Stolberg - Erst bezahlen, dann Obst und Gemüse anbauen lassen

Erst bezahlen, dann Obst und Gemüse anbauen lassen

Von: Nicola Gottfroh
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Solidarität in der Landwirtsc
Solidarität in der Landwirtschaft: Für Verbraucher, die ganz genau wissen wollen, wo ihre Lebensmittel herkommen, bietet sich ein Besuch beim Vortrag „Solidarische Landwirtschaft” an. Foto: J. Lange

Stolberg. Saftig rote Erdbeeren, die zum Anbeißen aussehen aber mit Pestiziden belastet sind, Gurken, die in riesigen Gewächshäusern in Monokulturen gezüchtet werden, und Eier von Hühner, die noch nie das Sonnenlicht gesehen haben - Ulrich Prinz hat die Nase voll.

Und zwar von Lebensmitteln, die massenhaft und minderwertig produziert werden, damit sie zu Dumpingpreisen in Supermärkten und Discountern verramscht werden können.

Der Schevenhütter will mit Menschen, deren Herzen genauso ökologisch schlagen wie seines, neue Wege in der Landwirtschaft beschreiten: Er wirbt dafür, dass sich Menschen aus der Region zu einer Solidarischen Landwirtschaft zusammenfinden. „Damit ist eine Gemeinschaft gemeint, die selbst mitbestimmen möchte, was und wie die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die sie und ihre Kinder essen, angebaut werden”, sagt Prinz. Das Konzept ist laut Prinz ganz einfach: „Ein Kreis von Menschen verbindet sich langfristig mit einem Hof, finanziert gemeinsam die jährlichen Kosten des Hofes - auch für Landwirtschaftliche Geräte - im Voraus und erhält dafür im Gegenzug einen entsprechenden Anteil an der Ernte und die Gewissheit, dass die Landwirte mit dem Land, dem Wasser, den Tieren und Pflanzen verantwortlich und zukunftsfähig umgehen.”

Die Vorauszahlung, also das feste Einkommen, ermögliche es dem Erzeuger, sich ganz auf eine qualitätsorientierte, biologische und nachhaltige Produktionsweise zu konzentrieren. Zudem entfalle auch die zeitaufwendige Vermarktung seiner Produkte.

Dass so ein Konzept tatsächlich funktionieren kann und dass Landwirte auch dann noch eifrig die Felder bestellen, wenn sie ihren Lohn schon vorher im Portemonnaie haben, das beweist die Wirtschaftsgemeinschaft Buschberghof im Kreisherzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein, der Wolfgang Stränz angehört, und die dem Projekt von Prinz Pate steht. Die rund 150 Mitglieder dieser Solidargemeinschaft gingen nur noch in den Supermarkt, um Waschmittel und Pflegeprodukte zu kaufen: „Wir werden von unserem Solidar-Hof mit allem versorgt, was wir brauchen”, sagt Stränz. Der Betreib sei in fünf Bereiche unterteilt: Gemüse- und Ackerbau, Vieh- und Milchwirtschaft und eine Bäckerei. An der Produktion sind mehrere Landwirte beteiligt. Ganz günstig ist das nicht - zumindest verglichen mit Supermarkt-Preisen.

„Aber nicht teurer als im guten Bioladen - immerhin entfällt die Vermarktung”, hält Stränz dagegen. „Rund 150 Euro zahlt ein Erwachsener monatlich für die Versorgung mit Lebensmitteln, Kinder rund die Hälfte. „Hört sich elitär an, ist es aber nicht”, betont Stränz an dieser Stelle. Denn wer es sich nicht leisten könnte, aber trotzdem gesund essen möchte, zahle nur das, was er entbehren kann - die Gemeinschaft komme dann für die Differenz auf. „Auch das gehört zur Solidarischen Landwirtschaft dazu”, findet Stränz.

Ein solches Modell wünscht sich Ulrich Prinz, auch für die Region. Lieber heute als morgen. Bis dahin ist es jedoch ein langer Weg, denn erstmal muss er nicht nur begeisterte Verbraucher - mindestens 50 Leute müssen sich zur Wirtschaftsgemeinschaft zusammentun -, sondern auch Landwirte finden, die so ein Experiment wagen möchten. Denn sich selbst auf den Acker stellen, das will Prinz nicht - könnte er aber auch nicht. Der IT-Fachmann ist beruflich sehr eingespannt.

Vortrag zur Solidarischen Landwirtschaft

Wirtschaftsgemeinschaften von Produzenten, die ohne wirtschaftlichen Zwang gesunde Lebensmittel erzeugen und Konsumenten die Verantwortung übernehmen - geht das in der Gegenwart noch? Zu einem Vortrag zum Thema „Solidarische Landwirtschaft” lädt Ulrich Prinz am Mittwoch, 6. Juni., um 19 Uhr ins Welthaus in Aachen, An der Schanz 1, ein. Es soll der Startschuss sein für eine Initiative in der Region.

Wolfgang Stränz von der Wirtschaftsgemeinschaft Buschberghof referiert zum Thema und lässt die interessierten Zuhörer an seinen Erfahrungen teilhaben.
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