Erinnerungen an einen abgebaggerten Ort

Von: Andreas Röchter
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Eschweiler. Es ist ein Blick in die Vergangenheit. In eine Zeit, in der im östlichen Teil Hehlraths noch einige Straßenzüge existierten, die „die Velau” genannt wurden. Vor gut 60 Jahren fiel dieser Teil der damaligen Gemeinde Kinzweiler den Baggern des Tagebaus Zukunft zum Opfer.

Der Hobbyhistoriker Hans Reiner Jansen hat nun mit der Unterstützung seiner Co-Autoren Willi Dolfen und Klaus Müller die Geschichte dieses Ortsteils in seinem Werk „Erinnerung an die Velau im 20. Jahrhundert” zusammengefasst.

Auf 295 Seiten, die mit zahlreichen Bildern und Karten bestückt sind, gewährt er Einblicke in die geschichtliche Entwicklung, die Infrastruktur, das Gemeinschaftsleben, den Alltag und das Brauchtum der ehemaligen Velauer und ergänzt diese mit den Adressbüchern der Jahre 1907, 1912, 1925, 1927, 1929, 1935 und 1950.

„Über die Velau ist bisher wenig niedergeschrieben worden. Aber es ist der erste geschlossene Ortsteil Eschweilers, der komplett abgebaggert wurde”, erklärt Hans Reiner Jansen. Eine Tatsache, die dem Autor bis vor einigen Monaten selbst nicht wirklich bewusst war. Denn eigentlich war ein Buch über die Velau nicht geplant. Vielmehr war der Archivar der Heimatfreunde Kinzweiler, der in Dürwiß beheimatet ist, maßgeblich an der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 2009 beteiligt.

Teil dieser Festschrift war ein Text mit dem Titel „Auswirkungen des Braunkohletagebaus in der Gemeinde Kinzweiler”. Auch eine Stellwand der zu den Jubiläumsfeierlichkeiten gehörenden Ausstellung befasste sich mit diesem Thema. „Darauf haben mich dann einige Personen angesprochen, so dass ich auf die Idee kam, etwas genauer nachzuforschen”, sagt Hans Reiner Jansen rückblickend. Zahlreiche Gespräche mit ehemaligen Bewohnern der Velau folgten.

Viele von ihnen sind nach wie vor in Hehlrath beheimatet, doch so manchen hat es nach der Abbaggerung auch weiter weg verschlagen. Etwa nach Krefeld oder Geldern am Niederrhein. „Dort wurden mehrere ehemalige Landwirte der Velau angesiedelt”, so das Mitglied des Eschweiler Geschichtsvereins, der auch so manches Telefongespräch mit den ehemaligen Velauern und jetzigen Niederrheinern führte. „Alle haben auf die Nachricht, dass ein Teil der Geschichte der Velau erforscht wurde, positiv reagiert”, freut sich der 67-Jährige.

Ein dickes Kompliment macht er auch seinen Mitstreitern Willi Dolfen und Klaus Müller: Erstgenannter, dessen Elternhaus in der Velau stand und der nun auf Pumpe wohnt, lässt mit einigen Erzählungen und Anekdoten die „alte” Velau wieder aufleben. Klaus Müller, Wirt der Gaststätte „Hexenhaus” in Hehlrath, hat Nachforschungen in Sachen Stammbaum betrieben und nachgewiesen, dass ein Teil seiner Vorfahren aus der Velau stammt.

Bemerkenswert ist vor allem die Geburtsurkunde des Gottfried Hubert Mund aus dem Jahr 1819, in der die „Fehlau” namentlich erwähnt wird. „Die Beiträge meiner Co-Autoren haben wesentlich zum Gelingen des Vorhabens beigetragen”, macht Hans Reiner Jansen deutlich.

Nach monatelanger Arbeit war das Werk schließlich im Oktober des vergangenen Jahres druckreif. Und die anfänglichen Zweifel, ob das Buch auch Leser findet, sind verschwunden. „Wir waren unsicher, doch die erste Auflage von 100 Exemplaren war nach weniger als zwei Wochen vergriffen”, berichtet der ehemalige Lehrer, der dazu beitragen möchte, dass die Velau und deren Abbaggerung nicht in Vergessenheit geraten.

„Immerhin waren 217 Personen davon betroffen”, nennt er eine nachdenklich stimmende Zahl. Und vergisst nicht zu erwähnen, dass die Arbeiten von Josef Granrath und Hans Werner Lammertz eine wichtige Hilfe für den einleitenden Textteil darstellten. „Auch die Erlaubnis, Bilder aus einem Videofilm von Leo Braun (Inden-Altdorf) und Alois Weber abdrucken zu dürfen, war ein wichtiger Baustein”.

Das Ende der Nachforschungen, die zur „Erinnerung an die Velau im 20. Jahrhundert” führten, bedeutet übrigens nicht, dass Hans Reiner Jansen sich nicht mehr mit der ehemaligen Gemeinde Kinzweiler beschäftigen wird. Als nächstes steht nun die Epoche vom 14. bis zum 16. Jahrhundert an.

Die zweite Auflage ist bereits in Planung

Die erste Auflage des Werkes „Erinnerung an die Velau im 20. Jahrhundert” mit 100 Exemplaren ist bereits vergriffen. „In Hehlrath ist das Buch sehr gefragt”, freut sich Hans Reiner Jansen. Doch auch in anderen Stadtteilen Eschweilers dürften die Forschungsergebnisse auf Interesse stoßen. Auf Verdacht werden nun weitere Exemplare gedruckt.
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