Engergiepolitik: Spannendes Referat im Donnerberger Gesprächskreis

Von: ran
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Wagte im Rahmen des „Donnerberger Gesprächskreises“ unter der Überschrift „Aktuelle Energiepolitik zwischen Leidenschaft und Pragmatismus“ auch einen Blick in die Zukunft: Professor Jürgen-Friedrich Hake. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Nuklearkatastrophe vom März 2011 im japanischen Fukushima gilt vielen Menschen als Ausgangspunkt der sogenannten Energiewende in Deutschland. Eine These, der Professor Jürgen-Friedrich Hake, Leiter des Instituts für Energie- und Klimaforschung, Systemforschung und Technologische Entwicklung des Forschungszentrums Jülich, entschieden widerspricht.

„Seit Beginn der 80er Jahre und auch schon früher gibt es hierzulande Diskussionen über den Ausstieg aus der Atom-, Kohle- und Ölenergie. Dies ist ein langer Prozess, der keinesfalls vor vier Jahren plötzlich über uns hereinbrach.“

Was sich allerdings verändert habe, seien die politischen Verhältnisse. „Diejenigen, die früher als Spinner´ bezeichnet und ansonsten kaum wahrgenommen wurden, sind politisch inzwischen an der Spitze angekommen“, so der studierte Mathematiker und Physiker.

Im Rahmen der Reihe der „Donnerberger Gesprächskreise“ war Professor Jürgen-Friedrich Hake nun am frühen Donnerstagabend in der Donnerberg-Kaserne zu Gast, um seinen Zuhörern die „Aktuelle Energiepolitik zwischen Leidenschaft und Pragmatismus“ näherzubringen.

„Um Energiesysteme der Zukunft entwickeln zu können, ist es unabdingbar, auch die ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ins Auge zu fassen“, betonte der Referent zu Beginn seines Vortrags. Klar müsse auch sein, dass Energiepolitik nicht aus rein nationaler Sicht zu denken sei. „Allerdings unterliegen wir in Deutschland nicht selten der Tendenz, genau dies zu versuchen.“

Doch Klimaschutz nicht aus gesamteuropäischer Sicht zu betrachten, helfe nicht weiter. „Und auch dieser Rahmen ist zu klein“, unterstrich Professor Jürgen-Friedrich Hake. Ebenso sei es ein Fehler, Energiepolitik ausschließlich technisch zu handhaben. Entscheidend sei vielmehr, sich ein Bild darüber zu verschaffen, wie wir leben und wie wir leben wollen. „Es muss eine Vorstellung vorhanden sein, wohin die Reise gehen soll“, so der Institutsleiter, der der Vorstellung, die Zukunft sei berechenbar, eine Absage erteilt. „Aller Intelligenz zum Trotz, werden wir uns mit Unsicherheiten auseinandersetzen müssen“, ist er überzeugt.

Das Verhältnis von Freiheit auf der einen und Verantwortung auf der anderen Seite sei auch bei Fragen der Energienutzung zentral. Ob das globale Leitbild der nachhaltigen Entwicklung umsetzbar sei oder lediglich „heiße Luft“ darstelle, sei eine Frage, mit der sich die Wissenschaft intensiv beschäftige. „Von einer perfekten Welt sind wir weit entfernt. Aber es gibt Anzeichen, dass der Mensch die vor ihm liegende Herausforderung erkannt hat“, zeichnete der Naturwissenschaftler kein hoffnungsloses Bild.

Dennoch gebe es weiterhin besorgniserregende Entwicklungen: „Global gesehen, wird der Energiehunger der Menschen weiter zunehmen. Nicht zuletzt die Kohlenstoffdioxid-Emissionen (CO2) sind dabei kaum kontrollierbar. Nehmen wir aber die Klimaforscher ernst, muss ein, allerdings sehr schwierig umzusetzendes, Umdenken stattfinden. Technische Möglichkeiten, den CO2-Ausstoß zu verringern, sind vorhanden“, erklärte Professor Jürgen-Friedrich Hake.

Das in Deutschland angestrebte Ziel, die Primärenergie-Nachfrage abzusenken, sei ambitioniert, aber ebenfalls technisch machbar. „In einem Land wie Deutschland ist es möglich, den technischen mit dem wirtschaftlichen Fortschritt zu vereinen und somit den Wohlstand zu bewahren“, versicherte der Referent. Allerdings sei dies nicht zum Nulltarif zu haben. Vergessen werden dürfe keinesfalls, dass der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland längst noch nicht so hoch sei, wie angestrebt. „Die technischen Konzepte dies zu ändern sind bekannt, umsetzbar, aber kostenintensiv.“

Die sogenannte Energiewende, die unter anderem die Reduzierung von Treibhausgasen sowie des Stromverbrauchs, die Halbierung des Primärenergieverbrauchs sowie eine flächendeckende Gebäudesanierung vorsehe, sei, vorsichtig ausgedrückt, eine außerordentliche Herausforderung, die bisher von noch keiner Industrienation erfolgreich umgesetzt worden sei.

Eine der Voraussetzungen für eine solche Energiewende seien Investitionen in das Stromnetz. Die „sprunghafte Wankelmütigkeit“ des bayrischen Ministerpräsidenten sei in dieser Hinsicht wenig hilfreich. Die weit verbreitete Auffassung, die Energiewende treibe den Strompreis nach oben, teilt Jürgen-Friedrich Hake aber nicht: „An der Börse sinkt der Strompreis tendenziell. Doch auf Grund von Steuern kommt dies beim Verbraucher nicht an. Vielmehr steigt für den Endnutzer der Strompreis.“ Trotzdem sei die Zustimmung in Sachen Energiewende bei der deutschen Bevölkerung nach wie vor sehr hoch.

Die Kritik steige allerdings dort, wo die Energiewende lokal vor Ort zu Veränderungen führe. „Ohne Innovationen und technischen Fortschritt ist die Energiewende jedoch nicht umsetzbar. Mit grundsätzlicher Ablehnung von Veränderungen ist niemandem gedient“, unterstrich der Mathematiker.

Global gesehen müsse die Tatsache akzeptiert werden, dass ein weltweiter Klimaschutz ohne die USA und China nicht möglich sei. „Immerhin bewegen sich diese beiden Länder inzwischen ein wenig“, sieht Jürgen-Friedrich Hake leicht positive Tendenzen. Schließlich würde eine Verständigung unter den fünf führenden Industrienationen ausreichen, die CO2-Emissionen auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.

„Jedem muss klar sein: Saubere Umwelt gibt es nicht umsonst! Aber die eingeleitete Energiewende zeigt auch, dass sich in Deutschland nicht grundsätzlich die Industrie mit ihren Zielen durchsetzt“, schloss der Institutsleiter seine Ausführungen ab.

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