Es geht um weitaus mehr als nur den schönen Schein

Von: ran
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Beschäftigt sich in den Werken seiner Ausstellung „Ganz Nah” mit dem Thema „Tod”: Der Maler, Zeichner und Grafiker Walter Dohmen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Seine Werke spiegeln nicht die Welt des schönen Scheins, sondern konzentrieren sich auf das Tiefere, das Innere, das nicht unmittelbar zu sehen ist.” Dr. Dagmar Preising, Kustodin im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum führte vor zahlreichen Gästen in den Räumen der Städtischen Kunstsammlung im Talbahnhof in die Ausstellung „Ganz Nah” des Malers und Grafikers Walter Dohmen ein.

Der Kunstprofessor und Buchautor, der 1941 in Langerwehe geboren wurde, zeigt bis Sonntag, 28. November, Bilder, Drucke, Zeichnungen, Radierungen und Kupferstiche, die sich mit dem Unvermeidlichen, dem Tod, auseinandersetzen.

„Der Monat November ist eben nicht nur der Karnevalsmonat, sondern in erster Linie der Monat der Gedenktage, die sich mit dem Tod befassen”, sieht Walter Dohmen auch einen zeitlichen Bezug zu seinen ausgestellten Werken, von denen einige bereits zu Beginn der 90er Jahre im Suermondt-Ludwig-Museum zu bewundern waren.

Allerdings schreibt der Künstler, der 1972 ein Stipendium am Rijkscentrum für Grafik im belgischen Kasterlee erhielt, dem er bis heute als Dozent verbunden ist, dem Betrachter keinesfalls vor, wie dieser sich dem Thema Tod zu nähern habe. „Der Tod kann für jeden Menschen immer ganz nah sein. Aber die Beschäftigung damit ist jedem Menschen selbst überlassen”, so der 69-Jährige.

„Walter Dohmen sieht im Tod nicht nur das biologische Ende des Lebens. Er beschäftigt sich in seinen Werken auch mit der transzendenten Dimension und der Erlösungshoffnung. Walter Dohmen stellt Fragen, lässt die Antworten aber offen”, betonte Dr. Dagmar Preising.

„Mit seinen Werken ist er ganz nah am Heute, am Betrachter, am Leben, aber eben auch am Tod”, so die Leiterin des Couven-Museums. Auch persönliche Bezüge kämen in der Arbeit Walter Dohmens zum Ausdruck, etwa im Werk „Mein Freund Hein”. „Das zeigt, dass die Auseinandersetzung nicht nur nüchtern und distanziert abläuft, sondern auch emotional.”

Begonnen hat die Beschäftigung Walter Dohmens mit dem Thema im Jahr 1974, als er die inzwischen vollständig vergriffene Mappe „Anatomie” anfertigte. Startpunkte waren dabei Röntgenbilder und die Auseinandersetzung mit der Wissenschaft.

„Kennzeichnend für Walter Dohmens Arbeit ist, dass grundsätzlich der Mensch im Mittelpunkt steht, niemals die Landschaft oder andere Dinge”, ließ Dr. Dagmar Preising wissen. Dabei sei der Künstler in erster Linie Zeichner. „Die Linie ist ein Merkmal, das er auch in der Malerei einsetzt und das ebenso Eingang findet in die Grafiken.”

Auch mit Symbolen arbeitet der Künstler, der 1980 einer Einladung der Stony Brook University, Long Island, New York, folgte und dort Vorlesungen über Lithografie hielt, gerne. So knüpft sein „Tryptichon”, das aus den Einzelwerken „Todesfuge”, „Todeswüste” und „Abstieg in das Reich des Todes” besteht, an die Tradition des christlichen Kreuzes als „Lebensbaum” an.

Und auch den Totenschädel bettet der Maler, Zeichner und Grafiker, der sich in jungen Jahren an den Werkkunstschulen in Aachen und Köln zum Diplom-Designer ausbilden ließ, ein in die christliche Ikonographie. Überhaupt steht das menschliche Skelett als Verkörperung des Todes im Mittelpunkt der Ausstellung.

„Mit diesen Werken stellt Walter Dohmen einmal mehr unter Beweis, dass er zu den exponiertesten Grafikern unserer Zeit gehört”, lobte Dr. Dagmar Preising die Qualität des Künstlers, der 1988 den Nordlimburgse Industrieprijs für Grafik erhielt und 1993 ein Gastatelier in der Villa Romana im italienischen Florenz belegte.

„Dass es uns gelungen ist, Walter Dohmen mit diesem schwerwiegenden Thema für eine Ausstellung in Eschweiler zu gewinnen, ist ein großartiger Schlusspunkt des Jahres 2010”, unterstrich mit Manfred Lohre auch der Vorsitzende des Eschweiler Kunstvereins die Bedeutung.

Zu sehen ist die Ausstellung „Ganz Nah” bis einschließlich Sonntag, 28. November. Die Städtische Kunstsammlung im Kulturzentrum Talbahnhof ist freitags von 16 Uhr bis 18 Uhr, samstags zwischen 11 Uhr und 13 Uhr sowie sonntags von 11 Uhr bis 13 Uhr und zwischen 16 Uhr und 18 Uhr geöffnet.
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