Entdeckung im Schrebergarten: Eine Rose namens Aischwiele

Von: fe
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Sie sieht prachtvoll aus und duftet süß: die Rose „Centifolie de la Aischwiele“ von Christel und Josef Hahn aus Eschweiler. Foto: Hans-Werner Schmidt

Eschweiler. Wer genau hinschaut, findet manchmal ungewöhnliche Rosen – wie jetzt in Eschweiler geschehen: Über eine „wahre“ Zentifolie wird im neuesten Jahrbuch der Gesellschaft deutscher Rosenfreunde berichtet.

Der ehemalige Leiter der Eschweiler Volkshochschule, Hans-Werner Schmidt, ohnehin als Liebhaber historischer Rosen bekannt, setzt dabei dem Ehepaar Christel und Josef Hahn ein kleines Denkmal. Sie betreuen (als Mieter) einen „Rosenhof“ – dort, wo früher die Wäsche getrocknet wurde. Aber sie haben auch auf einem gepachteten „Grabe- und Kartoffelland“ am Sticher Berg in den 70er Jahren eine merkwürdige Rose gefunden – nur einmal im Sommer blühend, aber dann prachtvoll. „Immer nur für etwa drei bis vier Wochen ein rosaroter Hingucker und ein Dufterlebnis“, berichten sie, „aber ansonsten schmerzhaft stachlig und gar nicht faul mit Schösslingen“.

Die Frage an Hans-Werner Schmidt, den Sammler solch merkwürdiger Stücke, war dann: „Was haben wir da überhaupt? Ist das eine ‚wahre‘ Zentifolie?“ Die Bezeichnung „centifolia“ lässt sich mit „hundertblättrig“ übersetzen. Der Name legt nahe: Die Blüte besteht aus sehr vielen Blütenblättern – was aber auf Kosten der Staubgefäße und der weiblichen Narbe geht. Zentifolien sind also „eigentlich“ unfruchtbar. Da gibt’s keine Hagebutten – und wenn doch, dann enthalten sie keine Nüsschen, die eigentlichen Samen.

Schmidt: „Bevor im 17. und 18. Jahrhundert die Gattung der unfruchtbaren Zentifolien entstand, muss es aber fruchtbare Varianten gegeben haben.“ Sein Problem: Handelt es sich hier um einen Sensationsfund unter Rosenkennern? Und wie kam diese Rose in einen ehemaligen Eisenbahnergarten? Wann soll das gewesen sein? Schon bald nach dem Bau der Strecke Köln-Aachen, also vor 170 Jahren? Oder später, als Eisenbahnergärten überhaupt erst entstanden sind, zur Fürsorge und wegen des geringen Lohns für „Bahnbeamte“?

Letztlich zuckt er in seinem bundesweit veröffentlichten Text sozusagen mit den Schultern: „Wir Rosenfreunde pflanzen solche einmal blühenden ‚historischen‘ Rosen, weil sie uns gefallen und wir ihre Erhaltung als Kulturgut wichtig finden. Mich haut’s aber nicht um, wenn sich die ‚wahre Zentifolie‘ eines Tages als etwas anderes zu erkennen gibt.“

Trotzdem spreche ja eigentlich nichts dagegen, der Fundrose des Ehepaars Hahn den Namen „Centifolie de la Aischwiele“ zu geben: „Rosentaufen machen doch gute Laune und sind Anlass zu einem geselligen Fest.“ Und eine Werbung für die Stadt an der Inde sei es außerdem.

In der Städteregion Aachen gibt es seit 30 Jahren einen Rosen-Freundeskreis, eine offizielle Gruppe der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde: Da werden Vorträge gehalten, Exkursionen durchgeführt, Erfahrungen ausgetauscht und Freundschaften gepflegt. Auf der Webseite der Gruppe kann man auch einen ausführlichen Text über den Eschweiler Rosenfund nachlesen.

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