Entwicklungspartnerschaft zwischen Eschweiler und Alta Floresta

Von: Rudolf Müller
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Ein Mann mit Weitblick: Im amazonischen Naturpark rund um Alta Floresta genoss Honorarkonsul Max Krieger hoch über den Baumwipfeln des Regenwalds den einzigartigen Rundumblick über diese ganz besondere Landschaft. Foto: Krieger/Müller
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In der 70.000-Einwohner-Stadt im Bundesstaat Mato Grosso war Konsul Max Krieger ständig von Radio- und TV-Teams umlagert. Foto: Krieger/Müller
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Die Bürgermeister von Alta Floresta und Eschweiler, Dr. Aziel Bezerra und Rudi Bertram, trafen bereits im Januar in Eschweiler zusammen. Foto: Krieger/Müller
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In einem eigenen Hospital in Alta Floresta werden Bedürftige kostenfrei behandelt. Foto: Krieger/Müller
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Gemeinsam mit Bürgermeister Bezerra erkundete Krieger auch die ländliche Umgebung von Alta Floresta: Die Kühe stammen aus den Niederlanden. Foto: Krieger/Müller

Eschweiler. Mitte Januar war es, dass Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram und sein brasilianischer Amtskollege aus Alta Floresta, Dr. Aziel Bezerra, im Bistro de Ville und am Blausteinsee zusammensaßen und über eine „Entwicklungspartnerschaft“ der beiden Städte berieten.

Seither ist es in der Öffentlichkeit still geworden um den transatlantischen Brückenschlag vom Amazonas an die Inde. „Eingeschlafen“ aber ist das Vorhaben keineswegs: Hinter den Kulissen wird eifrig beraten, geplant, vorbereitet. In regelmäßigen Abständen tagt inzwischen ein Arbeitskreis, der zur Zeit ein Grundlagenpapier über Möglichkeiten der Zusammenarbeit, konkrete Schritte und einen Zeitplan erarbeitet.

Mit dabei: Stephan Miseré vom Amt für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus, Melanie Brockhaus (Public Affairs Communication & Consulting, Köln), Katrin Zeller (FGV-Consulting Rio de Janeiro) – und Brasiliens Honorarkonsul in Düsseldorf, Max Krieger.

Unterstützt wird das Projekt auch von Marco Contardi, der von Rio de Janeiro aus brasilianische Wirtschaftskooperationen betreut und sich auch bereits selbst in Eschweiler informiert hat. Mit im Boot sind auch weitere Experten in Sachen Strukturwandel – wie der Stuttgarter Architekt Hannes Schwertfeger, der unter anderem den Strukturwandel im Ruhrgebiet begleitet hat und in Sachen Stadtplanung eng mit der Universität von Alta Floresta kooperiert.

Gerade erst ein gutes halbes Jahr ist es her, dass Brasiliens Honorarkonsul Max Krieger in seinem Düsseldorfer Büro davon hörte, dass die 70.000-Einwohner-Stadt Alta Floresta im brasilianischen Amazonien auf der Suche nach einer passenden Stadt in Deutschland war, um mit ihr Ideen, Erfahrungen und Knowhow auszutauschen und so gemeinsam drängende Probleme des Strukturwandels anzugehen. Klar, dass Krieger sofort Eschweiler einfiel.

Seine Heimatstadt, die in Sachen Strukturwandel bereits vieles geleistet, aber etliches auch noch vor der Brust hat. Was er den Brasilianern über Eschweiler berichtete, stieß dort auf so reges Interesse, dass schon wenige Tage später eine Delegation aus Alta Floresta Eschweiler besuchte. Und deren Mitglieder waren von Eschweiler so angetan, dass für sie eigentlich gleich feststand: Das ist die Stadt, mit der wir gemeinsam unsere Probleme beiderseits des Atlantiks lösen wollen.

Mitte Januar wurden die Kontakte vertieft: Alta Florestas Bürgermeister Dr. Aziel Bezerra reiste mit einer hochkarätigen Delegation an und traf hier unter anderem mit Bürgermeister Rudi Bertram zusammen. Mit dabei: Hochrangige Vertreter der FGV, einer in Rio de Janeiro ansässigen und weltweit tätigen „Denkfabrik“, die inzwischen auch von einem Kölner Büro aus wirtschaftliche Kooperationen vorbereitet und begleitet.

„Ich glaube, keiner der Beteiligten denkt daran, dass diese Kooperation ein Flop werden könnte. Dazu sind zu viele zu wichtige Namen mit diesem Projekt verbunden. Leute, die ihre Zeit nicht verplempern wollen und einen Ruf zu verlieren haben.“

Was der Arbeitskreis in diesen Wochen und Monaten auf die Beine stellt, das soll spätestens im Herbst in Eschweiler Rat und Verwaltung sowie möglichen Projektpartnern aus Industrie und Forschung präsentiert werden. Der Rat hat dann über die weiteren Schritte zu entscheiden. Einer davon könnte zum Beispiel der Besuch einer Eschweiler Delegation in Alta Floresta sein, um vor Ort zu erfahren, was in Sachen Strukturwandel ansteht, was bereits geleistet wurde und wie man sich gegenseitig helfen kann.

Nachdem bereits zweimal Gruppen aus Amazonien in Eschweiler waren, sind die Indestädter nun zum Gegenbesuch eingeladen. Damit hatte sich Bürgermeister Rudi Bertram anfangs ein wenig schwergetan: Verständlich, nach dem Reinfall mit der geplanten Verschwisterung mit dem türkischen Dalaman. Gegen eine Kooperation mit Alta Floresta allerdings gibt es keine Bedenken. Von der Stadt, die vor Jahren noch durch ihr rigoroses Abholzen des Regenwalds als einer der Top-Umweltsünder galt, inzwischen aber als Vorzeige-Stadt in Sachen Umweltschutz.

Welchen Stellenwert die geplante Zusammenarbeit dort besitzt, zeigt die Tatsache, dass die Zeitungen dort Kriegers kürzlichen Besuch ganzseitig auf dem Titelblatt ankündigten: „Alta Floresta bereitet sich auf den Besuch des Konsuls vor“. Fernseh- und Radioteams begleiteten Krieger auf Schritt und Tritt. Erst vor wenigen Tagen kehrte Max Krieger von einem erneuten Besuch in Brasilien zurück: Mit Marco Contardi erörterte er in Rio de Janeiro die weiteren Schritte auf dem Weg zu einer Entwicklungspartnerschaft zwischen den beiden so unterschiedlichen und doch so ähnlichen Kommunen.

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