Ein Trio unter 60 Männern in der Gartengruppe

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Eschweiler. „Ich komme jeden Tag gerne.“ Die 19-jährige Kim Greilinger strahlt. Die junge Frau lacht mit ihren Augen und sieht glücklich aus. Seit sieben Monaten arbeitet sie bei der Caritas Behindertenwerk GmbH. Sie ist eine von 1100 Beschäftigten in den Werken in der Städteregion.

Als sie mit der Schule fertig war, nahm sie dort ihre Arbeit auf. Zunächst in der Küche. Da war es aber sehr stressig. Um 12 Uhr musste das Essen schnell an die anderen Mitarbeiter der Behindertenwerkstatt in Eschweiler ausgegeben werden. Mehr als 200 Portionen wurden verteilt.

Aber auch aus anderem Grund war Kim Greilinger zunächst unzufrieden: „Da waren andere Beschäftigte in der Küche, die waren nicht nett zu mir“, sagt sie. Kim Greilinger ist sehr sensibel. „Da arbeitet eine, die hat nicht nett über mich und meinen Freund geredet“, erzählt Kim. Sie machte eine Faust in der Tasche, aber glücklich wurde sie zunächst nicht. Sie wartete vier Monate lang und wechselte schließlich die Abteilung. Jetzt ist sie bei der Gartengruppe tätig. Ein hauptamtlich arbeitender Gruppenleiter und neun Beschäftigte fahren zu Auftraggebern. Das sind Private oder es ist die Kommune.

Zunächst ein Praktikum

Bevor Kim in die Behindertenwerkstatt kam, hätte sie ein Praktikum machen können. „Unsere Beschäftigten sollen sich wohl fühlen, deshalb dürfen sie erst mal reinschnuppern“, sagt Michael Doersch, Geschäftsführer der Caritas Behindertenwerk GmbH. In acht Werken über die Städte Region Aachen verteilt gibt es ganz unterschiedliche Bereiche, in denen die Beschäftigten arbeiten. Die Wäscherei, die Näherei, das Recycling, Montage und Verpackung, Medizintechnik, Automotiv, die Schreinerei und die Gartengruppe. Bevor die Behinderten sich einen Job aussuchen, durchlaufen sie verschiedene Stationen. „Die Caritas hat in den vergangenen fünf Jahren mit den Kostenträgern Qualitätsstandards entwickelt, um den behinderten Beschäftigten eine gute Basis zu liefern“, beschreibt Michael Doersch.

Während einer sogenannten Kompetenzanalyse lernen die Teilnehmer zwei bis drei Berufsfelder kennen. Das ist die berufliche Orientierung. „Die Caritas hat eine große Vielfalt an beruflichen Tätigkeiten“, sagt der Geschäftsführer, der weiß, dass die Beschäftigten diese Vielfalt zu schätzen wissen. Nach dem ersten Jahr, in dem es neben den praktischen Arbeiten immer auch Blockunterricht gibt, folgt das Vertiefungsjahr.

In der Gartenabteilung

„Ich bleibe in der Gartenabteilung“, sagt Kim mit fester Stimme. Sie ist eine von drei Frauen, die sich gegen 60 Männer behaupten. Jeden Morgen fährt sie mit ihrer Truppe gegen 8.30 Uhr raus. Ganzjährig wird das Unkraut gejätet. Abfallbehälter werden entleert, Bodeneinläufe gesäubert, befestigte Flächen werden gereinigt, Rasen- und Gehölzflächen gepflegt. Es wird vertikutiert, gedüngt, nachgesät, Fertigrasen wird verlegt, Waldwiesenflächen werden angelegt. „Unsere qualifizierten Landschaftsgärtner werden unterstützt von den Menschen mit Handicap, bringen Firmengelände in Form und sorgen für ein gepflegtes Außenbild zu jeder Jahreszeit“, sagt Michael Doersch, der gerne Werbung für die Zuverlässigkeit und Kompetenz der Gartentruppe macht.

Doersch sucht permanent neue Auftraggeber, denn die Gehälter der Beschäftigten der Behindertenwerkstatt zahlt er von den erarbeiteten Einnahmen. „In Zeiten knapper Kassen fällt schon mal die ein oder andere Kommune weg, die uns beauftragt“, verrät Michael Doersch, der immer wieder Auftraggeber aus der freien Wirtschaft überzeugt, die Behindertenwerkstatt zu beauftragen. „Die Erfahrung zeigt, dass Entscheidungsträger häufig selbst ein besonderes Verhältnis zu Behinderungen haben müssen, damit sie uns beauftragen“, sagt Michael Doersch.

Einfacher ist es, Beschäftigte einzustellen. Die werden in der jüngsten Zeit immer mehr. „Die Kostenträger machen uns einen Eingliederungsvorschlag für einen Menschen mit Behinderung. Letztlich kann ich nicht entscheiden, wen wir nehmen. Das machen ein Vertreter vom Landschaftsverband, ein Mitarbeiter der Agentur für Arbeit und ein Vertreter der Werkstatt“, berichtet Geschäftsführer Doersch. In der Ausbildungszeit erhalten die Menschen mit Handicap die gesetzliche Vergütung von 75 Euro pro Monat als Ausbildungsgeld Gehalt.

Jeden Morgen wird Kim vom Zubringerbus um 7.20 Uhr von zu Hause abgeholt. Zurück ist sie um 16.30 Uhr. Aber nicht donnerstags, denn dann spielt sie nach ihrer Arbeit noch Tischtennis. Die Tischtennis AG wird von einem hauptamtlichen Mitarbeiter der Caritas-Behindertenwerke ehrenamtlich geleitet. Gemeinsam mit den Beschäftigten trainiert er mit Kim. „Das macht total viel Spaß“, sagt Kim. In der Behindertenwerkstatt hat sie längst Freunde gefunden. „Und Zicken erkannt“, meint sie mit einem Lächeln. „Das ist bei uns genau so wie in jedem anderen Betrieb“, sagt Michael Doersch, der die Herzlichkeit und die Ehrlichkeit seiner Beschäftigten zu schätzen weiß.

Gute Laune auch im Regen

Kim arbeitet mit den üblichen Geräten im Landschaftsbau, mit Spalter, Säge und Federbesen. Sie kann Rasen mähen und beobachtet ihre Kollegen immer ganz genau, wenn die Werkzeuge benutzen, die sie noch nicht kennt. Hat sie auch noch gute Laune in der Gartentruppe, wenn es regnet? „Ja klar“, sagt sie und schiebt mit einem Lächeln hinterher: „Wir müssen uns doch nur richtig anziehen.“ Ein einfacher, aber effektiver Weg.

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