Eine Schule am Himalaya wird die neue Heimat von Gabriele Eisener

Von: Rudolf Müller
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Fast fertig: das Karmapa Center of Education im indischen Kalimpong. Die Schule, die buddhistische Traditionen mit moderner Schulbildung verbindet, ist die neue Heimat der Eschweiler Physiotherapeutin Gabriele Eisner, die sich hier ehrenamtlich engagiert. Foto: Karmapa International Buddhist Institute
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Freut sich auf ihr neues Leben am Fuß des Himalayas: Gabriele Eisener. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Siebeneinhalb Stunden dauert der Flug von Frankfurt nach Delhi. Weitere zweieinhalb der Anschlussflug in den Norden Indiens, nach Bagdogra. Von dort ist es noch eine einstündige Taxifahrt – dann ist Gabriele Eisener zu Hause.

In ihrem neuen Zuhause. Kalimpong in Westbengalen. Eine Stadt von rund 50.000 Einwohnern im indischen Bundesstaat Westbengalen, auf 1247 Meter Höhe, nicht weit von Darjeeling, der weltbekannten Tee-Hauptstadt. Und umgeben von Nationalparks. Die Grenzen zu Bhutan im Osten und Nepal im Westen sind zum Greifen nah. Der Himalaya ebenso.

Noch ist Gabriele Eisener in Eschweiler zu Hause. Hier lebt sie seit 1964, seit sie mit ihren Eltern aus Bad Lippspringe hierher in die Waldsiedlung zog. Seit 1999 ist sie als Physiotherapeutin im St.-Antonius-Hospital tätig. Dass sie dem nun den Rücken kehrt, hat nichts damit zu tun, dass sie seit fast zehn Jahren Buddhistin ist, was in einem katholischen Krankenhaus durchaus zu Problemen führen könnte. Im Hospital hat sie sich immer wohlgefühlt, hat dort viele Freunde und verständnisvolle Kollegen gefunden. Dass sie geht, hat den einfachen Grund, dass Gabriele Eisener das Rentenalter erreicht hat. Auch wenn man das der fröhlichen, dynamischen Frau nicht ansieht.

2008 entdeckte Gabriele Eisener auf der Suche nach einem neuen, spirituellen Weg den Buddhismus für sich. Ein Praktikant im Hospital nahm sie mit ins Aachener Diamantweg-Meditationszentrum. „Da habe ich mich sofort zu Hause gefühlt.“ 2009 begann sie, Indien für sich zu entdecken. Auf touristische Reisen nach Indien und Nepal folgten Meditationsaufenthalte in Delhi. 2013 nahm sie acht Monate unbezahlten Urlaub, besuchte heilige Stätten in Nepal, nahm an einem mehrmonatigen Kurs in buddhistischer Philosophie teil und lernte die Grundlagen der tibetischen Sprache.

Damals lernte sie auch Kalimpong kennen, von dem sie zuvor bei einem Besuch in Spanien gehört hatte. Dort hatte sie die deutsche Projektleiterin für den Bau eines Schulzentrums in der westbengalischen Stadt getroffen, die damals noch Spenden für den Bau sammelte und Gabriele Eisener einlud, mitzuarbeiten. Ein Traum für die Indestädterin. Einer, den sie nun, mit Eintritt der Rente, verwirklicht.

Alternative Lehrmethoden

Ab September wird sie am Karmapa Center of Education in Kalimpong arbeiten, für medizinische und organisatorische Belange zuständig sein. Und dafür, übers Internet Patenschaften zu pflegen und Spender zu finden. Für eine Schule, die ab September zunächst 20 Kindern aus dem gesamten Himalaya-Gebiet, Darjeeling, Sikkim, Nepal, Bhutan etc., deren Eltern sich Schulgeld nicht leisten können, neben buddhistischen Traditionen eine moderne Schulbildung vermittelt. Mit staatlich anerkannten Abschlüssen unter Einbindung alternativer Lehrmethoden und Gastlehrern aus aller Welt. Jeweils 20 weitere Kinder kommen in den nächsten Jahren dazu.

Wohnen wird Gabriele Eisener in der Schule. In einfachsten Verhältnissen, wie sie sagt; „Ein Tisch, ein Stuhl, ein Schrank, ein Bett – mehr brauche ich nicht. Immer, wenn ich aus Indien in meine Wohnung zurückgekommen bin, habe ich mich gefragt: Was soll ich mit dem ganzen Kram?!“ Und folgerichtig ist es nicht nur die unglaubliche Armut der Menschen in vielen Teilen Indiens, die sie rührt. „Ich bin immer geschockt, wenn ich aus Indien zurückkomme, erlebe den immensen Reichtum der Menschen hier und sehe, dass sie trotzdem unglücklich sind.“

Viel ist es nicht, was Gabriele Eisener mitnimmt, wenn sie im September ins Flugzeug steigt. „Etwas Kleidung, ein paar Hygiene- und Pflegeartikel. Und natürlich mein Laptop, um Kontakt zu Familie und Freunden zu halten. Ich habe in Delhi immer eine Kiste stehen, da ist alles drin, was ich so brauche.“

Ihre Freunde, sagt sie, akzeptieren ihre Entscheidung, ihren Lebensmittelpunkt an den Rand des Himalaya zu verlagern. „Viele beneiden mich, viele sind etwas traurig, und die meisten sagen: Mensch, hast du Mut!“ Ihr Vater lebt in der Pfalz. „Ihm fällt das nicht leicht, aber er lässt mich gehen.“ Ihre Halbschwester lebt in Alsdorf. „Der fällt die Trennung nicht so leicht.“

Sie selbst geht die entscheidendste Reise ihres Lebens voller Tatendrang und Optimismus an. „Ich tauche da nicht in ein Nichts ein. Ich kenne Indien, kenne die Menschen, komme da gut zurecht.“ Ihren Lebensunterhalt will sie durch ihre Rente und Erspartes bestreiten – ihre Tätigkeit am Karmapa Education Center ist rein ehrenamtlich. „Ich finde es gut, das Geld da auszugeben, wo Arme es brauchen.“

Arbeitserlaubnis für Indien

Zurzeit wartet sie auf ihre Arbeitserlaubnis für Indien. Und gibt am kommenden Dienstag, 19 Uhr, einen Kurs im Mantra-Singen im Seminar- und Gesundheitszentrum Lebensraum an der Talstraße 42. Anmelden kann man sich unter Telefon 8096650 oder 0174/ 3737527.

Ab September wartet dann eine Fülle neuer Eindrücke und Erfahrungen auf die Physiotherapeutin. Was sie vermissen wird? „Mein Hobby: Motorradfahren. Da ist Linksverkehr und ein ständiges Gewusel von Fußgängern, Rikschas, Mopeds, Autos, Bussen – Chaos pur. Das ist mir viel zu gefährlich.“

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