Eschweiler - Endlich Arbeit: „Ich brauche etwas zu tun“

Endlich Arbeit: „Ich brauche etwas zu tun“

Von: Naima Wolfsperger
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Neues Gesetz: Abderrazah Ambarji (2.v.re.) darf für das AWO-Quartier-West übersetzen. Quartiersmanager Raphael Kamp, FIM-Koordinatorin Monika Medic (re.) und Migrationsberaterin Bouchra Baboua sind begeistert.

Eschweiler. Tagein, tagaus sitzen und warten, dass etwas passiert. Dass sich etwas ändert. Asylbewerber haben oft kaum eine andere Wahl als herumzulungern. Für Abderrazah Ambarji aus Algerien ist das nichts. „Ich brauche immer etwas zu tun“, betont er seinen Tatendrang. Der 36-Jährige ist seit knapp zwei Jahren in Deutschland.

Weil die Wartezeit, zur Klärung des Aufenthaltsstatus von Asylsuchenden, weder für die Antragsteller, noch für die deutsche Gesellschaft Vorteile mit sich bringt, ist seit August vergangen Jahres ein Bundesgesetz in Kraft, das Asylsuchenden erlaubt, bei Kommunen, staatlichen oder gemeinnützigen Trägern zu arbeiten. Mit den sogenannten Flüchtlings-Integrations-Maßnahmen (FIM) können seit Mitte Januar auch Asylsuchende in Eschweiler ihre Zeit sinnvoll nutzen.

Ambarji lacht öfter seit er für die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) des Quartierbüros-West der AWO in Eschweiler arbeitet. „Das fällt mir bei allen auf, die sich an dem Projekt beteiligen“, sagt Monika Medic, die für die Organisation und Koordination der FIM zuständig ist. 14 Plätze für Asylbewerber in Eschweiler sind beantragt. Davon wurden bereits zehn in Kindertagesstätten, in Offenen Ganztagsschulen und im Quartiersbüro vergeben. „Sechs der Asylbewerber sind bisher engagiert dabei“, sagt Medic.

Bei den anderen vier Projektteilnehmern wird geprüft, warum sie nicht dabei geblieben sind. „Viele von ihnen konnten noch keine Sprachkurse besuchen“, erklärt die FIM-Koordinatorin, worin sie die Hauptursache für die Aussteiger sieht.

Amberji hingegen ist kaum aus dem Büro fernzuhalten. Für die Migrationsberatungsstelle übersetzt er vom Arabischen oder Französischen ins Deutsche, hilft bei Arztbesuchen, bereitet Veranstaltungen vor und kümmert sich um alles, was eben so ansteht. „Er hat sich bei uns gut eingelebt und ist sehr engagiert“, sagt Raphael Kamp, Quartiersmanager West. Auch wenn die Maßnahme gerade erst angelaufen sei, habe Amberji sich sehr schnell zurechtgefunden.

Die FIM beziehen sich meist auf Hausmeisterarbeiten, Umzugshilfen, oder das Einsammeln von Möbelspenden. Sie ersetzen keine bestehende Arbeitsstelle, sondern beschreiben zusätzliche Hilfsaufgaben. Sie sind auf sechs Monate beschränkt, dürfen 30 Stunden in der Woche nicht überschreiten und werden mit 80 Cent pro Stunde entlohnt.

Amberji ist froh über seine vielen Aufgaben. Seit er in Deutschland ist, hat er an ehrenamtlich organisierten Deutschkursen teilgenommen, ein Praktikum im Hotel Total, in der entweihten Kirche St. Elisabeth in Aachen, gemacht und engagiert sich in einer Schauspielgruppe für Flüchtlinge. Seit sechs Monaten besucht der in Weisweiler lebende Algerier auch eine Abendrealschule in Aachen, wo er Deutsch, Mathematik, Politik und Englisch lernt. Trotzdem ist er vor der Schule täglich im Büro und wenn abends noch etwas ansteht, dann ist er auch nach der Schule bereit zu helfen.

Der große Traum

„Auch vor der Teilnahme an den FIM war Amberji oft bei uns im Quartiersbüro“, sagt Bouchra Baboua, Migrationsberaterin. Er habe die Unterstützungsprojekte in Anspruch genommen, um Bewerbungen zu schreiben. Sein großer Traum: „Rettungssanitäter werden!“

Das Projekt sei in den vergangenen zwei Wochen gut angelaufen. „Bisher haben wir nur positive Rückmeldungen von den beteiligten Einrichtungen erhalten“, betont Medic, dass sie die Maßnahmen für erfolgreich hält. Sollte es dennoch zu Unstimmigkeiten kommen, dann sei man in der Lage flexibel zu reagieren. Einen der Teilnehmer, der derzeit noch in einer Kita eingeteilt ist, wolle das Quartiersbüro sogar abwerben, sagt Kamp, „er spricht vier Sprachen und bereits sehr gut Deutsch.“ Übersetzer seien immer sehr gefragt. Bisher seien die Sprachen Arabisch, Persisch, Afghanisch und Somali bei den FIM vertreten.

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