Eschweiler - Eischwiele Portugiese ist neuer Chef in Dürwiß

Eischwiele Portugiese ist neuer Chef in Dürwiß

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Bald geht es los: Dann steht Delio Duarte regelmäßig hinter der Theke der Dürwisser Festhalle. Foto: Essers

Eschweiler. Wer Delio Duarte kennt, der weiß: Schlechte Laune hat dieser Mann nicht. Woran das liegt? Ganz einfach: „Ich bin einfach ein zufriedener Mensch“, meint der Mann, der über sich selbst sagt, dass er zu 50 Prozent Portugiese und zu 50 Prozent Eischwiele Jong sei.

Im Interview mit unserer Zeitung erzählt der 38-Jährige, warum er sich dazu entschieden hat, die Dürwisser Festhalle zu pachten und warum er wunschlos glücklich ist.

Herr Duarte, seit einigen Wochen ist es nun offiziell: Sie sind der neue Wirt der Dürwisser Festhalle. Wann war für Sie klar, dass Sie die Festhalle übernehmen möchten?

Duarte: So klar war das eigentlich nicht. Es war eher Zufall.

Zufall?

Duarte: Ja, Zufall. Ich bin bereits im Oktober angesprochen worden, ob ich daran nicht Interesse hätte. Damals hat man mir gesagt, dass ich mir darüber ja mal Gedanken machen könnte. Eigentlich kam das für mich aber gar nicht in Frage.

Warum nicht?

Duarte: Ich habe ja schon die drittgrößte Halle in Eschweiler, warum sollte ich mir dann noch eine zweite antun (lacht)?

Und warum haben Sie sich dann doch eine Option?

Duarte: Ich bin der Meinung, dass man hier in Dürwiß sehr viel Vereinspotential hat, genauso wie das in Röthgen ist. Und ich bin der Meinung, dass man daraus sehr viel machen kann.

Als Wirt einer großen Halle in Eschweiler haben Sie auch bereits zahlreiche Veranstaltungen organisiert und mitbekommen. Gibt es etwas, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist, zum Beispiel irgendein Künstler?

Duarte: Die Gruppe Brings. Es war toll zu sehen, wie menschlich die doch sind. So richtig locker und easy. Es ist aber definitiv so, dass die positiven Erinnerungen überwiegen. Ansonsten könnte ich den Job glaube ich auch gar nicht machen. Ich würde die ganzen Stunden, die ich hier in der Woche leiste, gar nicht schaffen. Aber vielleicht habe ich das auch meiner portugiesischen Mentalität zu verdanken.

Was meinen Sie damit?

Duarte: Ich bin zu 50 Prozent Portugiese und zu 50 Prozent ein Eischwiele Jong, ich bin also ein 100 prozentiger Eischwiele Portugiese (lacht). Aber mal Spaß beiseite. Niemand, der hier reinkommt, wird sehen, dass ich Menschen anbrülle oder dass ich schlechte Laune habe. Das gibt es bei mir nicht. Ich bin einfach ein zufriedener Mensch. Dazu kommt, dass ich auch eine Art Power-Mensch bin, der immer ausgelastet werden muss.

Deshalb führen Sie nun zwei Betriebe?

Duarte: Die Festhalle in Dürwiß ist für mich eine Art Herausforderung. Damit will ich zeigen, was ich eigentlich kann. Es ist so wie bei den Fußballern. Jemand, der schon in der Jugend bei Bayern München gespielt hat und dann irgendwann zu Real Madrid wechselt, muss zeigen, dass er dort genauso gut ist. Kann er es auch bei Real oder schafft er es nur bei den Bayern? Und so ist es bei mir auch.

Was hat Sie letztendlich dazu gebracht sich für die Halle zu entscheiden?

Duarte: Ich habe einige Gespräche geführt und immer mehr gemerkt, dass es Leute gibt, die mich haben wollen, die meinten, dass ich der richtige Mann für die Festhalle wäre. Alleine schaffe ich das natürlich nicht. Ich bin dann auf gutes Personal angewiesen. Natürlich werde ich bei den Großveranstaltungen auch in Dürwiß sein, aber ich brauche Personal, auf das ich mich verlassen kann, und ich denke, ich habe einen guten Geschäftsführer gefunden. Haus Flatten ist mein Kind und jetzt habe ich noch ein Adoptivkind dazu genommen (lacht).

Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als herauskam, dass Sie die Halle übernehmen?

Duarte: Als raus war, dass ich die Festhalle übernehme, bin ich von allen Seiten beglückwünscht worden. Es war toll, dass mir so viele Menschen das Allerbeste gewünscht haben.

Wann werden Sie mit der Arbeit dort loslegen?

Duarte: Gearbeitet wird dort schon länger (lacht). Das Eröffnungswochenende findet zwischen dem 13. und dem 15. August statt. Dann geht aber erst einmal nur der Kneipenbetrieb los. Die Halle selbst ist dann ab Oktober startklar. Dort stehen momentan noch Renovierungsarbeiten an. Der Boden wird erneuert, es gibt einen neuen Anstrich und die Toilettenanlagen werden auch renoviert.

Welches Konzept haben Sie sich für die Halle überlegt? Gibt es Dinge, die Sie anders machen möchten als Ihr Vorgänger?

Duarte: Für die Dürwisser Festhalle habe ich mir ein besonderes Konzept überlegt. Montags und dienstags öffne ich von 17 bis 23 Uhr, dann gibt es auch eine kleine Speisekarte, aus der die Gäste auswählen können. Mittwochs wird Ruhetag sein und donnerstags und freitags gibt es vormittags einen Frühschoppen und ab 17 Uhr öffne ich wieder. An diesen beiden Abenden gibt es dann auch eine ganz besondere Karte. Unter der Woche stehen so die Räume für Vereine zur Verfügung und am Wochenende sollen ausschließlich Veranstaltungen stattfinden, seien es Geburtstage, Betriebs- und Familienfeiern oder Beerdigungs-Kaffees. Es werden auf jeden Fall neue Sachen passieren. Die Festhalle soll wieder belebt werden. Es wird nicht einfach, aber ich möchte in Dürwiß sehr viel bewegen. Dort herrscht ein gutes Vereinsleben und dort wohnen tolle Menschen. Ich weiß das, weil ich nicht nur viele Freunde habe, die in Dürwiß wohnen, sondern weil ich auch einige Jahre bei der Germania Fußball gespielt habe. Und eine Gaststätte wird dort einfach gebraucht.

Stichwort Vereinsleben. Besonders in der Karnevalssession ist die Halle ein beliebter Veranstaltungsort. Hat bereits ein Austausch mit den Karnevalsgesellschaften stattgefunden?

Duarte: Ich habe mit den Vorsitzenden der Karnevalsgesellschaften schon gesprochen. Es wird aber noch eine Versammlung dazu stattfinden.

Wie kamen Sie eigentlich zur Gastronomie?

Duarte: Ich bin der geborene Gastronom (lacht). Ich hatte schon in der ersten Klasse den Berufswunsch, Wirt des Haus Flatten zu werden. Eigentlich war das schon im Kindergarten ein Traum von mir. Ich bin hier geboren und hier groß geworden. Meine Eltern sind seit 45 Jahre im Haus Flatten tätig und waren schon vor meiner Zeit die rechte Hand von Resi (Flatten, Anmerkung der Redaktion). Und die Festhalle ist jetzt halt dazu gekommen.

Was hat sich im Haus Flatten getan seitdem Sie dort als Geschäftsführer tätig sind?

Duarte: Ich habe eigentlich alles verändert, weil ich das Haus komplett umgebaut habe. Man muss aber auch dazu sagen, dass sich die Gastronomie im Laufe der Jahre einfach verändert hat.

Inwiefern?

Duarte: Früher, und damit meine ich auch noch in den 90er Jahren, standen die Leute an den Theken in Fünferreihen. Das war aber nicht nur abends, sondern auch mittags und nachmittags so. Hier gab es 20 Kegelclubs, die nur am Nachmittag gekegelt haben. Das macht doch heute keine mehr. Als Gastronom muss man einfach mit der Zeit gehen. Und da lautet das Stichwort Veranstaltungsgastronomie.

Gelernter Gastronom sind Sie allerdings nicht. Wieso nicht?

Duarte: Ich bin gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann. Ich habe parallel zu meiner Ausbildung immer hier gearbeitet. Eine Ausbildung in der Gastronomie kam für mich nie in Frage, da ich immer der Meinung war, dass man keine Hotelfachschule besuchen muss, um ein guter Gastronom zu sein. Man braucht Herz und muss sich mit den Menschen im Ortsteil verstehen. Durch meine Ausbildung habe ich gelernt, wie ein Betrieb geführt wird.

Wie können Sie bei so viel Arbeit denn abschalten?

Duarte: Im Sommer finden sowieso nur sehr wenige oder gar keine Veranstaltungen statt und dann bleibt das Haus Flatten auch fünf oder sechs Wochen zu. Wenn ich nach Portugal fliege, kann ich abschalten. Ich bin ja auch ein richtiger Strandfanatiker. Ich brauche Sonne, Strand, Meer und ab und zu mal ein leckeres Eis (lacht). Wenn ich dann noch gesund bleibe, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt.

Sie haben also keine Wünsche mehr?

Duarte: Wünsche habe ich nicht. Das würde ich nicht sagen. Aber ich habe Ziele und die muss man sich auch stecken.

Und die wären?

Duarte: Die Baustelle im Haus Flatten zu beenden (lacht). Und ich hoffe, dass ich dieses Ziel in den nächsten Wochen auch erreichen werde. Aber eigentlich habe ich mein Ziel ja schon erreicht. Das war nämlich Wirt des Hauses Flatten zu sein und das bin ich jetzt. Nach dem Umbau kann ich dann wieder richtig starten. Und zu sehen wie es wächst und gedeiht, ist für mich Ansporn genug, um auch weiterzumachen.

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