403/22257.

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