Eschweiler - Enkeltrick, Diebstahl und Betrug: Polizei klärt Senioren auf

Enkeltrick, Diebstahl und Betrug: Polizei klärt Senioren auf

Von: tim
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Aufgepasst: Durch den Enkeltrick entstand im Jahr 2014 in Nordrhein-Westfalen ein Schaden von rund 2,35 Millionen Euro. Foto: Timo Müller

Eschweiler. Vor allem ältere Menschen werden immer wieder Opfer von Ganoven. Bei einem Vortrag in Röhe informierten sich rund 40 Senioren über das Thema „Seniorensicherheit im öffentlichen Bereich“.

Eine alte Dame aus der Region wird von ihrer Enkelin, die in Köln lebt, angerufen, und aufgrund eines angeblichen Immobiliengeschäftes, das eine einmalige Gelegenheit darstelle, um 40.000 Euro gebeten. Die Seniorin zögert nicht lange, macht sich auf den Weg zu ihrer Bankfiliale, und lässt sich das Geld auszahlen. Auf dem Weg nach Hause, wo ihre vermeintliche Enkelin schon auf sie warten soll, ruft zufällig ihre echte Enkelin an. Auf das Geld angesprochen, weiß diese von nichts, und verständigt sofort die Polizei. Als diese am Haus der alten Dame eintrifft, haben die Ganoven, die sich hinter dem Anruf verbargen und dort auf sie warten wollten, jedoch schon die Flucht angetreten.

Die alte Dame ist in dem Fall, der sich so tatsächlich in der Region ereignet hat, auf den sogenannten Enkeltrick reingefallen. Doch sie hatte Glück: hätte ihre wirkliche Enkelin nicht zufällig angerufen, wären die 40.000 Euro sicherlich weg gewesen. „So etwas kommt tatsächlich jeden Tag in Deutschland vor“, erzählte Wilhelm Schäfer, ehrenamtlicher Sicherheits- und Seniorenberater der Polizei Aachen, jetzt auch bei einem Vortrag im Pfarrheim der Gemeinde St. Antonius Röhe. Rund 40 Senioren hatten sich versammelt, um sich über das Thema „Seniorensicherheit im öffentlichen Bereich“ zu informieren.

Der Enkeltrick gehöre eigentlich nicht zu diesem Vortrag, der hauptsächlich von Taschendiebstahl oder Betrügereien am Geldautomaten handele, jedoch habe die Anzahl dieser Fälle, in der sich jemand als naher Verwandter ausgibt, in der Region so sehr zugenommen, dass Schäfer auch an diesem Tag über dieses Thema spricht.

So gab es im Jahr 2010 in Nordrhein-Westfalen 732 gemeldete Fälle des Enkeltricks, 2014 waren es schon 2855. Dabei entstand ein Schaden von rund 2,35 Millionen Euro. Ähnlich dem Enkeltrick ist der Handwerkertrick, bei dem sich die Ganoven an der Haustür beispielsweise als Mitarbeiter von Strom- oder Wasserversorgungsinstitutionen ausgeben, um Zutritt zur Wohnung zu erhalten, und das gutgläubige Opfer zu bestehlen. „In Ihrer Wohnung hat niemand etwas verloren, den Sie nicht eingeladen haben“, mahnt Schäfer zur Vorsicht.

Auch wenn die vermeintlichen Mitarbeiter des Wasserwerkes Ausweise vorzeigen, ist man nicht verpflichtet, diese in die Wohnung zu lassen. Kommen Zweifel an deren wahrer Identität auf, rät Schäfer, direkt beim Energielieferanten anzurufen und dort nachzufragen. Dann kam der Ehrenamtler auf das Thema „Trick- und Taschendiebstahl“, und erzählte den interessiert lauschenden Senioren von seinem eigenen Erlebnis in einem Souvenirgeschäft im Urlaub, wo man ihm aus der Hosentasche heraus ein kleines Mäppchen mit seinen Papieren stahl. Kurz zuvor war er von einem Fremden angerempelt worden. „Das war die Ablenkung“, erklärt Schäfer. Sein Rat, um sich vor Taschendieben zu schützen: „Tragen sie Portemonnaies und Papiere nie in ihren Außen-, sondern immer in ihren Innentaschen mit sich herum.“ So sind sie für Langfinger kaum zu erreichen. Auch die Handtasche sei der falsche Ort für Geld oder wichtige Papiere, so Schäfer.

Sollten die Ganoven einen direkten Handtaschenraub versuchen, rät der Sicherheitsberater dazu, sich nicht an der Tasche festzuhalten, da hierdurch eine erhebliche Verletzungsgefahr bestehe. Von Pfefferspray oder ähnlichen Sprühdistanzwaffen rät Schäfer übrigens ab. Viele Sprays seien für die Tierabwehr gedacht und sogar illegal.

Dazu bestehe die Gefahr der Selbstverletzung. „Legen Sie sich einen Taschenalarm zu“, so Schäfer, „denn nichts hassen die Ganoven so sehr wie Aufmerksamkeit. Das kleine Gerät wird meist am Schlüsselbund getragen und macht bei Aktivierung einen infernalischen Lärm. Dadurch werden die meisten Kriminellen so sehr abgeschreckt, dass sie direkt die Flucht antreten."

Auch das Thema „Skimming“ stand auf der Tagesordnung. Hier versuchen die Ganoven, teils mit technischen Hilfsmitteln, die EC-Karten-Pin-Nummer bei der Eingabe am Geldautomaten herauszufinden, um dann im Anschluss die Karte zu stehlen, um Zugriff auf das Konto der Opfer zu erhalten. Am Ende des Vortrages dankte Johannes Hohenschue, Leiter der Organisation des Röher Kreises, dem Referenten für seine guten Tipps. Auch die Senioren fühlten sich gut von Wilhelm Schäfer beraten und quittierten den Vortrag mit begeistertem Applaus. Informationen zu Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei Aachen gibt‘s auch telefonisch: Telefon 0241/9577-34438.

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