Eschweiler - Erfolgskontrolle für Integration ist einmalig

Erfolgskontrolle für Integration ist einmalig

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Türkische Liebeslieder als musikalische Auflockerung eines Vortrags zum Qualitätsmanagement: Esra Gür, Ezgi Avci und Özge Avci (von links) spielten und sangen am Mittwoch im Rathaus.

Eschweiler. Wie man Bürger mit ausländischen Wurzeln integriert - da können andere Städte von Eschweiler viel lernen. Stolz auf das bisher Geleistete klang immer wieder durch, als am Mittwoch im Rathaus das Ergebnis eines Projekts vorgestellt wurde, das diese Leistung messbar und kontrollierbar macht.

Damit andere Kommunen davon lernen können - aber natürlich nicht nur deshalb - gibt es das Ergebnis auf der eigenen neuen Internetseite www.eschweiler-integration.de zu sehen.

Der Name des Projekts klingt erst einmal sperrig: „Kommunales Monitoring-System zum Qualitätsmanagement in der Integrationsarbeit der Stadt Eschweiler”. Dahinter stecken die Antworten auf ein Bündel von Fragen: Welche Ziele haben wir in der Integration? Wie kommen wir da hin? Und wie kontrollieren wir den Erfolg oder auch Misserfolg?

Die Antworten stehen in einer 50-seitigen Broschüre. Der Eschweiler Integrationsbeauftragte Jürgen Rombach und Dr. Mohammad Heidari von „Pro Dialog Köln” stellten die Geschichte des Projekts vor. Die reicht zehn Jahre zurück. „Zehn Jahre - aber vom Gefühl her war das gestern, dass wir losgelegt haben”, sagte Bürgermeister Rudi Bertram in seinem Grußwort.

Er benannte auch kurz die Erfolge der bisherigen Arbeit und die Reaktionen, die diese Erfolge widerspiegeln. An erster Stelle natürlich die Auszeichnung mit dem Integrationspreis 2009 des Deutschen Fußballbundes und von Mercedes-Benz. Das ist, wie Jürgen Rombach später erläuterte, immerhin der höchstdotierte Sozialpreis in Deutschland, und Eschweiler hat ihn im Konkurrenz mit Städten wie Stuttgart, Bremen und Berlin erhalten.

Thema Integration - „allein der Begriff stempelt ja eine ganze Bevölkerungsgruppe zu Problemfällen”, fand Jürgen Rombach, um dann - mal ernst, mal humorig - zu differenzieren, was Integration meint und was sie leisten kann. Er als geborener Aachener sei ja schließlich in Eschweiler auch ein Integrationsfall, sozusagen ein Arbeitsimmigrant. Wer zum Beispiel den Karneval in beiden Städten kennt und vergleicht, der weiß, dass da Kulturen aufeinander prallen.

Integration bedeute, die unterschiedlichen Potentiale zu nutzen, voneinander zu lernen, aufeinander zuzugehen und dann etwas Gemeinsames zu schaffen. Dass das in Eschweiler oft gelingt, auch wenn noch viel zu tun ist, bestätigte in einem Grußwort Ilker Zaman, der Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Eschweiler.

Um Finanzen, das wichtigste mögliche Streitthema, braucht es in Eschweiler auch keinen Zank zu geben. Denn Geld für Integration ist genug da - man muss es nur finden. Meint Integrationsbeauftragter Jürgen Rombach, und die Gleichstellungsbeauftragte Sigrid Harzheim nickt dazu. In Eschweiler versteht man es, die Förderprogramme von Land, Bund und EU zu finden und abzuschöpfen. Rombach: „Wir betreiben einen hohen Integrationsaufwand mit einem geringen eigenen Finanzaufwand. Das ist uns gelungen.”

Seit acht Jahren begleitet Dr. Mohammad Heidari die Integrationsarbeit im Rathaus und berät dort die „Arbeitsgruppe interkulturelle Migration (AgIM)”, in der Mitarbeiter vieler Abteilungen der Stadtverwaltung aktiv sind. Andere Arbeitsgruppen wiederum befassen sich mit einzelnen Handlungsfeldern, zum Beispiel Bildung. Oder Kultur, Sport und Freizeit.

In diesen Gruppen sind auch Vereine, Kirchengemeinden, Ratsmitglieder und Firmen engagiert - Eschweiler versteht Integration als gemeinschaftliche Aufgabe aller Bürger. Dr. Heidari lobte ausdrücklich die Kommunalpolitiker der Stadt. Ausnahmslos alle Fraktionen sehen Integration als gemeinsame Aufgabe und fördern sie ohne jeden Streit. Das habe er in anderen Städten auch anders erlebt.

Als Coach hat Dr. Haidari nun auch die Arbeitsgruppe Monitoring begleitet. Der gebürtige Iraner mit deutscher Staatsangehörigkeit ist dafür wie kaum ein anderer geeignet. Er hat das so genannte Waik-Konzept entwickelt - die Abkürzung steht für „Wege aus der interkulturellen und interethnischen Konfrontation”. Das Abbauen von Vorurteilen und das gegenseitige Verstehen kann man nämlich üben. Und das wird, nebenbei erwähnt, in Eschweiler auch getan, zum Beispiel mit Benimmkursen an Schulen, in denen es unter anderem um das Frauenbild in unterschiedlichen Kulturen geht.

Die Benimmkurse sind ein Projekt von vielen in Eschweiler. Weitere (nur eine kleine Auswahl): Übersetzerservice, Deutschkurse für Migrantinnen, Aktionswochen der Sportvereine, Ernährungskurse, Sprachförderung für Kinder und Eltern. Die Integrationsarbeit in Eschweiler hat schon immer ausgezeichnet, dass solche Projekte nicht „einfach so” erfunden wurden, sondern dass sie in einem zielgerichteten Gesamtkonzept stehen. „Hier mal ein Seminar, da mal ein Plakat”, das sei keine erfolgversprechende Integrationsarbeit, versicherte Dr. Heidari.

Aber wie misst man Erfolg? Und auch noch bei einem sozialen Handlungsfeld wie Integration? Geht das überhaupt? Ja, es geht.

Wie es geht, beschreibt das „Kommunale Monitoring-System zum Qualitätsmanagement in der Integrationsarbeit”. Jedes Integrationsprojekt aus den sieben Handlungsfeldern, von „Bildung und Sprachförderung” bis „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung” wird auf seine Zielsetzung abgeklopft: Was bringt es? Ist es sinnvoll? Es werden „Mittlerziele” formuliert, mit Zwischenzielen als Orientierungshilfe, und im dritten Schritt Handlungsziele - das Vorgehen im Einzelnen. Mit diesen drei Zielebenen als Basis werden dann Maßnahmen geplant und finanziert. Dafür bietet das Projekt einen Aufgabenkatalog. „Monitoring-Raster” nennt Dr. Heidari diesen Teil des Systems.

Der zweite Teil ist die Erfolgskontrolle. Ein konstruiertes Beispiel: Wenn festgestellt wird, dass 80 Prozent der Kindergartenkinder aus Migrantenfamilien Sprachprobleme haben, und ein Programm zur Sprachförderung aufgelegt wird, dann muss der Erfolg oder Misserfolg auch gemessen und eingeordnet werden, und zwar nach vergleichbaren Standards. Wie viele Kinder haben zwei Jahre später noch Sprachprobleme? Dafür wurden Kennzahlen-Sets erarbeitet. Nicht einfach, denn: „Interkulturell relevante Kennzahlen sind gerade im Migrationskontext noch häufig unvollständig, oftmals unterschiedlich definiert oder schlecht zugänglich”, so Dr. Heidari. Eschweiler hat es aber geschafft. Es gibt eine Fülle von Datensätzen, von Jugendarbeitslosigkeit bis zum Verhältnis von Mietern zu Hausbesitzern. Solche Kennzahlen-Sets sind bislang bundesweit einmalig, da ist Eschweiler jetzt Vorreiter.

Diese Datensätze stehen dann auch nicht in der 50-seitigen Broschüre. Es gibt sie auf einer CD-Rom, und im Gegensatz zur Broschüre ist diese Scheibe nicht kostenlos. Denn immerhin stecken da ein paar Monate Arbeit drin, „und wenn andere Städte das von Eschweiler übernehmen wollen, sollen sie dafür auch ein paar Euro zahlen”, so Dr. Heidari.

Musikalisch umrahmt wurde die Vorstellung des Monitoring-Systems und der Internet-Seite von drei Schülerinnen der Eschweiler Musikschule. Esra Gür, Ezgi Avci und Özge Avci spielten und sangen türkische Liebeslieder und erhielten davor viel Beifall.
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