Ein Weihnachtskonzert der nicht alltäglichen Art

Von: Joachim Peters
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„In dulci jubilo” war das Weihnachtskonzert der Städtischen Musikgesellschaft überschrieben, das Chor und Orchester in St. Peter und Paul präsentierten. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. „Mit der Reife wird man immer jünger”. Was der Dichter Hermann Hesse für den Einzelnen als Ideal einforderte, dem strebt auch die Städtische Musikgesellschaft Eschweiler als großes Ensemble zu.

Das erste Freilichtkonzert zum Stadtjubiläum, die Aufnahme von Musical- und Filmmelodien ins Programm sowie am Samstagabend beim Weihnachtskonzert erneut die Auflockerung des Ablaufs durch eine Moderatorin (Chorvorsitzende Cornelia Schwarz-Misere) und die musikalische Bereicherung durch unbekannte und moderne Weisen: All diese löblichen Neuerungen auf dem Fundament der Tradition verschaffen der Musikgesellschaft eine noch große Resonanz bei den Bürgern der Indestadt. Dies zeigte sich am guten Besuch in St. Peter und Paul.

Die Zuhörer waren erwartungsvoll gekommen und „Erwartung” hieß auch die angestimmte Konzert-Ouvertüre: Der erste von insgesamt vier über den Abend verstreuten Teilen aus der Weihnachtskantate „Der Stern von Bethlehem” von Josef Gabriel Rheinberger. Horst Berretz hatte das spätromantische und von Wagnerschen Grals-Akkorden getränkte Werk früher einmal in Gänze aufführen lassen.

Die sensible Interpretation von Chor und Orchester sprach dann auch für eine vertiefte Erfassung des Werkes. Daher brauchte man auch keine Profi-Sänger für die Solo-Partien zu verpflichten; die Sänger aus den eigenen Reihen meisterten jederzeit ihre Aufgabe: tonschön und beherzt Sopran Bettina Thülen bei „Ihr Hirten” und dann „Maria an der Krippe” sowie das durch Homogenität überzeugende Männer-Quartett Markus Paulman, Nikolaus Sturm (beide Tenor), Dr. Franz Wolters und Peter Adrian (Bass) beim Kantatenteil „Anbetung der Weisen”.

Die eigentliche Überraschung des Weihnachtskonzertes war der mit dem „Ave Maria” von Nuffel einsetzende A-cappella-Block des Chores der Städtischen Musikgesellschaft. Horst Berretz gebührt Respekt für seinen Mut, das harmonisch so komplizierte vielstimminge „O komm Emanuel” des Bartók-Schülers Zoltan Kodaly einstudieren zu lassen. Die unerschütterliche Proben-Geduld wurde belohnt: „O komm Emanuel” brachte es ebenso sauber zur Konzertreife wie das nicht minder anspruchsvolle lateinische „Sicut cervus desiderat” des großen Kirchenmusik-Reformers Palestrina.

Die zweite Überraschung lieferten Chor und Orchester gemeinsam. Die Weihnachtslieder des zeitgenössischen Komponisten John Rutter ließen einen fühlen, dass Weihnachten nicht ein Fest gekünstelter Würde, sondern ausgelassener Freude sein sollte. Bekannte Festmusiken (wie der „Halleluja”-Chor aus Händels „Messias”), Stücke aus Bachs Zwar ist eine Reduzierung des Altersdurchschnittes - vor allem im Chor - in den letzten Jahren noch nicht unbedingt festzustellen, doch dies tut einer vorangehenden „inneren Verjüngung”, das heißt begeisterten Hinwendung auch zu Werken jenseits des klassischen Repertoires, keinen Abbruch.

„Weihnachtsoratorium” und das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern mit dem Publikum rundeten das Konzert ab.

2010 war das Jahr der „Potpourri”-Konzerte der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler: Sowohl das Frühjahrskonzert als auch das Weihnachtskonzert setzte sich aus kurzen Werken unterschiedlicher Epochen zusammen. Das dabei gezeigte Niveau macht Dirigent Horst Berretz Mut: Zukünftig könnten wieder größere zusammenhängende Werke an einem Konzertabend dargeboten werden.

Vielleicht gilt dies schon für 2011 - in den Weihnachts- und Probeferien nehmen die Berretz-Überlegungen für das nächste Jahresprogramm immer Gestalt an -, auf jeden Fall aber für 2012. Dann feiert die älteste existierende Musikvereinigung der Indestadt ihr 150-jähriges Bestehen.

„Da nehmen wir uns auf jeden Fall etwas Besonderes vor”, verspricht der musikalische Leiter der Gesellschaft bei der Weihnachtsfeier im Talbahnhof.

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