Erziehungshilfe muss immer häufiger geleistet werden

Von: Thomas Vogel
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Kein Geld für neue Schuhe: da
Kein Geld für neue Schuhe: das Problem der Kinderarmut wird drängender. Ein Netzwerk soll bei der Prävention helfen. Foto: imago

Eschweiler. „Teilhabe ermöglichen - Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut” - unter diesem Titel vergibt der Landschaftsverband Rheinland Fördergelder, um der Benachteiligung von Kindern auf kommunaler Ebene entgegenzuwirken. Die Stadt Eschweiler wird, nach der Bewerbung vom ersten Februar, nun über drei Jahre hinweg 32.000 Euro aus diesem Topf erhalten.

NRW-weit gilt jedes vierte Kind als von Armut bedroht. Das Thema spielt auch in der Indestadt eine große Rolle. „Als Leiter der sozialen Dienste des Jugendamtes und wirtschaftlicher Jugendhilfe nehme ich zusammen mit den Jugendsozialarbeitern Armut bei Hausbesuchen, zum Beispiel im Rahmen von Kindeswohlgefährdungsmeldungen, natürlich wahr. An einer konkreten Zahl kann man das im Moment aber nicht festmachen”, erklärt Stephan Pietsch, Leiter des Eschweiler Jugendamtes. Zahlen werde es erst nach einer Bedarfsanalyse, die Teil des Projektes ist, geben. Kinderarmut hat viele Facetten. Auf der emotionalen Ebene leiden Kinder besonders, wenn sie in gesellschaftliche Strukturen nicht altersgemäß eingebunden werden. Kann der Freund nicht mit nach Hause gebracht werden, weil die Scham zu groß ist, hinterlässt das Spuren. Ausgrenzung und fehlende Teilhabe auf vielen Ebenen droht auch bei wirtschaftlicher Armut.

Die Fälle, in denen Erziehungshilfe geleistet werden muss, steigen in Eschweiler stetig. Der demographische Wandel gilt als Motor für diese Entwicklung. Die Mittel sollen deshalb dazu eingesetzt werden, eine frühe und wohnortnahe Familienhilfe zu ermöglichen und Träger, Einrichtungen und Institutionen für das Thema zu sensibilisieren. Die bestehenden Angebote sollen schlicht sinnvoll und vernünftig miteinander verknüpft werden. Dazu soll ein Netzwerk entstehen, das als Präventionskette fungiert. Die Koordination übernimmt das Jugendamt, die Arge und das Amt für Schulen, Sport und Kultur sollen besonders stark in das Netzwerk eingebunden werden.

Um mit dem Projekt Erfolg zu haben ist geplant, möglichst alle relevanten Akteure einzubeziehen. Neben Kitas, Schulen und Sozialberatungsstellen gehören dazu auch Vereine und engagierte Bürger. In der Interessenbekundung der Stadt Eschweiler hat der Rat Grundschulkinder zur Zielgruppe erklärt. Diese böten sich an, da über das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung an allen Grundschulen Schulsozialarbeiter eingestellt worden sind. Auf Basis dieser neuen Strukturen könne das Netzwerk entwickelt werden.

Eine Auftaktveranstaltung ist für den Januar 2013 avisiert. Daneben wird es in der ersten Projektphase eine Bedarfs- und Angebotsanalyse geben. Schwerpunkte und konkrete Projekte werden individuell vereinbart, sobald Netzwerkpartner geworben wurden. Ab 2014 erfolgt die Umsetzungsphase. Damit die Prävention wirksam ist, sollen „Maßnahmen und Angebote auf den biographischen Verlauf von der Geburt bis zum Eintritt in das Erwerbsleben gerichtet” sein, heißt es im Entwurf für eine Sitzungsvorlage für den Jugendhilfeausschuss.
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