Eschweiler-Pumpe-Stich - Erich-Kästner Schule: Ein Teil wird wohl abgerissen

Erich-Kästner Schule: Ein Teil wird wohl abgerissen

Von: Tobias Röber
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Teile der Erich-Kästner-Schule sind seit November nicht nutzbar. Schulleiterin Brigitte Kaltwasser (links) und ihre Stellvertreterin Karin Assmann hoffen, dass sich bald etwas ändert. Foto: Tobias Röber

Eschweiler-Pumpe-Stich. Es sieht überall, nun ja, ein wenig gewöhnungsbedürftig aus. Bauzäune umgeben Außenteile des Gebäudes und grenzen auch innen nutzbare von nicht nutzbaren Bereichen ab. Vor dem Eingang steht ein großer Toilettenwagen. So einer, wie man ihn sonst etwa von der Kirmes kennt. Die Mensa ist längst nicht nur mehr eine Mensa. Sie ist Schüler- und Lehrerbibliothek und auch noch Sporthalle.

Die Rede ist von der Erich-Kästner-Schule, der Förderschule für Sprache an der Wilhelminenstraße. Im November wurden dort Bergbauschäden festgestellt. Platten kamen vereinzelt von der Decke, Setzrisse wurden entdeckt, der Putz bröckelte. Ein Teil der Schule soll bald abgerissen werden. Der gewohnte geregelte Schulbetrieb ist seitdem nicht mehr möglich. Geduld und Improvisation sind gefragt.

Denn die derzeit 106 Kinder sollen natürlich weiter gefördert werden. Der 2009 mit Mitteln des Konjunkturpakets II erstellte Neubau sowie die Verwaltung der Schule können derzeit genutzt werden. Fünf Klassen sind zudem in der Stolberger Gutenbergschule untergebracht.

Gleich vier Flöze

Der nicht unterkellerte Bereich des Altbaus ist beschädigt und kann nicht genutzt werden. „Es bestand zu keiner Zeit Gefahr“, betont Hubert Philippengracht, Immobilienmanagement und Verkehr der Städteregion Aachen. Will heißen: Gefahr, dass das Gebäude einstürzt, bestand nicht und besteht auch jetzt nicht. Allerdings kommt es hin und wieder vor, dass Platten von der Decke fallen oder Putz von den Wänden bröckelt.

Das Ziel ist klar: So schnell wie möglich soll ein geregelter Unterricht wieder in Eschweiler möglich sein. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun.

Das Schulgelände und die Gebäude befinden sich in den Einwirkungsbereichen von gleich vier Flözen (Großkohl, Fornegel, Kirschbaum und Bein). Weitere Erkundungsbohrungen sind nötig, um etwa festzustellen, ob und in welchen Bereichen diese Flöze abgebaut worden sind. Verfüllungen, also Stabilisierungen werden dann eventuell nötig. Diese werden vom Bergamt Arnsberg durchgeführt und finanziert. Erste Schätzungen belaufen sich auf Kosten in Höhe von 450 000 Euro.

Im Anschluss an die Stabilisierung der Flöze wird aufgeschüttetes Haldenmaterial verfestigt. Diese Kosten muss die Städteregion Aachen als Schulträger übernehmen. Nach Auskunft des zuständigen Geologen und des Statikers ist bei weiteren Erkundungsbohrungen mit erheblichen weiteren Schäden am Gebäude zu rechnen. Das betrifft insbesondere den nicht unterkellerten Teil des Altbaus, also den Teil, der ohnehin nicht mehr genutzt wird. Die Verwaltung der Städteregion ist daher der Auffassung, dass diese nicht unterkellerten Bereiche abgerissen werden müssen, um die fast schadensfreien unterkellerten Bereiche mit der gesamten Haustechnik für eine ungefährdete weitere Nutzung sichern zu können.

Genau in diesem nicht mehr nutzbaren Teil waren jedoch viele wichtige Bereiche zur Förderung der Schüler untergebracht. So gab es eine Schülerzeitung und ein Schülerradio. Der Computerraum spielte dafür ebenso eine zentrale Rolle wie beim Erlernen etwa der Rechtschreibung. Genutzt werden kann er nicht mehr. „Es muss geändert werden“, sagt Schulleiterin Brigitte Kaltwasser mit Nachdruck. In allen Klassenräumen, in den Büros und den Fluren „steht alles voll“, wie Brigitte Kaltwasser es ausdrückt. Und in der Tat. Schrank steht an Schrank, freien Platz gibt es wenig bis gar nicht. „Für unsere ADHS-Kinder ist das visuelle Reizüberflutung“, sagt die Schulleiterin.

Gleichzeitig betont sie jedoch, dass die Zusammenarbeit mit der Gutenbergschule in Stolberg sehr gut funktioniere und man sehr zufrieden sei, diese Möglichkeit zu haben. (Kleine) Probleme treten dennoch fast täglich auf. So müssen nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer die Strecke zwischen beiden Schule fahren, beziehungsweise gefahren werden. Dass mitunter einige Minuten Unterricht ausfallen, ist die logische Konsequenz. Und die Tafeln an der Gutenbergschule sind nicht wie an der Erich-Kästner-Schule bis fast zum Boden herabzufahren. Die kleinen Schüler aus Eschweiler können die Stolberger Tafeln nur eingeschränkt nutzen.

Die Toilettensituation ist ebenfalls alles andere als optimal. Vor der Schule steht ein Toilettenwagen. Dessen Urinale hängen so hoch, dass viele der Jungen auf ein kleines Bänkchen klettern müssen. Auch müssen die Außentüren des Wagens ständig offen sein, da die Kinder Schwierigkeiten haben, sie zu öffnen.

Derzeit ist ein Start der Arbeiten für Juni vorgesehen. Begonnen werden soll zunächst im Bereich der Zufahrt und der Spielfläche, damit der Schulbetrieb nur gering beeinträchtigt wird. Parallel dazu müssen die Abrissarbeiten für die nicht unterkellerten Bereiche vorbereitet und ausgeschrieben werden. Diese Arbeiten sollen in den Sommerferien ausgeführt werden. Die Sicherungsmaßnahmen sollen nach jetzigem Stand im Herbst abgeschlossen sein.

1,8 Millionen Euro Kosten

Dann stellt sich natürlich die Frage: Wohin mit den Schülern? Die Lösung lautet: Pavillonklassen.

Nach ersten groben Schätzungen können für die Städteregion Abriss-, Sicherungs- sowie Erneuerungskosten (inklusive Pavillonklassen) in Höhe von 1,8 Millionen Euro entstehen.

Bei allen Entscheidungen spielt (zumindest im Hinterkopf) das Thema Inklusion eine Rolle. So steht in einer Verwaltungsvorlage der Städteregion: „Die Kosten können nur reduziert werden, wenn – im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Inklusionsauswirkungen – auf die Pavillonklassen verzichtet wird und nur Sicherungs- und Erneuerungsmaßnahmen im unterkellerten Altgebäude erfolgen. Bei dieser Variante könnte zwar Ende 2013 das unterkellerte Altgebäude (ca. 700 qm) zusätzlich genutzt werden. Zwingend wäre jedoch eine weitere – ca. zwei- bis dreijährige – Beschulung der Kinder auch an der Gutenbergschule in Stolberg. Dies stellt aus der Sicht der Verwaltung für die Kinder, den Schulbetrieb und das Lehrpersonal eine große Belastung dar.“

Das sehen auch die Schulleiterin und ihre Stellvertreterin Karin Assmann so. „An dieser Stelle ein großes Lob an das Kollegium“, betont Assmann. Und zum Thema Inklusion sagt Brigitte Kaltwasser: „Niemand von uns ist gegen Inklusion. Aber dieses Thema muss richtig vorbereitet werden.“

Derzeit besuchen 106 Schüler die Erich-Kästner-Schule. 33 werden benötigt, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Förderschule hat nach wie vor großen Zulauf. Lehrer, Eltern und Schüler hoffen nun, dass die Politik bald grünes Licht gibt und ein geregelter Schulbetrieb in Eschweiler wieder möglich ist.

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