Eröffnung des „3-D-Parcours“: Bogenschießen wie Robin Hood

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Bogenschießen ganz traditionell: Auf diesem Bild zeigt Feldbogenschützin Kristin Dorscheid, wie im Wettbewerb auf einem 3-D-Parcours geschossen wird. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Da macht der Wolf aber große Augen – gleich drei Pfeile haben ihn durchbohrt! Vereinsvorsitzender Robert Jatho zieht sie wieder raus.

Eschweiler. Wie Robin Hood pirschen sie durch den Wald. Ein Bogen wird gespannt, ein Pfeil zischt durchs Laub, er trifft einen Wolf direkt ins Herz. Oder dort, wo das Herz wäre, denn der Wolf ist nicht aus Fleisch und Blut, sondern besteht aus hartem Schaumstoff. Genau wie die Ratte, die als Nächstes erlegt wird. Feldbogenschießen heißt der Sport, und die künstlichen Tiere im Wald sind ein 3-D-Parcours.

Am Sonntag wurde das Gelände feierlich eingeweiht: der erste 3-D-Parcours in der Region Aachen, angelegt von dem Verein „Euregio Feldbogenschützen Eschweiler“.

Das Gelände, das zum Tagebau Inden gehört, befindet sich direkt hinter dem Kraftwerk Weisweiler. Es ist nicht frei zugänglich, und das ist für die Sicherheit ein großes Plus, findet Vorsitzender Robert Jatho. Kein Pilzsammler oder Spaziergänger kann da plötzlich in der Schussbahn stehen. Zu erreichen ist es nur über einen für den Verkehr gesperrten Feldweg und durch eine Schranke, die sich nur per Chipkarte öffnen lässt.

Auch der Weg, den der Verein bis zur Einweihung gehen musste, war lang und steinig. „Es hat uns vier Jahre gekostet, wir waren nach vielen Rückschlägen kurz davor, aufzugeben“, erinnerte sich Geschäftsführer Dietrich Krieghoff am Sonntag. Mehrfach zerschlugen sich Pläne für Trainingsgelände im Kreis Aachen. Bis man sich an den Eschweiler Bürgermeister wandte. Krieghoff: „Wir waren ganz überrascht, plötzlich offene Türen zu finden, ein offenes Ohr und richtig profunde sachliche Hilfe.“ Die fand der Verein dann ebenso beim Leiter des Kraftwerks Weisweiler, Gerhard Hofmann, beim früheren Chef des Tagebaus Inden, Arthur Oster, dessen Nachfolger Dr. Stephan Strunk und seinem Stellvertreter Werner Koenigs. Ihnen allen dankte Krieghoff von Herzen.

Bürgermeister Bertram freute sich über das Lob der Schützen. Er wies auf die Bedeutung der 230 in Eschweiler tätigen Vereine hin: „Ich bin diesen Ehrenamtlern dankbar, dass sie sich engagieren und das soziale Gefüge in dieser Stadt stabilisieren.“

Werner Koenigs hoffte auf weiterhin gutes Einvernehmen aller Beteiligten. Dazu gehören nicht nur die Bogenschützen, die Stadt Eschweiler und das RWE, sondern auch die Bergbehörde beim Regierungsbezirk Arnsberg, die das Projekt genehmigen musste, und der Jagdpächter, der die anfänglichen Bedenken der Jagdgenossenschaft Eschweiler in das Verfahren einbrachte. Diese sind inzwischen zerstreut, und der Jagdpächter feierte am Sonntag gerne mit den Bogenschützen die Einweihung des Geländes. Der Verein hat derzeit 48 Mitglieder, weitere Interessenten stehen auf der Warteliste.

Rund 35.000 Quadratmeter groß ist das Übungsgelände der Feldbogenschützen. Seit September des vorigen Jahres richten die Vereinsmitglieder das Gelände her, mit tatkräftiger Hilfe des RWE-Kraftwerks, das eine Freifläche planierte und befestigte. Der Verein selber errichtete eine Hütte und legte den Parcours als wichtigsten Teil an. Dieser 3-D-Parcours ist in einen teilweise mit Laubbäumen bewaldeten, zu einem anderen Teil mit Büschen bestandenen Hang integriert.

Gut getarnt stehen dort 30 künstliche Tiere. Rote und gelbe Pflöcke markieren, von wo aus die Bogenschützen ihre Ziele treffen sollen – die gelben Pflöcke, etwas näher dran am Ziel, sind für jugendliche Schützen. Manchmal knieend durch Astwerk hindurch, manchmal bergauf oder bergab muss geschossen werden, ohne Vorrichtungen wie Stabilisatoren und Visiere, wie sie beim Olympischen Bogenschießen üblich sind.

Gemeinsam mit zwei Bogenschützinnen gingen die Gäste der Einweihungsfeier, darunter viele von befreundeten Bogenschützenvereinen, einige Stationen des Parcours ab, und Vorsitzender Robert Jatho erläuterte dabei, wie Wettbewerbe der Feldbogenschützen organisiert sind. Nämlich ähnlich wie Golfturniere. Bei Wettbewerben – bei denen der Eschweiler Verein in den vergangenen Jahren national und international sehr erfolgreich war – sind die Stationen deutlich weiter verteilt, sie liegen bis zu 600 Meter auseinander. „Da kommen dann schon mal zehn oder zwölf Kilometer zusammen.“

In Gruppen von sechs oder sieben Schützen sind die Teilnehmer auf einem solchen Parcours unterwegs, der aus 25 bis 30 Tieren besteht. Drei Pfeile hat jeder Schütze dabei, und er muss möglichst mit dem ersten Pfeil und möglichst ins Zentrum des Ziels treffen, „ins Gold oder ins Kill, wie Feldbogenschützen sagen“. Die aus Hartschaumstoff bestehenden Tiere müssen nicht Hirsch, Reh oder Wildschwein sein. Es gibt auch einen Parcours, der mit Dinosauriern bestückt ist. Die Euregio-Feldbogenschützen haben überwiegend heimische Tiere aufgebaut: Truthahn, Hirsch, Ratte, Auerhahn, Bär, Hase. Allerdings gibt es auch ein Krokodil – das ist in deutschen Wäldern eher selten anzutreffen.

„Beim Umbau unseres Vereinsgeländes stehen Naturschutz und Erhaltung der natürlichen Umgebung im Vordergrund“, versichert Vorsitzender Jatho. Der Parcours sei so angelegt, dass die Natur möglichst wenig beeinträchtigt wird. Und zugleich so, dass Bogenschützen weder sich selber gegenseitig noch andere Personen gefährden können. Die allerdings auf dem neuen Gelände hinter dem Kraftwerk ohnehin keinen Zugang haben. Und noch etwas ist dem Vorsitzenden wichtig: „Traditioneller Bogensport darf nicht mit Bogenjagd verwechselt werden. Wir werden nie auf lebendige Wesen schießen.“

Zum Eröffnungsprogramm gehörten auch die Demonstration von Bogenschusstechniken und Bogenbau, es gab eine Ausstellung selbstgefertigter Bögen, überwiegend aus Holz, und nach historischen Vorbildern handgeschmiedeter Pfeilspitzen. Die Feldbogenschützen sehen sich nicht nur als Sportler, sondern zugleich als Hüter einer langen Tradition, die bereits in der Steinzeit begann. Schon vor zehntausenden Jahren wurden aus Feuerstein geschlagene Pfeilspitzen mit Birkenteer auf Holzpfeilen befestigt.

Wie das funktioniert, konnten sich die Besucher des Eröffnungsfestes zwischen Grillwurst-Imbiss und Probeschießen ebenfalls anschauen.

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