Eine innige Beziehung zum Blausteinsee

Von: Tobias Röber
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Von Kraftwerk und Tagebau hat Hans Johnen gelebt, der Blausteinsee ist das zweite Zuhause des Ur-Dürwissers. Foto: Tobias Röber
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Problem Wasservögel: Mit Uneinsichtigen, die Gänse & Co. füttern, hat Hans Johnen auch immer wieder Ärger.

Eschweiler-Dürwiß. Es gibt so einige Namen, die in einem Atemzug mit dem Blausteinsee genannt werden, ja, genannt werden müssen. Erich Berschkeit zum Beispiel, ehemaliger Bürgermeister der Indestadt, der das Projekt Blausteinsee vorangetrieben hat. Und nicht zuletzt Hans Johnen. „Seesheriff“ nennen ihn die einen, die „gute Seele des Sees“, sagt er über sich selbst. Es gibt kaum einen zweiten, der sich, seitdem der erste Tropfen Wasser eingelassen wurde, so sehr am See engagiert hat.

Wir haben den 73-jährigen Ur-Dürwisser dort getroffen, wo er in den vergangenen 17 Jahren unzählige Stunden verbracht hat: klar, am Blausteinsee.

Herr Johnen, wie viele Tage waren Sie in den vergangenen Jahren nicht am See?

Johnen (lacht): Ich habe im Juni 1996 begonnen, mich am See zu engagieren. Die ersten zwölf Jahre war ich zehn bis zwölf Stunden am See, jeden Tag, egal ob Sommer oder Winter. Außer natürlich in den zwei Wochen Urlaub, die ich jedes Jahr mache. Seit zwei Jahren habe ich es etwas eingeschränkt. Seitdem fahre ich jeden Tag zwischen 7.30 und 8 Uhr zum See und bin bis 14 Uhr vor Ort. Sonntags bin ich nicht mehr hier. Pro Jahr bin ich sicher rund 300 Tage am See. Übrigens finde ich es schade, dass die Dürwisser den See nicht so sehr annehmen. Die meisten Besucher kommen von außerhalb. Das verstehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht und finde es sehr schade.

Wie kam es dazu, dass Sie sich so intensiv hier engagieren?

Johnen: Ich habe 34 Jahre im Tagebau gearbeitet. Ich habe hier mein Geld verdient, hier wurde ich Rentner. Mit dem Blausteinsee wurde etwas Tolles geschaffen. Wir alle müssen sehen, dass wir das aufrechterhalten. Nach meiner Pensionierung habe ich begonnen, Georg Wolf hier zu unterstützen, der die Wege am See sauber hielt. Er brauchte Unterstützung. Anfangs habe ich einfach so geholfen, weil es mir Spaß machte. Irgendwann habe ich Claus-Dieter Härchen (ehemaliger Stadtdirektor, d. Red.) angesprochen und um einen Ausweis gebeten.

Warum war ein Ausweis nötig?

Johnen: Ich wurde damals von einem Reiter angepöbelt, als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass er bitte auf dem Weg für Reiter bleiben solle. Er fragte, was ich denn zu sagen habe. Claus-Dieter Härchen sagte damals: „Wenn Sie die Courage haben, dann bekommen Sie einen Ausweis.“ Er hat mich dann an Dieter Kamp weitergeleitet, kurze Zeit später hatte ich einen Ausweis. Seit dem Jahr 2000 bin ich ja auch bei der Blausteinsee GmbH angestellt.

Hören die Seebesucher denn eher auf Sie, wenn Sie einen Ausweis vorzeigen?

Johnen: Es ist oft schwierig. Viele Leute missachten die Regeln, füttern etwa weiter die Wasservögel, obwohl das schon viel besser geworden ist. An manchen Tagen wird wild geparkt. Es gibt Tage, da steht der komplette Kreisverkehr oben am See voller Autos. Wenn man die Leute dann anspricht, dass dort Halteverbot ist, reagieren sie meistens gar nicht. Sie glauben ja nicht, was ich mir schon alles anhören musste. Einmal ging es sogar fast bis vor Gericht.

Wie kam es dazu?

Johnen: Ich war am Blausteinsee unterwegs und traf eine Reiterin, die nicht auf dem Weg für Reiter unterwegs war. Ich habe sie darauf aufmerksam gemacht. Es kam zum Streit. Sie drohte mir, und dann habe ich den Fehler gemacht, dass ich sie leicht berührt habe. Daraufhin hat sie mich angezeigt. Die Anzeige wurde später aber zurückgezogen. Es gibt immer wieder Leute, mit denen man hier aneinander gerät.

Zum Beispiel?

Johnen: Eine Frau kam damals mit dem Auto zum See und parkte direkt unten am Kreisel. Ich habe ihr gesagt, dass dort absolutes Halteverbot ist. Sie hat nur mit „Na und?“ geantwortet. Als sie nach 20 Minuten mit ihrem Hund zurückkam, habe ich mir ihr Kennzeichen notiert. Sie fragte mich, was ich mache. Als ich ihr sagte, dass ich sie anzeige, sagte sie zu mir: „Dann zeige ich Sie auch an!“ „Warum?“, habe ich gefragt. „Wegen sexueller Belästigung“, sagte sie. Glücklicherweise hatte ich einen Zeugen, der die Szene beobachtet hat.

Gibt es denn auch schon mal schöne Erlebnisse?

Johnen: Selten. Meistens hat man Ärger mit den Leuten.

Warum tun Sie sich das denn überhaupt an?

Johnen: Ich mache das gerne, und ich kann mich von dem See einfach nicht trennen. Ich habe den See von Anfang an begleitet. Ich habe unter anderem die Mülltonnen geleert, Bänke aufgestellte, Rohre eingelassen, die Reitwege von Steinen befreit und Findlinge für die Parkplätze besorgt.

Leider gibt es einige Unverbesserliche, die am See Müll und Vandalismusschäden hinterlassen...

Johnen: Hier wird viel Unfug betrieben und leider auch immer wieder einiges beschädigt. Ich habe schon ab und an überlegt, ob ich nicht alles hinschmeißen soll, und auch meine Frau hat mich schon gefragt, warum ich das hier noch mache. Aber am See muss einfach was getan werden, vor allem darf er nicht vermüllen. Wir haben hier etwas Tolles geschaffen, und das müssen wir aufrechterhalten. Zum Thema Müll möchte ich noch eines sagen. Die Liegewiese ist oft voller Müll. Aber den macht nicht immer die Jugend, dagegen wehre ich mich. Es gibt Tage, da hebe ich 30 bis 40 Pampers auf.

Apropos erschaffen. Sie loben in diesem Zusammenhang immer Erich Berschkeit.

Johnen: Ich bin stolz darauf, was er hier erschaffen hat. Und deswegen habe ich auch vor ein paar Jahren vorgeschlagen, eine Straße nach ihm zu benennen. Inzwischen habe ich vorgeschlagen, den Platz am See nach ihm zu benennen. Warum kann er nicht Erich-Berschkeit-Platz heißen, statt Plaza? Das hätte er auf jeden Fall verdient.

Was muss am See noch verbessert werden?

Johnen: Ich spreche viel mit den Besuchern. Das größte Problem ist nach wie vor, dass die Taucher keine eigenen Toiletten in der Nähe der Tauchbasis haben. Es geht kein Taucher vom Ein- und Ausstieg bis zu den Toiletten.

Sie sprechen die Taucher an. Früher kamen wesentlich mehr hierher...

Johnen: Ja, das sehe ich anhand der Buchführung. Ich habe an einem 3. Oktober vor etlichen Jahren mal 85 Tageskarten verkauft. Es gab Tage am Wochenende, da standen hier 300 bis 400 Autos auf der Wiese direkt am See, als das noch möglich war. Ein Argument war immer wieder der fehlende Parkplatz. Jetzt haben wir einen und dennoch kam die Tage schon ein Taucher, der über diesen Platz gemeckert hat. Manchen kann man es eben nicht Recht machen. Dabei sollten wir zufrieden sein. So langsam wird es hier doch. Schlechte Nachrichten werden über das Internet dann auch schnell verbreitet. Das hält sicher auch den einen oder anderen Taucher ab.

Der eine oder andere Taucher bemängelt die Sicht unter Wasser, die schlechter geworden ist.

Johnen: Ich habe die Tage noch mit Tauchern gesprochen, die mir versichert haben, dass die Sicht derzeit sehr gut ist. Zehn bis 15 Meter weit kann man sehen.

Wie lange bleiben Sie dem See noch erhalten.

Johnen: Ich will raus und unter Leute. Ich kann einfach nicht abschalten. Und ein bisschen Action muss ich einfach immer haben. Der See hält mich jung, ehrlich! Dennoch muss sich die GmbH natürlich auch langsam mal Gedanken über Nachfolger machen. Mich würde es einfach nur freuen, wenn jeder hier ein bisschen mitmachen würde.

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