Eine Einkaufstüte als Erinnerung ans Fußball-Spektakel

Von: Sonja Essers
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Wie das Spiel am heutigen Abend ausgeht, kann Hassan Sedrati (rechts) nicht sagen. Jedoch ist sich der Familienvater sicher, dass es Deutschland bis ins Finale schaffen wird. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Wird Algerien Weltmeister? Als ihm diese Frage gestellt wird, lacht Hassan Sedrati laut. „Also das glaube ich nun wirklich nicht“, sagt er und fügt hinzu: „Für uns ist mit dem Einzug ins Achtelfinale schon ein Traum wahr geworden.“

Vor 17 Jahren kam Hassan Sedrati aus seinem Heimatland Algerien nach Deutschland. Seit 2005 lebt er in der Indestadt. Noch in der vergangenen Woche war der Familienvater in seinem Heimatland und hat dort gesehen, wie fußballbegeistert seine Landsmänner sind. Dort gebe es sogar Einkaufstüten, auf denen die brasilianische und die algerische Fahne zu sehen seien, sagt er und holt ein Exemplar hervor.

„Das musste ich unbedingt mitbringen.“ Stolz zeigt er ein Video auf dem ein Feuerwerk zu sehen ist. „Das war beim Spiel gegen Russland. Als das Tor für uns fiel, ging das Feuerwerk los.“ Er lacht erneut und sagt: „Da wussten wir ja noch nicht einmal, dass wir im Achtelfinale sind.“ Zwei Tage lang habe man dort gefeiert. Geschlafen habe er in dieser Zeit kaum.

Doch wie schätzt der Familienvater die Chancen seines Teams beim Spiel am Montagabend ein? Er sei sehr unsicher, verrät er und ergänzt: „Algerien könnte 2:1 gewinnen. Das wäre dann aber wirklich Glück. Es kann auch sein, dass Deutschland mit 5:0 gewinnt.“ Die Deutschen seien schließlich sehr stark, meint er, und außerdem sei diese Weltmeisterschaft voller Überraschungen. „Es hätte doch auch niemand damit gerechnet, dass Spanien rausfliegt“, sagt er. Auf ein festes Ergebnis möchte der 48-Jährige sich allerdings nicht festlegen.

Jedoch ist er sich sicher, dass die Nordafrikaner kämpfen werden und erinnert an die Weltmeisterschaft 1982. Damals setzte sich Algerien in der Vorrunde mit 2:1 gegen Deutschland durch. Als „Schande von Gijón“ ging die Partie der Deutschen gegen Österreich, in der das deutsche Team zwar 1:0 gewann, anschließend aber kaum mehr Angriffsbemühungen zeigte und Algerien somit aus dem Turnier flog, in die Fußballgeschichte ein. „Es könnte gut sein, dass das Team sich am Montagabend dafür revanchiert“, meint Sedrati lachend.

Die Partie am Montagabend schaut der Indestädter gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter. Darauf freut er sich bereits sehr, auch wenn das nicht ganz so einfach werde. „Meine Frau ist Deutsche, das wird also ein harter Kampf“, scherzt er.

Falls Algerien gewinnen sollte, will der 48-Jährige hupend durch die Indestadt fahren. „Das habe ich bei einem Spiel bereits gemacht, aber in Aachen. Das war einfach unbeschreiblich. Alle haben mit uns zusammen gefeiert“, erinnert er sich. Über einen Sieg der deutschen Elf würde er sich jedoch genauso freuen. Schließlich hat der Indestädter nicht nur seinen Elektro-Laden mit Fahnen sämtlicher Nationen dekoriert, sondern ein seinem Haus auch zwei Fahnen angebracht: die algerische und die deutsche.

„Die algerische Fahne ist mir aber leider runtergerissen worden“, sagt der Indestädter und fügt mit einem Kopfschütteln hinzu: „Ich verstehe das nicht. Das ist doch nur Fußball und kein Krieg.“

Nicht nur den Teams aus Algerien und Deutschland drückt der Familienvater bei der Weltmeisterschaft die Daumen. Er sei auch ein großer Fan der Franzosen. Schließlich habe dort viele Jahre lang sein Lieblingsspieler gespielt: Zinedin Zidan. Dass es das französische Team jedoch bis in das Finale schafft, glaubt er nicht. „Weltmeister werden entweder die Deutschen oder die Holländer“, ist er sich sicher.

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