Eintauchen in die Musikwelt des Meisters

Von: Joachim Peters
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Präsentierten Bachs Weihnacht
Präsentierten Bachs Weihnachtsoratorium: Chor und Orchester der Städischen Musikgesellschaft. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bücklendorf

Eschweiler. „Jauchzet, frohlocket!” Die Worte des Eingangschores von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium legten sich wie ein wohltuender Klangteppich in das Kirchenschiff von St. Peter-Paul.

Das zweistündige Konzert mit Chor und Orchester der Städischen Musikgesellschaft Eschweiler führte in das Mysterium der Menschwerdung Gottes so ein, wie man es sich idealer kaum wünschen konnte. Schade, dass Eschweilers Bürgerschaft das schöne Angebot ihres ältesten Musikvereins zahlenmäßig nur halbwegs befriedigend annahm. Erwies sich der 4. Advent in sonstiger direkter zeitlicher Nähe zum Heiligen Abend oft als Publikumsmagnet, so konnten sich wohl diesmal viele - in noch einwöchiger Entfernung zum Fest - nicht vom bedauerlichen Terminstress der Vorweihnachtszeit frei machen.

Eingangschöre sind oft Seismograph für das Gelingen oder Weniger-Gelingen eines großen Konzertvorhabens, wie es die Aufführung der ersten drei Teile des Bachschen Weihnachtsoratoriums zweifellos darstellt. Dem Beobachter, der Musikgesellschaft seit über einem Dutzend Jahren mitspielend oder kommentierend verbunden, schwand gleich eingangs jede Sorge, dass sich die Mitwirkenden bei ihrer Aufgabe übernehmen würden.

Im Gegenteil: Musik-Eschweiler wurde Zeuge einer schönen, weil in vielem nun ausgereiften Darbietung des Klassikers „Weihnachtsoratorium”. Horst Berretz musste nicht wie früher einmal sein Temperament als „Steuermann” in die Waagschale werfen, damit einige schwierige Fugati in sicheren Häfen landeten. Mit seinem großen Erfahrungsschatz - er blickt auf eine 25-jährige Tätigkeit bei der „Städtischen” zurück - und einem Blick für das Verantwortbare schlug Berretz Tempi an, die in der Mitte zwischen den Extremen „überschnell” und „zu langsam” angesiedelt waren. Der Chor dankte es ihm mit einem Gesang, der keine Wünsche hinsichtlich Artikulation und Sauberkeit offenließ.

Ihm zur Seite stand ein Orchester, das für die Zukunft Anlass zu schönen Hoffnungen gibt. Erfreulich war zum einen, dass man beim Blick durch die Streicher-Reihe neben bekannten Gesichtern und den nie ganz unvermeidlichen Profi-Aushilfen dann doch einige recht junge Kräfe wahrnahm. Und eigene erfahrene Spieler übernahmen - wie die Flötistin Anna Boese - mutig anpackend und mit schönem hörbaren Erfolg eine größere Solisten-Verantwortung.

Dr. Brigitte Petrovitsch, die im Hintergrund als Leiterin der Streicher-Stimmproben eine unverzichtbare Hilfe für Orchesterchef Horst Berretz ist, erfreute mit ihrer einfühlsamen Violin-Begleitung bei der Alt-Arie „Schließe mein Herz” von Anna Fischer. Sopranistin Bettina Thülen aus den eigenen Reihen der Musikgesellschaft betörte vor allem mit dem „Engel-Gesang” des „Fürchtet Euch nicht”. Tenor Bruno Michalke und Bass Achim Hoffmann überzeugten sowohl bei der kommentierenden Erzählung des Weihnachtsgeschehens durch rezitativische Klarheit als auch bei den koloraturgeschmückten Arien. Gerhard Behrens, Kantor der benachbarten Evangelischen Kirchengemeinde, und die Cellistin Ingrid Walz teilten sich souverän und immer auf der Höhe des Geschehens den Continuo-Part.

Als weitere Instrumental-Solisten - zur Unterstützung von Gesangs-Solisten wie im kammermusikalischen „Tableau” vernehmbar - verdienten sich eine gute Note: Bernhard Neuhaus (Flöte), Bernd Schulz, Anke Grotz und Sabine Schumann (Oboe), Klaus Luft, Jonas Thelen und Timo Hanf (Trompete).

Zuhörer als Sänger

Hatten würdevolle Bläserklänge („Sonata Pian e Forte” von Giovanni Gabrieli) die Kirche St. Peter und Paul eingangs mit sakraler Feierlichkeit belegt, die die Herzen für die folgenden Bachschen Klänge bereit machte, so überführte das Finale die „Jauchzet, frohlocket”-Haltung die lange gebannt lauschenden Zuhörer in aktives Mittun. Unmerklich vertauschten sich die Rollen: Beim Gemeindelied „Nun freut Euch ihr Christen” wurden die Zuhörer Haupt-Sänger, nunmehr geführt und begleitet von Chor und Orchester am Altar.

Im nächsten Jahr steht das 150-jährige Bestehen im Mittelpunkt

Im Jahr 2011 feierten Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler Johann Sebastian Bach: vor Ostern mit einer fulminanten Aufführung der „Johannespassion”, jetzt zum 4. Advent mit einer reifen Darbietung des „Weihnachtsoratoriums” (siehe Artikel oben).

Im nächsten Jahr feiert dann die Musikgesellschaft zunächst einmal sich selbst. Und das mit vollem Recht: Die älteste existierende Musikvereinigung der Indestadt wird nämlich 150 Jahre alt.

Ein Festakt am 12. Mai in der Festhalle Weisweiler trägt der Bedeutung der „Städtischen” im sozialen Leben Eschweilers Rechnung. „Wir werden befreundete Chöre in unser Jubiläumskonzert einbeziehen”, so Dirigent Horst Berretz bei der Weihnachtsfeier im Kulturzentrum Talbahnhof.

Zum Programm-Ablauf dieses Festes sowie des nächstjährigen Weihnachtskonzertes ließ der musikalische Leiter noch nichts nach draußen vordringen. Traditionell geht Berretz in der Zeit der nun folgenden dreiwöchigen Probenpause „in Klausur” und tüftelt aus verschiedenen schon vorhandenen Ideen das neue Jahresprogramm mit vielen Noten in seinem stillen Kämmerlein aus.

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