Erkrankungen kennen keine Sommerferien

Von: Sonja Essers
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Blutspenden kann Leben retten und ist gerade in den Sommermonaten enorm wichtig. Auch das St.-Antonius-Hospital benötigt dringend Blutkonserven. Angst müssen Neuspender nicht haben. Foto: Stock/Blickwinkel

Eschweiler. Gespannt, getestet, gepikst, gestärkt: Wer zum ersten Mal Blut spendet, der hat meist viele Fragen und auch ein kleines bisschen Aufregung ist stets mit von der Partie. Dabei ist die Blutspende gerade in den Sommermonaten enorm wichtig. Warum?

Das weiß Elmar Wagenbach, Vorstand des St.-Antonius-Hospitals in Eschweiler: „Gerade in diesen Monaten sind wir eher knapp mit Blut“, macht er deutlich.

Obwohl jeder Indestädter in die Situation kommen kann, selbst einmal Blut zu benötigen, sei es schwierig, neue Spender zu finden. So setzt sich der Negativtrend fort: Die Zahl der Blutkonserven schrumpft weiter. Ein Grund dafür ist jedoch nicht nur die Ferienzeit. Auch der Poststreik spielte eine wichtige Rolle.

Post und Blutspende, wie passt das zusammen? Das weiß Ulrich Dreiner, Vorsitzender des Eschweiler Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Er meint: „Der Poststreik hatte leider negative Auswirkungen auf die Blutspenden. Nicht nur bei uns, sondern bundesweit.“ Schließlich wird jeder Spender schriftlich zu den Blutspendeaktionen eingeladen. Der Streik verhinderte jedoch, dass die bereits gedruckten Einladungen auch rechtzeitig beim Blutspendedienst ankamen und von dort aus weiterversendet werden konnten. Als diese wiederum weitergeleitet wurden, blieben sie zunächst in den Postzentren liegen und wurden nicht ausgetragen.

Das Ergebnis sahen die Mitglieder des Ortsvereins beim Blutspendetermin Anfang Juli: Es kamen rund 20 Prozent weniger Spender als gewöhnlich. „Das zeigt, wie wichtig diese Einladungen, die auch die Funktion einer Erinnerungsstütze haben, eigentlich sind“, meint Dreiner. Vor allem die 40- bis 60-Jährigen würden darauf viel Wert legen und sich nur selten im Internet über die bevorstehenden Termine informieren.

Ferien sind problematisch

Schwierigkeiten gibt es jedoch nicht nur aufgrund des Poststreiks. „Im Sommer kommt es immer wieder zu Problemen, weil Ferien sind und die Spender in Urlaub fahren“, erklärt Dreiner. Wie man den zurückgehenden Spenderzahlen entgegenwirken will? Der Ortsverein Eschweiler bietet in diesem Monat gleich zwei Termine an. Nicht nur in den ersten Ferienwochen bekamen Indestädter die Möglichkeit, ihr Blut zu spenden, auch am Donnerstag fand am St.-Antonius-Hospital eine Blutspendeaktion statt. „Die Verbraucher haben kein Sommerloch und auch Erkrankungen werden das ganze Jahr über diagnostiziert, genauso wie Unfälle das ganze Jahr über passieren“, meint Dreiner.

Er ist besonders froh, dass es beim Eschweiler Ortsverein zahlreiche Stammspender gibt. „Manche Langzeitprofis sieht man wirklich bei jedem Termin“, sagt der Vorsitzende des Ortsvereins. Doch auch diese Hilfsbereitschaft hat ihre Grenzen. Schließlich dürfen Männer sechs Mal, Frauen sogar nur fünf Mal im Jahr Blut spenden und das sind nicht die einzigen Kriterien, an die sich die Spender halten müssen (siehe Box).

Im St.-Antonius-Hospital hat die zurückgehende Zahl der Blutspenden bisher zu keinen Problemen geführt. „Wir haben noch keine Operationen absagen müssen“, teilt Wagenbach auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Zwar weiß auch er, dass die Sommermonate die Blutspendedienste vor besonders große Herausforderungen stellen, jedoch ist die Urlaubszeit dafür, seiner Meinung nach, nicht der Hauptgrund. „Das Kernproblem ist ein anderes. Die allgemeine Bereitschaft lässt nach. Man spendet das Blut nicht direkt für sich und diese Selbstverständlichkeit es für andere zu tun, wird immer weniger“, meint der Vorstand des Hospitals.

Laut dem DRK werden täglich zwischen 3000 und 3500 Blutspenden im Versorgungsgebiet West, zu dem auch die Indestadt gehört, benötigt. Diese werden nicht nur für Operationen, sondern auch für Therapien in den Krankenhäusern gebraucht.

Gut Essen und Trinken

Doch selbst wenn man Blutspenden möchte, sollte man dies bei sommerlichen Temperaturen überhaupt tun? „Ja“, meint Ulrich Dreiner, der den einen oder anderen guten Tipp auf Lager hat. „Die Spender sollten gut essen und trinken“, sagt er. Am Tag der Blutspende sollten zwischen einem halben und einem Liter Wasser mehr getrunken werden.

Wichtiger ist jedoch, dass vor allem Neulinge nicht davor zurückschrecken sollten Fragen zu stellen. Neben ein bis zwei Ärzten seien auch immer zahlreiche Mitglieder des Ortsvereins während der Blutspende vor Ort. Sie sorgen nicht nur dafür, dass sich die Spender stärken können, sondern stehen auch bei Fragen zur Verfügung. „Dumme Fragen gibt es nicht“, macht Dreiner Erstspendern Mut und fügt hinzu: „Bei der Blutspende kann man eigentlich gar nichts falsch machen.“

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