Eschweiler - Erziehungshilfe und Flüchtlingsarbeit: Tägliche Aufgaben im Haus St. Josef

Erziehungshilfe und Flüchtlingsarbeit: Tägliche Aufgaben im Haus St. Josef

Von: ran
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Intensives Gespräch: Einrichtungsleiter Wolfgang Gerhards informierte die CDU-Landtagsabgeordneten Ina Scharrenbach und Axel Wirtz über die breitgefächerten Aufgaben, denen sich die Mitarbeiter des Hauses St. Josef in Sachen Erziehungshilfe und Flüchtlingsarbeit täglich stellen.

Eschweiler. „Erziehungshilfe“ ist ein Wort, das ein ausgesprochen breites Aufgabenspektrum beschreibt. So orientiert sich das pädagogische Angebot des Hauses St. Josef am Bedarf von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern. Und diese Hilfen enden schon lange nicht mehr an den Stadtgrenzen.

Im Herzen Eschweilers gelegen, sind die Mitarbeiter der Einrichtung, die sich in Trägerschaft der Pfarre St. Peter und Paul befindet, in der gesamten Städteregion Aachen und auch im Raum Düren aktiv. Am Mittwochnachmittag besuchten nun die CDU-Landtagsabgeordneten Ina Scharrenbach und Axel Wirtz das Haus St. Josef, um im intensiven Gespräch mit Einrichtungsleiter Wolfgang Gerhards und Pfarrer Michael Datené, an dem ebenso die indestädtischen Christdemokraten Maria Mund, Renée Grafen, Brigitte Kruber-Barlé, Willi Bündgens und Thomas Graff sowie Edith Nolden, Vorsitzende der Frauen-Union Stolberg, teilnahmen, aus erster Hand einen Eindruck über die Situation zu gewinnen.

„Unser Anliegen lautet, Anregungen zu erhalten, wo Politik im Themenbereich Familie besser werden kann und muss“, betonte Axel Wirtz zu Beginn des Meinungsaustauschs. Ein Satz, den Wolfgang Gerhards aufnahm, um auf die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmung hinzuweisen: „Die Kindertagesstätte ist heutzutage als Thema allgegenwärtig. Die Hilfe zur Erziehung gelangt dagegen oft erst in den Blickpunkt, wenn Dinge schlecht laufen, wenn Katastrophen passieren oder negative Ereignisse aus der Geschichte bekannt werden. Negativbeispiele müssen natürlich diskutiert werden, doch positive Beispiele sollten nicht vollkommen unter den Tisch fallen“, erklärte der Einrichtungsleiter, bevor er Ina Scharrenbach, die im NRW-Landtag unter anderem Mitglied im Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend ist, Eckdaten zur Arbeit des Hauses St. Josef vorstellte.

„Wir unterhalten derzeit zwölf stationäre Gruppen in Eschweiler, Stolberg, Aachen und Würselen, in denen 120 Kinder leben. Die gleiche Zahl an Kindern wird ambulant betreut, das heißt, unsere Mitarbeiter gehen in die Familien hinein. Darüber hinaus arbeiten wir intensiv mit 33 Kindern und deren Eltern in unseren Tagesgruppen.“

Mit dem Zuzug der Bundespolizei nach Eschweiler im August 2015 sei die Flüchtlingsarbeit als wichtiger zusätzlicher Arbeitsschwerpunkt hinzugekommen. „Momentan kümmern wir uns um rund 60 unbegleitete Jugendliche, die unter anderem in Pflegefamilien leben. Darüber hinaus wurde die ehemalige Pfarrkirche St. Michael als Unterkunft hergerichtet.

Der Plan lautet, diese Unterkunft zum Jahresende zu schließen“, ließ Wolfgang Gerhards wissen. Probleme mit den Flüchtlingen seien selten. „Kommt es jedoch zu Problemen, dann sind überproportional häufig junge Nordafrikaner beteiligt“, unterstrich der Gastgeber. Diese seien oft seit Jahren alleine unterwegs und daran gewöhnt, sich selbst zu versorgen. „Wir müssen konstatieren, dass dieser Personenkreis häufig nicht mit unseren Angeboten kompatibel ist!“, machte Wolfgang Gerhards deutlich, um zu diesem Themenkomplex abschließend einen Blick in die Zukunft zu werfen. „Die Erstversorgung der Flüchtlinge ist größtenteils abgeschlossen. Nun geht es um deren Integration. Diese wird mehr Zeit, Geld und Kraft in Anspruch nehmen.“

Zu einem Problem für die Verantwortlichen des Hauses St. Josef sei inzwischen die Finanzierung des Offenen Ganztags an den derzeit 13 Schulen, darunter die Grundschule Dürwiß, im Bereich der Städteregion geworden, an denen die Einrichtung die Trägerschaft übernommen hat. „Wir gehören zu den ganz wenigen Trägern, die ihre Mitarbeiter nach Tarif bezahlen. Dies bedeutet jedoch, dass mit jeder Tariferhöhung die angebotene Stundenzahl sinkt. Das Land muss in dieses Arbeitsfeld investieren, dass uns in Zukunft mehr wert sein muss, als es derzeit ist“, formulierte Wolfgang Gerhards eine Forderung, der Ina Scharrenbach durchaus etwas abgewinnen konnte. Das Land habe die Tarifbindung nicht im Blick.

Die Frage müsse lauten, wohin sich die Offene Ganztagsschule entwickeln solle? „Steht mehr Bildung oder mehr Betreuung im Vordergrund? Unser politischer Auftrag lautet schließlich nicht, die Kinder ihren Eltern vorzuenthalten“, betonte die stellvertretende Landesvorsitzende der Frauen-Union NRW. Es gelte, die unterschiedlichen Angebote an Grundschulen besser aufeinander abzustimmen. Wolfgang Gerhards unterstrich, dass zahlreiche vom Haus St. Josef betreute Kinder wenig Struktur in ihren Familien erlebten und Berührungsängste in Sachen Schule hätten. Der Offene Ganztag könne für diese Kinder und Jugendlichen „als Einstieg“ dienen.

Generell sollte bedacht werden, ob es nicht erfolgsversprechender und auch wirtschaftlicher sei, Geld in die Hand zu nehmen, um Kinder und Eltern frühzeitig und konsequent zu unterstützen, als zu oft abzuwarten, bis das Kind in den Brunnen gefallen sei. „Nicht selten sind Kinder im Alter von sieben Jahren noch aufzufangen, während dieses Unterfangen wesentlich schwieriger und aufwendiger wird, wenn das Kind zu einem 14-jährigen Jugendlichen herangewachsen ist“, verdeutlichte Wolfgang Gerhards. Ein Ansatz, den Pfarrer Michael Datené entschieden unterstützt: „Familien sollten frühzeitig und in möglichst vielen Belangen gestärkt werden. Dabei sollte vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund stehen“, so der Geistliche. Ina Scharrenbach warnte davor, Kinder zu „katalogisieren“.

Nicht alles, was von der Norm abweiche, benötige eine spezielle Förderung. „In unserem Menschenbild verfügt jeder über individuelle Stärken und Schwächen“, so die Betriebswirtin, die 1976 in Unna geboren wurde. Darüber hinaus forderte sie, nicht die große Mehrheit von Familien, in denen es keine grundsätzlichen Probleme gebe, aus dem Blickfeld zu verlieren. Wo Probleme vorlägen, müsse im Vordergrund stehen, die Familien erziehungsfähig zu machen. Immer häufiger seien bei Kindern Entwicklungsverzögerungen festzustellen. „In dieser Hinsicht muss der Grundsatz lauten, je früher Hilfe ansetzt, je besser ist eine Verfestigung zu verhindern, die ansonsten früher oder später inklusive Maßnahmen erforderlich machen.“

Oberste Priorität habe dabei die Beteiligung der Eltern. „Es ist nicht möglich, gegen das Elternhaus zu fördern!“, stellte Ina Scharrenbach letztlich fest, bevor der Besuch der Christdemokraten in der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Kirche St. Michael seinen Abschluss fand.

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