Eschweiler - Engagierte junge Leute beim Neujahrsempfang ausgezeichnet

Engagierte junge Leute beim Neujahrsempfang ausgezeichnet

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Zum 2. Mal (nach 2007) erhält das Ehrenamtlerteam des Kinder- und Jugendzentrums St. Peter und Paul den Preis „JugendPlus“. Es sind jedoch nicht die gleichen Jugendlichen von damals, die ausgezeichnet werden. 19 Mädchen und Jungen im Alter von 13 bis 21 Jahren engagieren sich mehrmals wöchentlich im Kinder- und Jugendzentrum. Foto: Rudolf Müller
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Setzt auf enge Zusammenarbeit zwischen Fachhochschule und Unternehmen: Rektor Professor Dr. Marcus Baumann. Dass ein auf acht Schuljahre verkürztes Gymnasium der Qualität der schulischen Ausbildung schadet, glaubt er nicht: „Wir hatten damals zwei Kurzschuljahre. Ich hab das Abi also auch nach acht Jahren gemacht – und ich hab das gar nicht gemerkt...“ Foto: Rudolf Müller
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Durfte sich ebenso wie Professor Dr. Marcus Baumann ins „Goldene Buch“ der Stadt eintragen: Alexandros Papadopoulos, in Weisweiler beheimatetet Weltmeister in der Kampfsportart Pankration. Die, so verkündete Bürgermeister Rudi Bertram, könnte demnächst olympische Disziplin werden. „Für den Olympiasieger Alexandros Papadopoulos gibt‘s dann hier noch mal einen Extra-Empfang!“ Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Das Beste enthielt Professor Dr. Marcus Baumann seinen Zuhörern am Samstagmittag vor: Der Rektor der Fachhochschule Aachen, den Bürgermeister Rudi Bertram eingeladen hatte, in diesem Jahr die Ansprache beim Neujahrsempfang im Ratssaal zu halten, ist nicht nur ein hervorragender Redner – er ist zudem ein begnadeter Jazzpianist. Der Flügel allerdings blieb im Foyer – diesmal ließ das Programm keinen Raum für musikalische Unterhaltung.

Immerhin hatte Rudi Bertram am Samstag gleich vier Auszeichnungen vorzunehmen, die gut in den Rahmen dieses Empfangs passten. Vor einigen hundert Vertretern von Politik (darunter Bundes- und Landtagsabgeordnete wie auch die Spitze der Städteregion), Kirche, Bundeswehr, Unternehmerschaft, Handel, Banken und Institutionen ehrte Bertram die Träger des „JugendPlus“-Preises 2012. Junge Indestädter, die sich auf vielfältige Weise um die Allgemeinheit verdient gemacht haben. Wie beispielsweise das Ehrenamtlerteam des Kinder- und Jugendzentrums St. Peter und Paul: 19 Mädchen und Jungen im Alter von 13 bis 21 Jahren das mehrmals wöchentlich zahlreiche Angebote von Jugendlichen für Kinder und Jugendlichen in Eschweiler bereithält – Kochkurs, Tanzkurs, Mädchengruppe, Selbstverteidigungskurs, Kinderspielgruppen.

Im Publikum, das dicht gedrängt den Ratssaal füllte, waren diesmal auch viele junge Leute. So zum Beispiel das Jugendparlament des Kinderhauses St. Josef. „Wir sollten Optimismus daraus schöpfen, dass wir in unserer Stadt sehr viele junge Leute haben, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen“, unterstrich Bürgermeister Bertram und bezog sich dabei nicht nur auf die jungen Ehrenamtler, sondern auch auf ambitionierte Mitbürger wie Alexandros Papadopoulos, der aus dem geschichtsträchtigen Sparta einen Weltmeistertitel heim nach Eschweiler brachte.

Jobs für Jedermann

Dennoch: Eschweiler ist heute weniger denn je eine Insel der Glückseligen. „Wenn ich die Dürener Straße runterfahre – das ist schon schwer“, sagte Bertram mit Blick auf die Schließung des einstigen Lynen-Werks, das zuletzt unter Prysmian firmierte. Professor Dr. Marcus Baumann drückte sich in seiner Ansprache deutlicher aus: „Wenn ich an Bombardier in Aachen denke, frage ich mich allen Ernstes: Haben die sie noch alle, solche Entscheidungen zu treffen, wo wir hier doch eine exzellente RWTH und eine noch bessere FH haben, gerade was den Schienenbereich betrifft!?“

Bertram und Baumann waren sich einig: Es nützt nichts, nur Arbeitsplätze für Professoren zu schaffen, es müssen auch Jobs für Arbeiter her, die ihre Familien damit ernähren können. „Unser Ziel ist eine lebenswerte Region“, betonte Baumann. „Wir wollen ein Klima schaffen, in dem Unternehmen gegründet werden, die Leute in Lohn und Brot bringen.“

„Wir“, das sind die Verantwortlichen der Fachhochschule Aachen, die in enger Kooperation mit Industrie und Gewerbebetrieben genau die Art von Personal ausbildet, die der Markt benötigt.

1971 gegründet, bietet die FH Aachen heute 48 Bachelor- und 22 Masterstudiengänge. Ihre Studierendenzahlen zeigen steil nach oben: 11302 waren es zu Beginn des Wintersemesters, davon 3311 am Campus Jülich und 7991 in Aachen. Baumann ist Chef von 220 Professoren (und ebenso vielen Laboren), 300 Lehrbeauftragte und 700 Assistenten und Mitarbeiter. Die FH ist Mitglied der „European University Association“ (EUA) und der HAWtech (Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit technischem Schwerpunkt). Ihre Fächer: Architektur, Bauingenieurwesen, Chemie und Biotechnologie, Gestaltung, Elektrotechnik und Informationstechnik, Luft- und Raumfahrttechnik, Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Mechatronik, Medizintechnik und Technomathematik, sowie Energietechnik.

In vielen Bereichen führend

Gebiete, auf denen Aachener FH-Professore wie auch Studierende einiges an Erfolgen aufweisen können. Ganz aktuell zum Beispiel die Entwicklung einer elektrodenlosen Energiesparlampe, die mit einem Tausendstel der heute üblichen Quecksilbermenge auskommt und sofort „da“ ist. Baumann: „ Wenn Sie heutige Energiesparlampen anmachen, dann ist es noch eine halbe Stunde dunkel. In der Adventszeit ist das ja ganz nett, aber sonst...“ Kein Wunder, dass die Industrie an der Neuentwicklung riesiges Interesse zeigt. Ein von FH-Studenten gebauter Satellit kreist seit 20078 durchs All und liefert Daten – „dabei war der nur für eine Haltbarkeit von einem Jahr gebaut. Da waren unsere Leute wirklich top!“

Das gilt auch für die Entwicklung eines Plasmastrahlers für die Wund- und Hautbehandlung – eine Ionenwolke beseitigt Keime, Bakterien, Viren und Sporen wirkungsvoll und für den Patienten schmerzfrei. Spitze ist auch das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrttechnik entwickelte erste deutsche solarthermische Kraftwerk, und ganz vorne mischt die FH auch bei der Entwicklung elektrischer Zweiräder mit. Und das beinhalte nicht nur funktionierende Bikes, sondern komplette, vernetzte Verkehrskonzepte und -systeme.

„Unser Anspruch ist es, so praxisgerecht wie möglich auszubilden“, betont Baumann. „Die Praxisnähe unserer Ingenieure ist etwas, um das man uns weltweit beneidet. Sie sicherzustellen, dazu gehöre nicht dur ein ständiger Kontakt und Austausch mit den Unternehmen, die durch den Technologietransfer mit der Hochschule gleich doppelt profitieren.

Dass Baumann die vom Land verkündeten Mittelkürzungen für Hochschulen für „einfach fatal“ hält, versteht sich von selbst. „Städte, die Exzellenz-Unis haben, haben auch sehr gute Fachhochschulen“, unterstreicht der Rektor. Und das soll so bleiben.

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