Einzelhandel: Immer noch hapert’s an junger Mode

Von: Patrick Nowicki
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Der Publikumsmagnet im Hintergrund: Eschweilers Einzelhandel profitieert nach wie vor von P&C. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Wo drückt der Schuh im Einzelhandel, wo bestehen Potenziale, welche Geschäfte versprechen Erfolg? Fragen wie diese beantwortet das neue Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Eschweiler, das nun in einem ersten Entwurf vorliegt.

Die deutschlandweit agierende Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) deckt darin bekannte Probleme auf, fördert allerdings auch optimistisch Stimmendes zutage: Eschweiler als Einkaufsstadt hat Zukunft, auch weil in umliegenden Städten Geschäfte wegbrechen. Im Folgenden gehen wir den wichtigsten Fragen zum Einzelhandels- und Zentrenkonzept nach.

Welche Bedeutung hat das Konzept für die Entwicklung der Stadt Eschweiler?

Für den Rat und die Stadtverwaltung dient das Konzept als Richtschnur für die zukünftige Entwicklung der Stadt. So hat es durchaus rechtliche Verbindlichkeit, wenn neue Bebauungspläne aufgestellt werden und zum Beispiel das Sortiment einer geplanten Ansiedlung eingeschränkt werden soll. Das letzte Konzept stammt aus dem Jahr 2008. Das „Städteregionale Einzelhandelskonzept“ (Strikt) berücksichtigt noch nicht den Leerstand der Hertie-Immobilie und die beiden Marktzentren an Langwahn und Auerbachstraße. Durch einen Ratsbeschluss kann das Einzelhandelskonzept in ein städtebauliches Entwicklungskonzept fließen. Somit ist es entscheidend für die Zentren- und Standortstruktur, wo also bestimmte Geschäfte gebaut werden und welche Waren sie anbieten dürfen.

Welchen Vorteil zieht die Stadt aus dem Konzept?

An den Zahlen lässt sich erkennen, welcher Bedarf im Einzelhandel nicht ausreichend gedeckt ist. Dies hilft bei der Stadtplanung. Allerdings können sie auch als Anreiz für Investoren gelten. Ein vom Rat beschlossenes Konzept gibt zudem Planungssicherheit.

Gibt es Parallelen zum letzten Einzelhandelskonzept vor sieben Jahren?

Mancher Aspekt in der Expertise kommt in der Tat bekannt vor: Die GMA beschreibt eine „quantitativ unterdurchschnittliche Verkaufsflächenausstattung“ für die Sparte Bekleidung, Schuhe und Sport. Zum einen empfiehlt sie, das bestehende Angebot in der Innenstadt zu stärken, zum anderen soll vor allem der Bereich „junge Mode“ ausgebaut werden. Ein Unterfangen, das nicht einfach umzusetzen ist, wie der Vorsitzende des Citymanagement-Vereins, Klaus-Dieter Bartholomy, bestätigt: „Der Standort Eschweiler ist für manche Firmen nicht attraktiv genug.“ Dennoch will man weiter daran arbeiten, dass in der unmittelbaren Innenstadt Einheiten zusammengelegt werden und dadurch attraktivere und größere Ladenflächen entstehen. Meist scheitert dies an den unterschiedlichen Besitzern der Häuser.

Ist die Zeit der kleinen Geschäfte vorbei?

In dieser Hinsicht schwimmt Eschweiler als Einkaufsstadt im bundesweiten Trend. Die GMA legte die Zahlen des Jahres 2014 zugrunde und vergleicht sie mit denen des letzten Gutachtens aus dem Jahr 2008. Deutlich erkennbar ist der Trend zu größeren Betrieben. Nahm die Zahl der Unternehmen im Handel ab, so stieg die Summe der Verkaufsflächen um zehn Prozent. Dies wird in Eschweiler auch dadurch begünstigt, dass zum einen der Magnetbetrieb (Hertie) im City-Center wegbrach, allerdings die Marktzentren an Langwahn und Auerbachstraße in diesem Zeitraum eröffneten. Das Konzept macht jedoch auch deutlich, dass die Innenstadt von P&C abhängt, einem „attraktiven Bekleidungskaufhaus mit überörtlicher Ausstrahlung“.

Wie steht der Eschweiler Einzelhandel im Vergleich zum Umland und zur Online-Konkurrenz da?

Dass sich im Einzelhandel in Eschweiler durchaus Geld verdienen lässt, unterstreicht das Gutachten. Der Umsatz umfasst nach Berechnungen der GMA in diesem Jahr etwa 296 Millionen Euro – etwa 24 Prozent des Geldes stammt von Kunden aus Langerwehe, Inden und Stolberg. Die reine Kaufkraft der Indestädter, die statistisch ermittelt wurde, beträgt rund 289 Millionen Euro. Allerdings gehen davon 63 Millionen Euro, also 22 Prozent, an Händler außerhalb Eschweilers. Vor allem der Online-Handel, aber auch das Oberzentrum Aachen profitieren nach den Kalkulationen der GMA davon.

Welche Geschäfte fehlen nach Ansicht der Gutachter in der Eschweiler Innenstadt?

Neben „junger Mode“ birgt auch der Bereich „Bücher, Schreib- und Spielwaren“ Potenziale. Die Ansiedlung eines weiteren Spielwarenanbieters sei grundsätzlich darstellbar, heißt es. In der Innenstadt macht sich die Schließung des „Kaiser‘s“ bemerkbar. Ein Lebensmittelhandel sei vor allem in der nördlichen Innenstadt wünschenswert. Eine „deutlich unterdurchschnittliche Ausstattung“ attestieren die Experten dem Bereich „Hausrat, Einrichtung, Möbel“. Die vorhandenen Geschäfte weisen zudem eine Verkaufsfläche „deutlich unterhalb moderner Möbelvollsortimenter“ auf.

Bezieht das Konzept Stellung zu City-Center und Hertie-Immobilie?

An mehreren Stellen geht die GMA auf die Leerstände ein und bringt einen Lebensmittelhandel auf dem Hertie-Gelände ins Spiel. „Die Bestandsimmobilie ist aufgrund der Fläche, des Zuschnitts, der Andienungsmöglichkeiten und der Geschossigkeit für moderne Handelsformate kaum nutzbar“, urteilt die GMA. Auf mittlerer Sicht sei ein Neubau am Standort erforderlich, heißt es weiter.

Inwieweit spielt die Nahversorgung außerhalb des Stadtkerns eine Rolle im Konzept?

Zwar steht die Innenstadt als vorrangiges Einzelhandelsgebiet im Mittelpunkt, allerdings betrachtet das Konzept auch die Nahversorgung der Außenorte und kommt zu dem Ergebnis, dass „unter rein quantitativen Geschichtspunkten eine leicht überdurchschnittliche Ausstattung bei Nahrungs- und Genussmitteln“ bestehe. Allerdings schauen kleinere Orte in die Röhre, sie „erreichen kein ausreichendes Kaufkraftpotenzial“. Dort komme alternativen Versorgungsangeboten wie Hofläden und mobile Verkaufsstellen eine besondere Bedeutung der Nahversorgung zu.

Inwieweit sind aktuelle Entwicklungen berücksichtigt?

Sowohl das „neue Zentrum Weisweiler“ als auch der geplante Bau eines neuen Obi-Marktes auf dem ehemaligen Prysmian-Gelände finden sich bereits in dem über 80 Seiten umfassenden Werk. So plant man an der Dürener Straße einen Bau- und Gartenfachmarkt mit einer Gesamtverkaufsfläche von 10300 Quadratmeter. Im Gegenzug wird der Standort Königsbenden aufgegeben. Im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss am 10. September wollen die Kommunalpolitiker die ersten Weichen für den Bau stellen. Die geplante Änderung des Bebauungsplans wird offengelegt. Die GMA begrüßt die Entwicklung und bezeichnet die Größe des Obi-Marktes am neuen Standort als „zeitgemäß“.

Wie lange hat das Konzept Gültigkeit?

Es handelt sich um ein fortzuschreibendes Konzept, dass „mittefristig (etwa fünf Jahre) einer Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung bedarf“. Bei der jetzt vorliegenden Fassung handelt es sich um einen Entwurf, der zunächst von den Ratsparteien besprochen und schließlich verabschiedet wird.

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