Erinnerung und hoffnungsvoller Blick nach vorn

Von: ran
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Totenehrung: Mit der Kranzniederlegung fand die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag ihren würdigen Abschluss. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Wenn die Toten schweigen, beginnt alles von vorne. Damit die Toten nicht schweigen, wir ihre Stimmen hören, gedenken wir am Volkstrauertag derer, die geschunden und ermordet wurden.” Mit diesem Zitat begrüßte Bürgermeister Rudi Bertram am Samstagnachmittag die zahlreichen Gäste, darunter unter anderem Vertreter der Bundeswehr, der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Stadtmitte sowie die Leiter der weiterführenden Schulen, zur zentralen Gedenkfeier im Rathaus.

„Die Menschen, die die Schrecken des Zweiten Weltkriegs miterlebt haben, werden immer weniger. Deshalb besteht die Gefahr, dass das Geschehene vergessen wird. Doch auch viele junge Menschen sind interessiert an dem, was passiert ist”, betonte der Verwaltungschef. Dennoch sei der Umgang mit der Vergangenheit häufig noch verkrampft.

Die verbliebenen Augenzeugen sollten erklären, was sie erlebt haben. „Dann setzen sich Jugendliche mit diesem Thema auseinander, denn es liegt an ihnen, dafür Sorge zu tragen, dass sich etwas ähnliches nirgendwo auf der Welt wiederholt. Darum ist unser Gedenken am Volkstrauertag wichtig”, so Rudi Bertram.

Mit Claus-Dieter Härchen trat anschließend der Hauptredner der Gedenkstunde an das Mikrofon. „Als Achtjähriger habe ich am eigenen Leib erfahren, was Krieg bedeutet, als wir aus einem Kellergewölbe flüchten mussten und in einen Tieffliegerangriff gerieten. Die Toten und Verletzten vergisst man nie, sie sind prägend für das Leben”, rief der ehemalige Stadtdirektor Kindheitserlebnisse ins Gedächtnis.

So habe er es als befremdlich empfunden, als bereits wenige Jahre später die Bundeswehr gegründet und die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde. Aber dieser Schritt habe sich als richtig erwiesen. „Der kalte Krieg war eine Bedrohung, der sich die Bundesrepublik als wehrhafte Demokratie entgegenstellen musste”, unterstrich Claus-Dieter Härchen. Die Idee des „Bürgers in Uniform” sei überzeugend.

Doch hat deshalb der Volkstrauertag seinen Sinn verwirkt? „Keineswegs. Die Menschen scheinen das Kämpfen nicht lassen zu können. Aber zu jeder Nation gehört das Streben nach Frieden und damit auch das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt”, so der ehemalige Stadtdirektor.

Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkstunde von Pia Eßer (Blockflöte) und Sebastian Sterkel (Trompete), Schüler der Liebfrauenschule, und vom stellvertretenden Schulleiter Bert Schopen. Neben getragenen Stücken kam auch das heitere Allegro aus der Sonate a-Moll von Diogenio Bigaglia zum Vortrag.
„Bei aller Trauer über das Geschehene darf der hoffnungsvolle Blick in die Zukunft nicht verloren gehen”, erklärte Bert Schopen, bevor der Schweigemarsch zum Ehrenmal im Stadtgarten, wo Kränze niedergelegt wurden, folgte.
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