Einbruch bei St. Jöris: Nicht einmal Leergut darf im Gebäude bleiben

Von: Thomas Vogel
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Rudolf Bittins kann sich den Traktor nur noch auf einem Foto ansehen. Er wurde aus einer Garage am Vereinsheim gestohlen. Im Hintergrund sind die Hebelspuren am Garagentor erkennbar. Foto: Thomas Vogel

Eschweiler. Das erste Wort, das Bittins denkt und spricht, soll an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Jeder wird wissen was es war, wenn er die Nachricht kennt, die der Schwager Bittins am Telefon mitteilt: „Die haben in der Nacht die alte Garage aufgebrochen. Der Traktor ist weg.“

 Mit dem Gerät der Marke John Deere hat der Fußballverein in St. Jöris seinen Rasenplatz gemäht. 4000 Euro hat der Deere gekostet. Jetzt ist er bei Dieben oder sogar schon weiterverkauft.

Rudolf Bittins ist seit 24 Jahren 1. Vorsitzender des SV 1919 St. Jöris. In dieser Zeit hat er viele Einbrüche in Vereinseigentum miterleben müssen. Langsam hat er die Nase voll. Vor drei Monaten ist in der alten Garage schon einmal jemand drin gewesen. „Hat sich wohl umgeschaut, was es zu klauen gibt“, vermutet er. Da war der John Deere aber noch nicht da, stattdessen ein 50 Jahre alter Schlepper.

Keine Wertsachen

Könnte sein, dass die Diebe den abholten wollten, meint Bittins. Vielleicht. Oder es waren kurzentschlossene Langfinger. „Das Garagentor haben sie mit einer Stange aufgehebelt, die sie auf der Nachbarwiese gefunden haben. Klingt für mich nicht nach Profis.“ Jedenfalls standen sie dann zufällig vor dem neueren Fahrzeug. Das war dort geparkt, weil langsam die Mähsaison beginnt.

Falsche Taktik – das weiß jetzt auch der Vorsitzende der Fußballer in St. Jöris. „Hier kannst du nichts drinlassen“, sagt er resigniert. Im neuen Vereinsheim, gebaut 2008, werden schon lange keine Sachen mehr gelagert, die von Wert sind. Auf Zetteln, die Bittins überall angeschlagen hat, wird jeder darauf hingewiesen: Hier gibt es nichts zu Stehlen. „Noch nicht einmal Leergut.“

Im Juni 2013 hatten sich Unbekannte zuletzt Zutritt zum Vereinsheim verschafft. Zeug von Wert haben sie vergeblich gesucht. Da war nichts, was sich als Beute geeignet hätte. Trotzdem haben sie immensen Schaden angerichtet, weil sie die verschlossenen Türen im Inneren aufgehebelt hatten. Seitdem stehen die Türen auf und jeder kann sehen: nichts wertvolles vorhanden.

Nichts geklaut – Geld weg

Bittins erzählt von weiteren Diebstählen in jüngster Vergangenheit ganz in der Nähe. Die stillgelegten Gleise hinter dem Sportplatz werden gerade wieder reanimiert. Die Euregiobahn soll hier mal drüberrollen. Aus den Maschinen, die dort stehen, sollen 1800 Liter Diesel verschwunden sein. Und eine Lichtmaschine. Außerdem wurde in die Alte Schule in St. Jöris eingebrochen, wo sich Räume des Karnevalsvereins Stoppelhusaren und des Chores befinden. Der oder die Täter waren in den Kindergarten eingedrungen, hatten ein Büro durchwühlt und sind dann nach unten in den Keller zu den Vereinsräumen gegangen.

Offenbar haben die Einbrecher aber nichts gefunden, das ihr Interesse geweckt hat. Gestohlen wurde nach bisherigen Erkenntnissen nämlich nichts. Dennoch hinterlässt der Einbruch bei den Betroffenen mehr als nur Angst und Ärger. Der Sachschaden beläuft sich nämlich auf rund 1500 Euro nach Polizeiangaben. Auch in einen Kindergarten in Kinzweiler wurde eingebrochen, Anfang März. Dort wurde das Fenster aufgehebelt und Schränke im Büro des Leiters durchwühlt.

Eine auffällige Häufung an Einbrüchen kann die Polizei derzeit aber nicht beobachten, erklärt eine Sprecherin auf Nachfrage. Von den Diebstählen an den Gleisen hat sie keine Kenntnis. In beiden Einbruchsfällen in Vereinsheime in St. Jöris gebe es keine Zeugen. Es seien Spuren gesichert worden, nun laufe die Auswertung.

Wie lange das dauert, lässt sich nicht vorhersagen. Bei Fingerspuren gehe es schneller als bei serologischen Spuren wie DNA. Die wertet das Landeskriminalamt aus und geht dabei nach Priorität vor. Ein Mord rangiert weit vorne, der Einbruch in ein Vereinsheim muss eher warten.

Vermutungen, mit Tätern welchen Kalibers man es in diesem Fall zu tun hat, erlaubt die Kriminalstatistik des vergangenen Jahres. Wohnungseinbrüche sind zurückgegangen, Einbrüche in Geschäfte aber haben sich fast verdreifacht. Polizeipräsident Klaus Oelze sagte bei der Vorstellung der Statistik, es sei denkbar, dass es Täter sind, die sich auf eben jene Objekte spezialisiert haben.

Die Einbrecher kundschaften aus und sehen genau, wo sie schnell hereinkommen. Was also tun als Verein und Bürger? Auf jeden Fall die Schwachstellen am eigenen Objekt erkennen. Unterstützung bietet das Kommissariat 44 – Kriminalprävention und Opferschutz – der Polizei Aachen.

Keine Traktor-Spezialisten

Bittins hat seine eigenen Vermutungen, wer die Täter sein könnten: „Eine Tätergruppe, die für mich in Frage kommt, spezialisiert sich auf bestimmte Regionen, bearbeitet die sozusagen und zieht dann weiter. Oder die Täter haben Insiderwissen und stammen sogar aus der Region.“ Zum Abtransport des Traktors müssen sie einen Wagen mitgehabt haben, da ist sich Bittins sicher. Und noch etwas hat er bemerkt: Spuren.

Die blockierten Reifen der Maschine haben sie hinterlassen, als die Täter sie mit Gewalt aus dem Schuppen geholt haben. „Mit dem Gerät haben sie sich also nicht gut ausgekannt, sonst hätten sie von dem Entriegelungsschalter gewusst.“

Bittins äußert die Hoffnung, dass die Polizei vielleicht öfter Streifen fahren lässt. Die Chancen dafür stehen aber schlecht nach der Ankündigung von Polizeipräsident Klaus Oelze, mit Blick auf das Präsenzkonzept in Eschweiler ausgleichend tätig werden zu wollen – also Personal in Eschweiler tendenziell eher abzuziehen.

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