Einzelhandel: Kein Grund zum Jammern in der City

Von: Rudolf Müller
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Eschweilers Fußgängerzone – hier die Grabenstraße. Hier ist die Fluktuation zwar deutlich größer geworden, sprich: Läden halten sich nicht mehr so lange wie früher, aber Leerstände, wie sie in anderen Städten gehäuft zu sehen sind, bestimmen längst nicht mehr die Szenerie. Foto: Rudolf Müller
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Leerstehende Geschäftslokale in der City: Für Klaus-Dieter Bartholomy kein Grund zu Besorgnis. Im Vergleich zu anderen Städten sei die Situation in Eschweiler zufriedenstellend. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Eigentlich sind die Beiden ganz zufrieden: Leerstehende Ladenlokale gibt es nur wenige in der City, da ist Eschweiler noch relativ gut bestückt im Vergleich zu anderen Städten dieser Größenordnung wie auch zu Großstädten, sagen Citymanagement-Vorsitzender Klaus-Dieter Bartholomy und seine Vorstandskollegin Helga Jakobs.

Sorgen haben sie dennoch. Ihre größte liegt an der Ecke Grabenstraße/Inde. Dort hat vor Wochen die „Kaiser‘s“-Filiale geschlossen. Damit ist der wichtigste und größte innerstädtische Versorger für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs nicht mehr vorhanden, was vor allem ältere Anwohner hart trifft. Die auf der anderen Seite der Inde liegende Filiale eines Discounters kann den Verlust kaum ausgleichen. „Dort sollte sich auch das Ordnungsamt öfter mal umsehen“, sagt Bartholomy: Die Szene derjenigen Mitbürger, die früher ihre Bierflaschen am Inde-Ufer neben „Kaiser‘s“ leerten, ist inzwischen auf die andere Flussseite abgewandert, wo der überbreite Gehweg zwischen Grabenstraße und Discounter überdacht ist.

Noch hat „Kaiser‘s“ einen Mietvertrag für das Objekt und ist deshalb gehalten, einen Nachmieter zu besorgen. „Aber auch der Eigentümer“ (Bartholomys Vorstandskollege im Citymanagement-Verein Michael Engelbrecht) „sucht selbst sehr engagiert mit“, sagt Bartholomy. Am liebsten wäre allem Beteiligten, wenn sich dort wieder ein Lebensmittelmarkt ansiedeln würde, aber sicher ist das keineswegs.

Gleich nebenan hat in den zurückliegenden Wochen eine Bäckerei geschlossen, eine andere hat inzwischen übernommen. Und auch die benachbarte „Ernsting‘s“-Filiale will dort weg. Aus gutem Grund: Das Ladenlokal ist zu klein geworden; die Firma sucht deutliche größere Räume im oberen Teil der Grabenstraße und soll gegenüber der Rathaus-Residenz fündig geworden sein. Ansonsten herrscht derzeit weitgehend Ruhe. An die 150 Geschäfte gibt es in der Fußgängerzone – etwa ein halbes Dutzend Ladenlokale steht leer. Meist kleine, nicht ganz zeitgemäße, oft in Randlagen. Aber auch der frühere Laden eines Internet-, TV- und Telefonanbieters mitten auf der Grabenstraße ist darunter. „Ebenerdig zugänglich, modern, große Fensterfront – ich versteh‘s nicht“, sagt der Citymanagement-Vorsitzende.

Nach eigenen Wünschen besetzen können weder Citymanager noch Makler die leeren Lokale. „Wir können uns nur umhören und -schauen und Interessenten aller möglichen Branchen das anbieten, was in Eschweiler zun haben ist“, sagt Helga Jakobs, die seit Jahrzehnten mit dem Immobiliengeschäft an der Inde vertraut ist. Die Krux dabei: So ziemlich alles, was in die jeweiligen Ladenlokale passen würde, gibt es in Eschweiler schon. Handyläden zum Beispiel, Friseure, Bäckereien, Nagelstudios. Das gilt übrigens auch für „Kaiser‘s“-Immobilie: „Die wäre genau das Richtige für einen großen Drogeriemarkt“, sagt Helga Jakobs. Nur: Deren gibt es an der Grabenstraße bereits zwei.

Sich bestimmte Branchen oder Firmen herauspicken und gezielt anfragen, ob sie an einer Niederlassdung in Eschweiler interessiert seien, „das kann das Citymanagement nicht leisten“, sagt Bartholomy. Makler könnten das zwar, aber die Erfolgsquote ist bescheiden. Und dass bei den Anfragen, die Firmen an die Wirtschaftsförderer im Rathaus richten, gerade jene Branche vertreten ist, die in der City höchst willkommen wäre, ist ebenfalls die Ausnahme.

„Wenn ich träumen darf, dann von H+M oder auch Woolworth – von allem, was Frequenz in die Stadt bringt“, sagt Bartholomy, der inzwischen auch eingesehen hat, dass der Media-Markt auf der grünen Wiese für die City keineswegs Teufelswerk ist. „Ich habe mich inzwischen überzeugen lassen: Wir können uns gegenseitig befruchten“, sagt der Cima-Chef und verweist auf das riesige Interesse vior allem auswärtiger Besucher, bei Stadtfesten mit dem historischen Shuttlebus zwischen Auerbachcenter und Innenstadt hin und her zu pendeln.

Doch während das Auerbachcenter sich bis in den Abend breiter Besucherströme erfreut, herrscht in der Innenstadt vor allem an Samstagnachmittagen „tote Hose“: „Ich kann nicht verstehen, dass man zu Zeiten, in denen man gratis in der City parken kann, einfach die Läden zumacht“, kritisiert Bartholomy zahlreiche Einzelhändler, die dazu beitragen, das Image der Einkaufsstadt zu demolieren. Natürlich, so unterstreicht er, gebe es auch rühmliche Ausnahmen. Und beim Blick auf die andere Seite der Inde, die „handelsmäßig tote“ nördliche Innenstadt, wird dem Citymanager erst recht übel. Stichwort: City Center/Hertie. „Es ist eine Katastrophe für Eschweiler, dass das nicht in Bewegung kommt. Ich nehme der Stadt ab, dass sie alles versuicht, aber es ist ein Unding, dass wir keine Möglichkeiten haben, deutlich mehr Druck auf die Eigentümer auszuüben.“ Von Enteignung will Bartholomy nicht sprechen, aber leise daran zu denken kann ihm keiner verwehren. „Hätten wir ein Pendant zu Peek & Cloppenburg in der nördlichen Innenstadt“, so weiß auch Helga Jakobs, „würde das die ganze Stadt beleben.“

Alles andere als hilfreich im Bestreben, attraktive Geschäfte in die Stadt zu bekommen, sei auch das immer wiederkehrende Gerücht, Peek & Cloppenburg werde schließen. Das tauchte erstmals wenige Monate nach Eröffnung des P & C-Hauses an der Marienstraße auf – und wird seither in schöner Regelmäßigkeit von der Geschäftsleitung dementiert. Die Firma sei zwar daran interessiert, im neuen Aachener Aquis Plaza ein Niederlassung zu eröffnen, doch werde der Standort Eschweiler, der wirtschaftlich gesund sei, davon nicht berührt. Dennoch: „Wenn immer wieder gemunkelt wird, dass Eschweiler diesen Anziehungspunkt verliere, schafft das Unsicherheiten und hält das manchen davon ab, sich überhaupt hier niederzulassen“, klagt Bartholomy, der übrigens am Montag seinen 70. Geburtstag feiert. Am meisten würde es ihn dann sicherlich freuen, wenn Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde ihn mit der Mitteilung beschenkte: Hertie ist verkauft!

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