Erster Turnplatz des Vereins war die Wiese der Schützenhalle

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Auch in der Schwimmhalle an der Kaiserstraße waren die Turner sehr oft anzutreffen. Foto: Günter Mommertz

Eschweiler. Der Eschweiler Turnverein feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag und blickt auf eine sehr bewegte Geschichte zurück. In insgesamt fünf Teilen stellen wir die Geschichte des Vereins vor.

Basierend auf den Ideen der Aufklärung und des Philosophen Jean-Jacques Rousseau entwickelten die Philanthropen mit Johann Christoph GutsMuths im 18. Jahrhundert die pädagogisch begründete Gymnastik, die zunächst auf die höheren Lehranstalten beschränkt blieb. Mit Friedrich Ludwig Jahn, der GutsMuths in Schnepfental besucht und dort hospitiert hatte, und seinem im Jahre 1811 eröffneten „Turnplatz auf der Hasenheide“ in Berlin entstand die volkstümliche Turnbewegung, die sich rasch ausdehnte.

Da diese turnerische Volkserziehung Jahns mit dem Ziel der Befreiung von französischer Herrschaft und der Überwindung feudaler Strukturen verbunden war, mussten die ersten Turnvereine in unserer Region – der Aachener Turnverein wie der Dürener und Eupener TV – 1847 angemeldet – ihre Arbeit auf polizeiliche Anordnung hin wieder einstellen.

Erst im Jahre 1864 entstand mit den Turnvereinen von 1847 aus Aachen, Düren und Eupen, der Aachener Turngemeinde und dem Handwerker TV sowie den Turnvereinen aus Stolberg und Haaren der Turngau Aachen. Im gleichen Jahr gründete sich auch in der Stadt Eschweiler ein Turnverein in Verbundenheit mit einem Schützenverein, der aber aus unbekannten Gründen keinen Bestand hatte.

Provisorischer Vorstand

Drei Jahre später war es dann so weit: Am 20. Juli 1867 wurde in der Schützenhalle der Eschweiler Turnverein gegründet mit den Worten: „Gut Heil! Heute Abend versammelten sich in der Schützenhalle hierselbst zur Besprechung resp. Gründung eines Turnvereins: Reuther, Klatte, Prinz, Vogel, Delhongue, Rosen, Marchand, Henfling, Schlömer, Klatte II, Lersch, Delius, Heiberg, Thyssen und Brendow.

Nach einigen Einzelbesprechungen wurde Genosse A. Klatte gebeten, bis zur Wahl eines prov. Vorstandes den Vorsitz der Versammlung zu leiten, was derselbe annahm und uns in kurzen Worten eröffnete, was eigentlich der Zweck eines Turnvereins ist, wie derselbe hier in Eschweiler nicht bestanden und welch’ vergnügte Abende und Feste wir resp. ein Teil der anwesenden Genossen, in Gemeinschaft mit dem Eschweiler Schützenverein (Gott habe ihn selig !) erlebt hätten usw.“

Der provisorische Vorstand: Alfred Klatte (Präsident), Aug. Brendow, Christ. Prinz, Reuther, C. Vogel.

So steht die Gründung des ETV im ältesten Chronik-Band von 1907 und in der ersten Festschrift zum 60-jährigen Bestehen im Jahre 1927 beschrieben. Turnplatz waren Wiese und Garten der Schützenhalle, die auch bis zu ihrem Abbruch 1957 Vereinslokal war. Der Aachener Turnlehrer Karl Kapell leitete für zwei Taler pro Stunde die Turnübungen, der Vereinswirt C. Vogel stellte die Geräte.

Das erste Stiftungsfest

Noch im Gründungsjahr änderte sich der Vorstand in: Anton Meuchelmann: Präsident; Josef Thyssen: Vizepräsident und Turnwart; Otto Lehnhoff: Schriftwart; August Brendow: Geldwart; Leonhard Honnet: Zeugwart.

In kurzer Zeit stieg die Zahl der Mitglieder auf 100, und man feierte im September 1868 das erste Stiftungsfest. Doch nach den ersten Jahren der stürmischen Entwicklung brachten der Krieg gegen Frankreich 1870 und die Gründung des Kaiserreiches 1871 das junge Vereinsleben zum Erliegen.

Mit dem Zusammenschluss der deutschen Staaten unter Kaiser Wilhelm I. war die Sehnsucht der Turnerschaft nach einem Nationalstaat zuerst einmal erfüllt. Einige Aufrufe Anton Meuchelmanns hatten keine nachhaltige Wirkung, und mit seinem Wegzug nach Düren bestand der Verein anfangs der 70er Jahre nur noch dem Namen nach.

Das änderte sich erst, als mit Wilhelm Fröschen, einem Turnlehrer des hiesigen Gymnasiums und Turner von Beginn an, ein Mann die Führung übernahm, der mit Begeisterung und Einsatz im Verbund mit Christian Kraemer und Wilhelm Bachem den Verein zu neuem Leben erweckte.

Geräteturnen und Leichtathletik standen im Mittelpunkt der turnerischen Aktivitäten. Christian Kraemer wurde 1892 Präsident und führte den Verein über 28 Jahre zu erheblicher Blüte. Im Laufe dieser Zeit kamen neben dem Schlagballspiel die Ballspielübungen auf – vor allem das Fuß-, Faust- und später das Handballspiel.

Außer dem Turnen in diesem weitesten Sinne wurde das Wandern gepflegt, und die Festschrift zum 60. Jubelfest erwähnt unzählige Wanderungen in der nahen und fernen Heimat. Sangesfreudige Mitglieder gründeten 1894 eine Gesangsabteilung, und jede Vereinssitzung wurde mit dem Singen von Volks-, Wander- und Turnliedern eröffnet.

Überhaupt standen mit den steigenden Mitgliederzahlen das gesellschaftliche Leben und Ansehen in Eschweiler in hoher Wertschätzung. Turn- , Frühlings- und Sommerfeste sowie das Stiftungsfest werden in der Vereinschronik mit großer Begeisterung beschrieben und die Teilnahme an Karnevalszügen im eigenen Motivwagen eigens hervorgehoben.

So manches lustige Lied

Der Schriftwart von 1906, Gerhard Troniseck, hat so manches lustige Lied geschrieben, und der Chronist schreibt: „Was heute die Scharwache übernommen hat, das war vorher eine Sonderaufgabe des Eschweiler Turnvereins“.

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