Eschweiler - Eine „Sprachmittlerin“ verstärkt das Awo-Team

Eine „Sprachmittlerin“ verstärkt das Awo-Team

Von: ran
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Vielsprachig: Flyer, unter anderem in arabisch und persisch, ergänzen das Angebot der AWO-Beratungsstelle für Sexualität, Schwangerschaft und Familienplanung. Seit Anfang Mai verstärkt darüber hinaus Sprachmittlerin Ronida Ismaijl das Beratungsteam um die Diplom-Sozialpädagoginnen Brigitte Hermanns-Spilles und Maria Küpper. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Einen Weg finden“ in nicht selten ausweglos erscheinenden Situationen lautet das Bestreben der Verantwortlichen der Awo-Beratungsstelle für Sexualität, Schwangerschaft und Familienplanung, deren Angebot sich an Einzelpersonen, Paare, Familien und Gruppen richtet, und zwar selbstverständlich unabhängig von ethnischer Herkunft, Nationalität, Weltanschauung, Geschlecht, Alter oder sexueller Orientierung.

Grundlage des auf Wertschätzung gegenüber den Klienten angelegten ganzheitlichen Beratungsansatzes, nicht zuletzt bei der Schwangerschaftskonfliktberatung, ist das offene und von Vertrauen geprägte Gespräch. Ein solches kann jedoch nur erfolgen, wenn sich die Gesprächspartner im wahrsten Sinne des Wortes verstehen. Eine Voraussetzung, die seit dem vermehrten Zuzug von Flüchtlingen nicht mehr grundsätzlich gegeben ist.

„In den Jahren 2015 und 2016 kamen vermehrt Flüchtlingsfrauen in die Konfliktberatung. Obwohl die Dolmetscherkosten auch schon damals refinanziert werden konnten, erwies sich die praktische Umsetzung vor allem wegen der Kurzfristigkeit der Termine als sehr schwierig. So mussten wir auf die häufig unbefriedigende Lösung mit selbstgewählten Dolmetschern zurückgreifen“, blickt Diplom-Sozialpädagogin Brigitte Hermanns-Spilles zurück, die gemeinsam mit Diplom-Sozialpädagogin Maria Küpper das Leitungsteam der Awo-Beratungsstelle bildet.

Eine Situation, die inzwischen zum Glück der Vergangenheit angehört: Seit Mai ergänzt und verstärkt nämlich mit Ronida Ismaijl eine „Sprachmittlerin“ die Awo-Mannschaft. „Wir haben Landesmittel beantragt, die für ein Jahr bewilligt wurden“, erklärt Maria Küpper. Geld, das dringend benötigt wird. „Rund ein Drittel unserer insgesamt 637 Klienten des Jahres 2016, denen 864 Beratungen zuteil wurden, verfügt über eine andere Staatsangehörigkeit als die deutsche. 50 Prozent davon benötigen einen Sprachmittler“, nennt Brigitte Hermanns-Spilles Zahlen. „Bedarf ist also mehr als genug vorhanden“, hat Ronida Ismaijl, die an der RWTH Aachen Politikwissenschaften studiert und auf die Stellenausschreibung der Awo im Internet stieß, in den zurückliegenden Wochen schnell festgestellt.

„Oberste Priorität in den Gesprächen ist es, den Frauen und Paaren, die mir gegenübersitzen, Sicherheit zu geben“, betont die kurdischstämmige Deutsche, die je nach Terminabsprache ein bis zwei Tage pro Woche, meistens dienstags und mittwochs, vor Ort in der Beratungsstelle Grabenstraße ist. Ein Ziel, das Ronida Ismaijl offenbar schon wenige Wochen nach Aufnahme ihrer Tätigkeit häufig erreicht. „Die ratsuchenden Frauen sind ihr gegenüber meist sehr aufgeschlossen. Und die vorhandene Vertrauensbasis führt dazu, dass sich die Frauen viel offensiver trauen, über ihre Sorgen, Ängste und Probleme zu sprechen“, bestätigen Maria Küpper und Brigitte Hermanns-Spieles übereinstimmend.

Von unschätzbarem Wert, so die beiden Diplom-Sozialpädagoginnen, sei darüber hinaus die nicht zuletzt auf Grund der räumlichen Nähe äußerst enge Zusammenarbeit mit der Migrationsberatung der Arbeiterwohlfahrt in der Gutenbergstraße in Eschweiler-West. „Generell ist es für uns unabdingbar, Netzwerke mit anderen Beratungsstellen und Institutionen zu knüpfen“, so Brigitte Hermanns-Spilles. Dabei gelte es auch, Hilfestellungen bei unter anderem Behördengängen oder auch Arztbesuchen zu geben. Das Projekt „Sprachmittler“ ist zunächst bis Ende des Jahres befristet. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht genau abzusehen.

Doch unabhängig davon möchten Maria Küpper, Brigitte Hermanns-Spilles und Ronida Ismaijl in den kommenden Monaten noch die eine oder andere Idee umsetzen. „Wir haben vor, einen Informationsabend zu organisieren, und hoffen, dafür eine arabisch sprechende Frauenärztin gewinnen zu können“, nennt die Sprachmittlerin eines der Vorhaben.

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