Einmaleins der Pflege und der Umgang miteinander

Von: ran
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Lernen bei der Low-tec gGmbH neben dem Einmaleins der Pflege auch den Umgang mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kulturen: die Teilnehmer des Grundkurses „kultursensible Pflege“. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Demografischer Wandel“ heißt übersetzt, die Menschen werden älter, benötigen aber im hohen Alter häufig Pflege. Beruflichen Tätigkeiten im Pflegebereich gehört also die Zukunft. Doch nicht jeder ist der großen Verantwortung sowie den hohen psychischen und physischen Belastungen, die diese Berufswahl mit sich bringt, gewachsen. 18 Personen starteten nun im Rahmen des Programms „Xenos – Integration und Vielfalt“ bei der Low-tec gGmbH in einen halbjährigen Grundkurs „kultursensible Pflege“.

Dabei steht nicht nur das Einmaleins der Pflege, sondern auch der Umgang mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kulturen im Vordergrund. Teil des Projekts, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie durch den Europäischen Sozialfonds gefördert wird, sind zwei Praktika, für die sich die Kursteilnehmer, etwa mit individuellen Flyern, offensiv bewerben.

Bewerber mit zwei Kulturen

„Eines der Ziele dieses Grundkurses ist, auch Menschen mit Migrationshintergrund für Pflegeberufe zu sensibilisieren“, erklärt Peter Brendel, Geschäftsführer der Low-tec gGmbh. Annette Groneberg, Leiterin der Abteilung Gesellschaftliche Projekte, ergänzt: „Es wäre fahrlässig, das Potenzial, das Menschen mit Migrationshintergrund mitbringen, nicht zu nutzen. Schließlich kennen sich auch zahlreiche unserer Bewerber mit zwei Kulturen aus.“

Neben dem Bewerbungstraining mit Marlies Janhsen stehen für die 18 Kursteilnehmer bei der pädagogischen Mitarbeiterin Anna Zeien sowie Fachanleiterin Claudia Schimmank also Pflege in Theorie und Praxis sowie Unterricht in den Besonderheiten unterschiedlicher Kulturen auf dem Stundenplan. Ergänzt wird der Unterricht von Exkursionen, etwa dem Besuch des buddhistischen Zentrums an der Dürener Straße, für die Diplom-Sozialpädagogin Anahid Younessi verantwortlich zeichnet.

Am Ende des Grundkurses wollen die Kursteilnehmer sowohl den Pflegediensthelferschein als auch den Alltagsbetreuerschein nach §87b in der Tasche haben. „Dabei handelt es sich um zertifizierte Abschlüsse, schließlich ist als Projektziel die Vermittlung in Ausbildung und Beruf festgelegt“, so Annette Groneberg.

Darauf hofft auch Kursteilnehmerin Melissa Ferreira da Silva. Die 23-jährige Portugiesin wohnt in Weisweiler und hat eine Ausbildung zur Frisörin abgeschlossen. Auf die Idee, sich beruflich in Richtung Pflege zu bewegen, brachte sie ihre Mutter, die im vergangenen Jahr ebenfalls eine Umschulung zur Pflegehelferin absolvierte. „Ich bin einige Male mit ihr zu Patienten gefahren und bekam so einen Einblick“, berichtet sie.

„Dabei habe ich erlebt, wie viel Freude man schenken kann und wie viel Dankbarkeit man zurückbekommt, wenn man sich um die nicht selten einsamen Menschen kümmert.“ Und so hat Melissa Ferreira da Silva eine Entscheidung getroffen: „Ich möchte alten Menschen helfen und sie so behandeln, wie ich selbst später behandelt werden möchte.“

Der 27-jährige Marcel Reimer, der seit eineinhalb Jahren in Eschweiler lebt, strebt mit der Ausbildung zum Altenpfleger einen kompletten Neustart an. „Wenn man die Augen offen hält, begegnet man auch im Alltag hilfsbedürftigen Menschen. Diesen über die Straße zu helfen oder ihnen die Tasche zu tragen, zaubert ihnen ein Lachen ins Gesicht. Und dieses Lachen bereitet dem Helfer Freude.“

Dabei ist Marcel Reimer bewusst, dass die Pflege von Menschen in vielerlei Hinsicht anstrengend ist. „Ich bin aber überzeugt, dass die schönen Erlebnisse dies aufwiegen werden“, hofft Marcel Reimer, über die Praktika einen Ausbildungsplatz zu erhalten.

Bereits berufliche Erfahrung weist Zina Kettner auf, die in ihrer tunesischen Heimat in der Pflege tätig war. „Leider wird diese Erfahrung in Deutschland nicht anerkannt“, erklärt die 41-jährige. Seit 2005 in Deutschland, ist sie nun sehr froh, im Grundkurs „kultursensible Pflege“ ihrem Wunschberuf näherzukommen. „Mein Motto lautet: Hand in Hand bringen krank und gesund die Hoffnung und die Liebe für das Leben auf die Welt“, wünscht sie sich, dass sich ihr Türen öffnen.

Denn „wer will, der kann auch“, so Zina Kettner. Als mit 47 Jahren älteste Kursteilnehmerin hat Karola Seidel sich das Ziel gesetzt, „Frauen in meinem Alter Mut zu machen, noch einmal etwas Neues zu beginnen“. Ebenso ist sie prädestiniert, mit ihrer Lebenserfahrung die übrigen Kursteilnehmer zu unterstützen.

„Ich habe mich wegen persönlicher Kontakte mit Menschen, die unter Demenz oder Parkinson litten, für die Pflege entschieden“, macht sie deutlich. „Mein Ziel ist es, mich später als Demenzbegleiterin in einem Pflegeheim oder Krankenhaus um erkrankte Menschen zu kümmern.“

Caroline Luzolo stammt aus dem Kongo und lebt seit 1998 in der Bundesrepublik Deutschland. „Ich weiß, wie einsam sich manche Menschen in einem fremden Land fühlen. Für Menschen ausländischer Herkunft ist das Älterwerden besonders schwierig. Ihnen möchte ich helfen, wobei mir meine deutschen, französischen und portugiesischen Sprachkenntnisse neben kongolesischen Dialekten zu Gute kommen werden“, betont die 30-jährige Wahl-Stolbergerin.

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