Eschweiler - Eischwiele Platt steht auf dem Stundenplan

Eischwiele Platt steht auf dem Stundenplan

Von: Sonja Essers
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Eischwiele Platt ist wieder in: Stefanie Bücher (oben links) lehrt Kinder die Mundart. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Was die siebenjährige Isabel in ihrer Freizeit am liebsten macht? Danze. Nein, es handelt sich hier weder um einen Recht­schreib-, noch um einen Grammatikfehler. Sie haben richtig gelesen! Als die Schülerin von Stefanie Bücher nach ihrem Hobby gefragt wird, antwortet sie nicht in Hochdeutsch, sondern in Mundart, in Eischwiele Platt.

Isabel und sieben weitere Kinder nehmen derzeit am Mundartkurs teil, den der Eschweiler Geschichtsverein in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) anbietet. Darin lernen Kinder auf spielerische Art und Weise Eischwiele Platt zu sprechen. Ende Februar ging der Kurs, der aus zehn Einheiten besteht, in die nächste Runde und erfreut sich bei Klein und Groß zunehmender Beliebtheit.

Vor Jahren noch verpönt

Zu den jüngsten Teilnehmern gehört Isabel mit ihren sieben Jahren allerdings nicht mehr. Die Nesthäckchen im Kurs sind der fünfjährige David, der von seiner Oma „Bille“, Sibille Thelen, begleitet wird, und die fünfjährige Anna, die den Kurs gemeinsam mit Opa Wilhelm Trillen besucht. Isabel und ihr Bruder Simon werden von ihrem Großvater Erwin Hausen begleitet.

Er meint: „Ich finde es wichtig, dass meine Enkel das Platt lernen. Meine Kinder haben das leider nicht gelernt, da es vor 40 oder 50 Jahren noch verpönt war, Platt zu sprechen.“

Seit zwei Jahren werde der Kurs angeboten, aber so große Resonanz wie in diesem Semester habe es noch nicht gegeben, weiß Leiterin Stefanie Bücher, die 45 Minuten in Eischwiele Platt unterrichtet, zu berichten. Acht Kinder, zwischen fünf und neun Jahren, sind in diesem Jahr mit von der Partie.

Das sah im vergangenen Jahr noch anders aus. Auch im letzten Herbst hatte der Geschichtsverein einen Kurs angeboten, angemeldet hatte sich dafür jedoch niemand. Umso erfreuter ist Bücher, dass es nun wieder geklappt hat: „Man merkt schon, dass es wieder eine Tendenz zum Platt gibt. Mittlerweile sagen auch Jüngere, dass sie froh darüber sind, wieder öfter Platt zu hören.“

Das spürt Bücher auch in ihrem aktuellen Kurs: Wurden die Kinder bisher nur von ihren Omas und Opas begleitet, so sind diesmal auch junge Mütter und Väter mit von der Partie. „Es findet ein Generationsumdenken statt“, beschreibt Bücher dieses Phänomen. Und sie muss es wissen. Schließlich kennt Bücher sich mit dem Dialekt bestens aus.

Sie spricht fließend Eischwiele Platt und beweist dies als Büttenrednerin „Brejmuhl van Bersch“ auch während der Karnevalssession. Auch ein Großteil ihrer Schüler ist im Karneval aktiv. Und nicht nur das. Viele Karnevalsgesellschaften legen mittlerweile großen Wert darauf, dass auch der Nachwuchs den Dialekt lernt. „Wir hatten in den vergangenen Kursen Kinderpräsidenten dabei. Ihnen hatte man gesagt, dass es doch toll wäre, wenn sie den Prinzen auf den Kindersitzungen in Eischwiele Platt begrüßen könnten“, berichtet Bücher.

Doch nicht nur im Karneval sollte der Dialekt ihrer Meinung nach gesprochen werden. „Et wid Zick, dat Kenger he in Eischwiele uch in Alldaachssituatiune Platt sprääsche“, ist sich die Erzieherin sicher. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Nicht nur, dass sich der Dialekt von Ortsteil zu Ortsteil unterscheidet. „In Dürwiß spricht man anders als in Nothberg“, sagt Bücher.

Erwin Hausen nennt noch einen anderen Grund, warum es den Kleinen schwer fällt, den Dialekt zu lernen. „Es ist, als würde man eine ganz neue Sprache lernen“, sagt er. Aus diesem Grund übt er mit seinen Enkeln regelmäßig die Aussprache der neuen Wörter. Bücher ergänzt: „Wenn man Dinge in Platt nennt, dann merkt man schon, dass den Kindern die meisten Begriffe bekannt sind.“

Doch selbst wer das Eischwiele Platt perfekt beherrscht, muss sich oft erst einmal dazu überwinden, den Dialekt zu sprechen. Und auch da machen Büchers Schüler nicht immer nur positive Erfahrungen. Die Mundart-Expertin erinnert sich an einen Teilnehmer, der auf einer Weihnachtsfeier in Eschweiler-Ost ein Gedicht in Platt vortrug.

Das Problem: Der Nikolaus verstand kein Wort und so wurde der Vortrag des Kindes leider zum Desaster. Auch das eine oder andere Tränchen floss bei dem Kleinen, erinnert sich die Erzieherin. Entmutigen lassen sollte man sich von diesen Erlebnissen allerdings keinesfalls, meint Bücher.

Situationen wie diese sind jedoch nicht das einzige Problem, mit dem man rechnen muss, wenn man sich dazu entschließt, den Dialekt im Alltag zu sprechen. Von anderen ehemaligen Teilnehmern hat Bücher gehört, dass es in vielen Schulen nicht gern gesehen wird, wenn Schüler sich in Platt unterhalten. Dafür hat Bücher allerdings kein Verständnis.

Dialekt im Musikunterricht

Wie gut, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Vorreiter auf diesem Gebiet sei die Katholische Grundschule (KGS) Bohl, sagt Bücher. Dort wird der Dialekt auch in den Musikunterricht integriert. Beim letzten Mundartabend des Geschichtsvereins wirkte der Schulchor mit und gab einige Lieder in Platt zum Besten. Auch im Kindergarten St. Marien, in dem Bücher als Erzieherin arbeitet, lernen die Kinder Eischwiele Platt und singen zu St. Martin entsprechende Lieder.

Doch zurück zum Mundartkurs. In ihrem Unterricht, der in den Räumen der Realschule Patternhof stattfindet, verteilt Stefanie Bücher nicht nur Liedtexte. Die Mundart-Expertin sammelt Texte aller Art und freut sich über jedes Werk, das ihre Sammlung erweitert. In den vergangenen Unterrichtsstunden hat sie mit ihren Schülern den menschlichen Körper und Tiere in Platt beschrieben.

Auch das Thema Brauchtum, zu dem nicht nur der Karneval, sondern auch Feste wie St. Martin und Ostern gehören, haben Bücher und ihre Schüler schon abgearbeitet. An diesem Nachmittag stehen die Hobbys der Kinder auf dem Programm.

Am Donnerstag stand etwas Besonderes auf dem Unterrichtsplan: Die Teilnehmer machten die Innenstadt unsicher: „Ne Spazierjang öm de Rennbahn un Iehs esse“ lautete das Motto. Das hat Bücher bereits mit ihren anderen Kursen gemacht und festgestellt: „Wenn man Eis auf Platt bestellt, dann bringt man die Servierkräfte oft an den Rand ihrer Kapazitäten“, sagt die Erzieherin und lacht .

Bei den Teilnehmern sorgte vor dem Spaziergang vor allem ein Begriff für Verwirrung: die Rennbahn. „Das sind die Grabenstraße, die Neustraße und ihre Verbindungen zueinander“, erklärt Bücher, „mit Pferden hat das nichts zu tun.“

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