Ein Standbein fällt weg: Die letzten Zivisräumen das Feld

Von: ng
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Waldemar Ewald zeigt den Mitar
Waldemar Ewald zeigt den Mitarbeitern im Caritas Behindertenwerk Eschweiler wie man Kartons richtig zusammenbaut. Er war gerne Zivi, nimmt viele Erfahrungen aus dieser Zeit mit. Foto: Nicola Gottfroh

Eschweiler. Man sieht sie immer weniger - junge Männer, die den Dienst am Bürger leisten. Zivis gehören inzwischen zu einer aussterbenden Art. Denn mit dem Aussetzen der Wehrpflicht wird auch dem Zivildienst der Zapfenstreich geblasen.

„Das ist wirklich sehr schade. Denn ich selbst möchte diese Erfahrung nicht missen”, sagt Waldemar Ewald. Der 23-Jährige ist derzeit noch Zivildienstleistender im Behindertenwerk der Caritas in Eschweiler. Und er ist der letzte seiner Art in dieser Einrichtung. Alle anderen Zivis haben ihren Dienst beendet - und nach ihnen kommt nichts mehr. Das findet Waldemar schade: „Mir hat die Arbeit mit den Menschen hier so viel Spaß gemacht, dass ich noch um drei Monate verlängert habe”, sagt er. Doch in wenigen Wochen ist auch für ihn endgültig Schluss mit dem Dienst am Bürger.

Eine Einrichtung wie das Behindertenwerk treffe die Abschaffung des Zivildienstes stark, denn die jungen Männer waren stets ein zusätzliches Standbein, sagt David Göser vom Cariats-Behindertenwerk. Zwar sei die Anzahl der Zivildienstleistenden in den vergangenen Jahren stark gesunken, doch haben immer noch durchschnittlich acht bis zehn Zivis in dem Werk in Eschweiler jährlich ihren Dienst abgeleistet - und die fehlen jetzt. „Wir versuchen die wegfallenden Zivi-Stellen aufzufangen, beispielsweise durch junge Menschen, die ein Freiwillige Soziales Jahr bei uns machen”, erklärt Göser.

Trotzdem: In jedem Falle sei man aber auf Freiwillige angewiesen. Deshalb hofft er jetzt auf viel Hilfe durch den Bundesfreiwilligendienst. „Gemeldet hat sich dafür bislang aber noch niemand bei uns. Und auch wir können noch nicht gezielt werben, weil die Regelungen für den Bundesfreiwilligendienst noch sehr schwammig sind”, kritisiert er. Nähere Informationen erwartet er für die kommende Woche. Dann kann er Interessierten auch etwas Konkretes sagen. „Glücklicherweise fallenwir auch ohne die Zivis in kein tiefes Loch, weil wir personell doch ziemlich gut aufgestellt sind.

Ablauf erleichtert

Aber mit den Zivis war es ein Stück weit leichter. Sie haben den Tagesablauf sehr erleichtert”, betont Göser. Das findet auch Elmar Wagenbach, Geschäftsführer des St.-Antonius-Hospitals. „Sicher fehlen auch bei uns die Zivis. Schließlich war der Dienst für die jungen Männer keine Beschäftigungstherapie, um die Zeit totzuschlagen. Sie haben schon gut mit angepackt, sozusagen helfende Hände, auf die man nur ungern verzichtet”, sagt er.

Die Aufgabeschwerpunkt der jungen Menschen lag im Krankenhaus in der Unterstützung des Pflegepersonals. „Die Arbeit, die die Zivis nun nicht mehr übernehmen, bleibt am Pflegepersonal hängen, wenn sich nicht genug Freiwillige finden lassen oder es kein Ersatzbudget für die Anstellung zusätzlicher Pflegekräfte gibt.” Und das würden auch die Patienten früher oder später merken. Sorge, dass das Krankenhaus zusammenbricht, die müsse sich aber keiner machen - immerhin sei die Arbeit der Zivis „nur” Unterstützungsarbeit gewesen.

Auch Klaus Thiede von der Senioreneinrichtung Sentel findet die Abschaffung des Zivildienstes schade, jedoch für seine Einrichtung nicht schmerzlich. „Wir haben den Zivildienst nebenher laufen lassen - in der Regel hatten wir ohnehin nur zwei Zivis beschäftigt”, sagt er. Im Arbeitsablauf merkt man den Verlust der Zivildienstleistenden nicht - die Bewohner allerdings vermissen sie schon. „Die Ausflüge der Senioren durch die Stadt werden jetzt vermutlich weniger werden. Das ist sehr schade”, sagt er.

Damit die Bewohner aber dennoch nicht auf ihre beliebten Ausflüge verzichten müssen, habe man die Beschäftigungstherapie aufgestockt. Dennoch - für viele Menschen bleiben die Zivis wohl auch in Zukunft unersetzbar.
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