Eschweiler - Engagierte Indestädterin wird ausgezeichnet

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Engagierte Indestädterin wird ausgezeichnet

Von: Andreas Röchter
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Unterstützt seit Jahren das „Friedensdorf International” und wird heute für ihr Engagement zum Tag des Ehrenamtes des Kreises mit der „Ehrentafel” ausgezeichnet: Gertrud-Maria Vögeli. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Man sollte sich immer vor Augen führen, wie gut man es hat, wenn man ohne Krieg leben darf!” Gertrud-Maria Vögeli weiß, wovon sie spricht, denn sie unterstützt seit Jahren Kinder, denen dieses Glück in ihrem noch kurzen Leben nicht zuteil wurde.

Durch das Oberhausener „Friedensdorf International” werden pro Jahr rund 1000 verletzte Kriegsopfer im Alter zwischen sechs Monaten und 14 Jahren medizinisch und pädagogisch betreut.

Gertrud-Maria Vögeli sammelt nicht nur Spenden für die Organisation, sie sucht auch den direkten Kontakt zu den Kindern, um ihnen Halt in einer für sie fremden Umgebung zu geben. Für ihre Verdienste um das „Friedensdorf International” wird die Indestädterin am heutigen Montag anlässlich des 10. Tags des Ehrenamtes des Kreises Aachen von Landrat Carl Meulenbergh mit der „Ehrentafel” ausgezeichnet.

Angefangen hat ihr Engagement bereits Ende der 60er Jahre. Der Vietnam-Krieg war in vollem Gange, als das „Friedensdorf International” im Jahr 1967 ins Leben gerufen wurde. In ihrem Bibelkreis erfuhr die in Jülich geborene und damals dort auch lebende Gertrud-Maria Vögeli durch einen Bekannten von der Existenz der Organisation und entschloss sich, diese zu unterstützen.

„Ich habe begonnen, im Aachener Klinikum vietnamesische Kinder zu betreuen und versucht, ihnen eine Art Familienersatz zu geben”, erinnert sich die Ehrenamtlerin, die seit 1978 in Eschweiler lebt. Als sie vor etwa fünf Jahren mit dem Eschweiler Lions-Club Ascvilare, dem sie gemeinsam mit ihrem Mann Hans-Joachim angehört, eine Fahrt zum „Friedensdorf International” nach Oberhausen unternahm, schloss sich der Kreis.

Die gelernte Säuglings- und Kinderkrankenschwester nahm ihre Arbeit wieder auf, noch intensiver als zuvor. Und dies ist auch bitternötig, denn die Lage für die Kinder in der Welt ist nicht besser geworden. Im Gegenteil: „Als das Friedensdorf International gegründet wurde, gab es weltweit 24 Kriege, heute sind es 94”, macht die Mutter zweier Söhne deutlich. Auch der finanzielle Aufwand steigt. „Inzwischen sind drei Millionen Euro pro Jahr nötig, damit das Friedensdorf International seine Arbeit in gleichem Maße aufrecht erhalten kann”, betont Gertrud-Maria Vögeli.

Deshalb startet die 70-Jährige regelmäßig Telefonaktionen, in denen sie um Spenden bittet. „In den vergangenen vier Jahren sind so 40.000 Euro zusammengekommen”, berichtet sie. Die Hilfsbereitschaft vieler Menschen gibt ihr Kraft. „Nicht zu vergessen, die Dankbarkeit der Kinder. Überhaupt bekommt man von ihnen unglaublich viel zurück”, erklärt die sechsfache Großmutter, die als Fachschwester am St.-Antonius-Hospital einen Operationssaal leitete und nach wie vor in der Praxis ihres Mannes mitarbeitet.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist auch, den jungen Kriegsopfern das Gefühl zu vermitteln, dass man sich um sie kümmert. „Ich habe Frauengruppen aufgebaut, die sicherstellen, dass jeder kleine PatientÊ jeden Tag Besuch erhält”, betont sie, dass neben der körperlichen auch die psychische Gesundung der Kinder eine große Rolle spielt. „Wir lassen die Kinder zu Beginn ihres Aufenthalts viel malen. So können sie manchmal ihre schrecklichen Erlebnisse besser verarbeiten”, hat die Ehrenamtlerin festgestellt.

„Darüber hinaus versuchen wir, den Kindern, die im Durchschnitt vier Monate lang im Friedensdorf bleiben, eine Art Friedenserziehung mit auf ihren Weg zu geben, um ihren Friedenswillen zu stärken. Wir hoffen, dass etwas davon hängen bleibt und sie es später einmal besser machen als die Erwachsenen in ihrem Heimatland”, erklärt die 1938 Geborene, die in ihrer Kindheit also selbst Kriegserfahrungen machen musste, auf der Flucht von ihrer eigenen Familie getrennt wurde und eineinhalb Jahre von einer anderen Familie aufgenommen wurde.

„Sieht man das Leid dieser Kinder und führt sich vor Augen, was sie vor ihrer Ankunft im Friedensdorf bereits durchgemacht haben, relativiert sich einiges. Im Vergleich damit geht es uns um so vieles besser, auch wenn viele dies nicht wahrhaben wollen”, so die Indestädterin.

„Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt und bin der Meinung, etwas zurückgeben zu müssen. Außerdem werden auf Grund der steigenden Kerosinkosten Spenden immer wichtiger. Inzwischen kostet jeder Flug, der die Kinder ins Friedensdorf oder zurück in ihre Heimat bringt, rund 250.000 Euro”, macht Gertrud-Maria Vögeli deutlich.

Wer das „Friedensdorf International” unterstützen möchte, kann dies über das Spendenkonto des Hilfswerks der Deutschen Lions tun: Konto-Nummer 30 333 330 bei der Volksbank Main-Taunus, BLZ 500 922 00, HDL-Verwendungszweck „Friedensdorf” Projekt-Nummer 155042.
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